21.03.2012
Minutenprotokoll
Verdächtiger will sich angeblich am späten Abend ergeben
Einsatzkräfte in Toulouse: Stundenlanger Nervenkrieg
+++ Polizei hat wieder Kontakt +++
[13.15 Uhr] Nachdem zwischenzeitlich Funkstille herrschte, hat der mutmaßliche Attentäter von Toulouse nun offenbar wieder Kontakt zu den Ermittlern. Das berichtet der TV-Sender France 24.
+++ "Sanft und höflich" +++
[13.00 Uhr] Der Anwalt des Verdächtigen beschreibt den Mann bei BFMTV als sanft und höflich, jedenfalls nicht rigide. Das berichtet die Zeitung "Figaro". Demnach kennt der Anwalt Mohammed Merah seit acht Jahren. Der Verdächtige soll in der Vergangenheit unter anderem wegen Raubes und Fahrens ohne Führerschein in Konflikt mit dem Gesetz geraten sein.
+++ Belagerungszustand in Côte Pavée +++
[12.40 Uhr] Das ansonsten ruhige Wohnviertel Cotê Pavée befindet sich im Belagerungszustand. Den ersten Ring um das Gebäude bilden Polizisten und Spezialkräfte. In 100 bis 200 Metern Entfernung folgen Schaulustige und Journalisten. Die Polizei hat den Zugang zur Rue du Sergent Vigné weiträumig gesperrt.
+++ "Schüsse in der Nacht" +++
[12.28 Uhr] "Wir haben die Schüsse in der Nacht gehört", sagt ein 25-jähriger Anwohner. "Es begann zwischen 3 und 4 Uhr". Der Mann wohnt in einer Villa, keine 70 Meter von dem Gebäudekomplex entfernt, in dem sich der mutmaßliche Serienmörder immer noch verschanzt. Das Gebäude ist fünf Stockwerke hoch, ein gesichtsloser, grauverputzer Funktionsbau mit mehreren Hauseingängen. "Die Wohnungen darin sind billig und klein", sagt eine Anwohnerin.
+++ Verdächtiger soll aus Gefängnis in Kandahar ausgebrochen sein +++
[12.10 Uhr] Der mutmaßliche Attentäter Mohammed M. soll in der Vergangenheit im afghanischen Kandahar im Gefängnis gesessen haben - das sagte der Gefängnisdirektor der Nachrichtenagentur Reuters. Den Angaben zufolge wurde M. Ende 2007 als Bombenleger zu drei Jahren Haft verurteilt. Ihm soll jedoch 2008 während eines Angriffs der Taliban die Flucht gelungen sein.
+++ Polizei bringt Anwohner in Sicherheit +++
[11.48 Uhr] Die französische Polizei hat das Haus, in dem sich der mutmaßliche Täter verschanzt, inzwischen evakuiert. Es handelt sich bei dem Gebäude um ein mehrstöckiges Haus mit mehreren Wohnungen. Die Bewohner saßen seit Beginn der versuchten Stürmung fest. Sie werden laut der Nachrichtenagentur AFP nun psychologisch betreut. Bereits um kurz nach elf wurde eine Gruppe Anwohner in einem Bus aus dem inneren Absperrungsring gebracht, ein zweiter Bus folgt um kurz vor 12 Uhr.
+++ Mutmaßlicher Täter spricht nicht mehr mit Polizei +++
[11.35 Uhr] Die Kommunikation ist abgebrochen: Der mutmaßliche Attentäter von Toulouse und Montauban spricht laut dem französischen Innenminister Claude Guéant nicht mehr mit der Polizei. Zuvor hatte der Mann angekündigt, sich am Nachmittag ergeben zu wollen.
In einem geparkten Auto entdeckte die Polizei weitere Waffen. Guéant gab auf einer Pressekonferenz zudem bekannt, dass es mehrere Festnahmen gegeben habe. Unter anderem seien die beiden Schwestern und Brüder des Mannes sowie die Mutter festgesetzt worden.
Einer der Brüder sympathisiere wie der Verdächtige mit den extremistischen Salafisten. Der mutmaßliche Täter hatte am Morgen eine Waffe gegen ein Telefon eingetauscht. Nach eigener Auskunft hat er in der Wohnung aber weitere Feuerwaffen, darunter eine Kalaschnikow und eine Uzi.
+++ Täter ist identifziert +++
[11.30 Uhr] Der mutmaßliche Serienmörder ist nach Angaben von Präsident Nicolas Sarkozy identifiziert worden. Laut französischen Medien und der Nachrichtenagentur AFP soll es sich um Mohammed M. handeln, einen Franzosen algerischer Abstammung.
Nach einer Unterredung mit Vertretern der jüdischen und muslimischen Glaubensgemeinschaften sagte Sarkozy, es werde alles getan, damit der Täter sich vor der Justiz verantworte. "Der Terrorismus wird unsere nationale Gemeinschaft nicht zerbrechen", sagte der Präsident. Er warnte vor Rachegedanken und einer Verquickung von Religion und Terrorismus.
+++ Geheimdienst beobachtete Verdächtigen seit Jahren +++
[11.25 Uhr]: Der französische Inlandsgeheimdienst DCRI hat den mutmaßlichen Serien-Attentäter von Toulouse jahrelang beobachtet. Dabei sei aber nie ein Anzeichen dafür entdeckt worden, dass der Mann ein Verbrechen planen könnte, sagte Innenminister Claude Guéant.
hut/ulz/dpa/Reuters/AFP/AP