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24.03.2012
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Attentäter von Toulouse

Merahs Bruder gerät ins Visier der Ermittler

AP

Polizisten, Verdächtiger: In der Mitte sitzt vermutlich der Bruder des Attentäters Merah

Die französische Polizei sucht nach möglichen Helfern des Attentäters von Toulouse - und konzentriert sich dabei auf seinen Bruder. Angeblich wurde das Mobiltelefon des 29-Jährigen am selben Morgen in der Nähe der jüdischen Schule geortet, an dem Mohammed Merah dort ein Blutbad anrichtete. 

Hamburg - In Frankreich gerät der ältere Bruder des getöteten Attentäters von Toulouse in das Visier der Ermittlungsbehörden. Nach Angaben der Zeitung "Le Parisien" wurde das Mobiltelefon von Abdelkader Merah am Morgen des 19. März in der Nähe der jüdischen Schule geortet, an der Mohammed Merah am selben Tag ein Blutbad angerichtet hat. Am Abend zuvor sollen sich die Brüder zum Abendessen getroffen haben.

Mohammed Merah hatte sich dazu bekannt, drei Soldaten, einen Lehrer und drei Kinder in Toulouse und Montauban kaltblütig ermordet zu haben. Nach einer mehr als dreißigstündigen Belagerung war er von einem Spezialkommando der Polizei erschossen worden. Wie zuletzt bekannt wurde, stand er bei den US-Sicherheitsbehörden auf der "no-fly"-Liste für Terrorverdächtige - damit war er von Flügen in die USA ausgeschlossen.

Die Ermittler in Frankreich hatten Merahs Mutter, seinen Bruder und dessen Lebensgefährtin zu Vernehmungen in Gewahrsam genommen. Die Mutter ist inzwischen wieder auf freiem Fuß - das gab der Anwalt der Frau bekannt. Sie habe mit der Polizei kooperiert, es gebe keine Anklage. Merah soll ihren Laptop benutzt haben, um sein erstes Opfer in die Falle zu locken.

Abdelkader Merah, der ältere Bruder des Attentäters, befindet sich hingegen weiter in Haft. Die Ermittler prüfen derzeit, ob es bei den Anschlägen Mittäter oder Unterstützer gab - und dabei konzentrieren sich die Untersuchungen auf den 29-Jährigen. Er und seine Ehefrau sollen noch bis Sonntag für weitere Befragungen in Paris bleiben.

Eine erste Meldung, im Auto Abdelkaders sei möglicherweise Sprengstoff gefunden worden, bestätigte sich nicht. Auch die Untersuchung des Computers des Bruders brachte nach Polizeiangaben bislang keine weiterführenden Erkenntnisse. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung seien zudem weder Waffen noch Sprengstoff gefunden worden, berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Polizeikreise.

Die Ermittler prüfen darüber hinaus, ob Abdelkader seinen Bruder finanziell oder logistisch unterstützte. Der Attentäter soll deutlich über seinen bescheidenen finanziellen Mitteln gelebt haben. Der französische Geheimdienstchef Ange Mancini sagte dem Fernsehsender BFMTV, Merah habe während der Belagerung durch die Polizei erklärt, er habe 20.000 Euro für die Waffen bezahlt. Das Geld stamme aus Einbrüchen. Mancini sagte, er halte das für möglich. Die Ermittler würden die Waffen jedoch untersuchen, um Hinweise auf ihre Herkunft zu erhalten.

Abdelkader Merah soll ausgesagt haben, er habe nichts von den Plänen seines Bruders gewusst, sei aber "stolz" auf sie - das verlautete laut AFP aus dem Umfeld der Polizei.

Terrorwarnstufe wieder gesenkt

Mohammed Merah hatte vor seinem Tod erklärt, weder seine Mutter noch sein Bruder hätten von seinen Plänen gewusst. Ein Sprecher der Polizeigewerkschaft sagte hingegen, es gebe Hinweise, dass Abdelkader seinem Bruder möglicherweise geholfen habe. Der ältere Bruder war bereits vor einigen Jahren von der Polizei vernommen worden, weil er Kontakt zu einem Netzwerk gehabt haben soll, das Jugendliche aus der Region von Toulouse in den Irak schickte.

Im nordfranzösischen Rouen erinnerten Hunderte in Weiß gekleidete Menschen mit einem Gedenkmarsch an das erste Opfers Merahs. Die Trauernden versammelten sich vor dem Haus der Familie des am 11. März getöteten Fallschirmjägers. Einige hielten ein großes Spruchband mit den Namen aller sieben Opfer Merahs und dem Satz "Wir werden es niemals vergessen" in die Höhe. Der Soldat soll am Sonntag in Marokko beerdigt werden.

Die französische Regierung hat die nach den Morden ausgerufene höchste Terrorwarnstufe unterdessen wieder aufgehoben. Am Samstag wurde die Stufe für den Südwesten Frankreichs von "scharlachrot" wieder um eine Stufe abgesenkt.

usp/AFP/dpa

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insgesamt 17 Beiträge
1. Bruder von Mahammet Merah unter Verdacht
guteronkel 25.03.2012
Man erkennt, dass die französischen Behörden allemal genau so unfähig sind wie die deutschen. Zeigten sich die Anzeichen nur allzu deutlich bei Mohammet Merah, genau so untätig und unfähig waren die Verantwortlichen in [...]
Zitat von sysopDie französische Polizei such nach möglichen Helfern des Attentäters von Toulouse - und konzentriert sich dabei auf seinen Bruder. Angeblich wurde das Mobiltelefon des 29-Jährigen am selben Morgen in der Nähe der jüdischen Schule geortet, an dem Mohammed Merah dort ein Blutbad anrichtete. Attentäter von Toulouse: Merahs Bruder gerät ins Visier der Ermittler - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,823553,00.html)
Man erkennt, dass die französischen Behörden allemal genau so unfähig sind wie die deutschen. Zeigten sich die Anzeichen nur allzu deutlich bei Mohammet Merah, genau so untätig und unfähig waren die Verantwortlichen in Frankreich. Das ist vergleichbar mit dem Treiben der Politiker in Deutschland. Nachdem die NSU 10 Jahre ungehindert ihr Unwesen treiben konnten, überschlagen sich jetzt die Ereigisse. Hier kommt doch sehr stark die Vermutung auf, dass man hektisch dem Bürger die Existenz seiner beruflichen Stelle beweisen will. Weiter ist nahezu jeden Tag den Medien zu entnehmen, dass nun wieder ein Bundesland seine V-Leute aus der Führung der NPD abziehen will. Für wie blöd halten unsere Verantwortlichen das Bundesverfassungsgericht eigentlich. Die erste Frage vor Gericht wäre doch sicherlich: "Und was haben ihre V-Leute bis zum Ausscheiden aus der NPD in der Führung dort gemacht?" Spätestens dann kommen unsere Innenminister schwer in Bedrängnis. Sollte das Verbot der NPD trotz aller Verlogenheit der Politiker und Beamten doch durchgehen, so sehe ich die Gefahr, dass gewisse Leute aus dem Untergrund oder dem Ausland in Deutschland aktiv werden. Ich schlage deshalb vor, dass z.B. die CSU in Bayern vom Verfassungsschutz überwacht wird. Dort scheint rechts davon nichts mehr zu existieren.
2. Schlechter Witz
awun 25.03.2012
Das ist doch nicht deren ernst, oder? Was soll man noch von der Französischen Polizei und Justiz halten (die deutsche wird aber sicher auch nicht besser sein)? Zunähst ein missglückter Zugriff auf den mutmaßiger Täter, der in [...]
Zitat von sysopAm Abend zuvor sollen sich die Brüder zum Abendessen getroffen haben. ... Die Ermittler prüfen darüber hinaus, ob Abdelkader seinen Bruder finanziell oder logistisch unterstützte.
Das ist doch nicht deren ernst, oder? Was soll man noch von der Französischen Polizei und Justiz halten (die deutsche wird aber sicher auch nicht besser sein)? Zunähst ein missglückter Zugriff auf den mutmaßiger Täter, der in einer Schießerei endet und jetzt will man Brüdern unter anderem vorwerfen gemeinsam Abendbrot gegessen zu haben und das der eine Bruder dem anderen finanziell geholfen hat. Wie weltfremd ist das denn? Natürlich macht man das unter Geschwistern. In der Geiz-Geselschaft bei uns ist es vielleicht nicht mehr so verbreitet, aber denke gerade in arabischen Regionen Blut noch wesentlich dicker und man hilft sich untereinander mehr. Ich will damit keinen Verteidigen, nur hoffe ich mal, dass die Französische Justiz mehr in der Hand hat als vermutet wird. Ansonsten kann man die letzten verliebenden Glauben in die Rechtsstattlichkeit begraben.
3. seltsam
tinosaurus 25.03.2012
Auch ich kann nicht ganz nachvollziehen, dass man den Täter angeblich nicht lebend fassen konnte. Er hätte doch z.B. mit Gas betäubt werden können. Es ist schon seltsam, dass er mit einem Kopfschuss aus dem Fenster fliegen konnte. [...]
Auch ich kann nicht ganz nachvollziehen, dass man den Täter angeblich nicht lebend fassen konnte. Er hätte doch z.B. mit Gas betäubt werden können. Es ist schon seltsam, dass er mit einem Kopfschuss aus dem Fenster fliegen konnte. Oder hat er diesen gezielten Schuss sozusagen im Freiflug verpasst bekommen? Das ergibt dann noch weniger Sinn. Es sei denn, man war an einer Aufklärung gar nicht interessiert.
4. Titel
huggi 25.03.2012
... gestern hörte ich in den Nachrichten, dass der Bruder von Mohammed Merah *stolz auf seinen Bruder sei.* Gleiches steht nun hiwer in diesem Artikel. Ein Mensch der sich, als Salafist, für besonders religiös hält ist [...]
Zitat von sysopDie französische Polizei such nach möglichen Helfern des Attentäters von Toulouse - und konzentriert sich dabei auf seinen Bruder. Angeblich wurde das Mobiltelefon des 29-Jährigen am selben Morgen in der Nähe der jüdischen Schule geortet, an dem Mohammed Merah dort ein Blutbad anrichtete. Attentäter von Toulouse: Merahs Bruder gerät ins Visier der Ermittler - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,823553,00.html)
... gestern hörte ich in den Nachrichten, dass der Bruder von Mohammed Merah *stolz auf seinen Bruder sei.* Gleiches steht nun hiwer in diesem Artikel. Ein Mensch der sich, als Salafist, für besonders religiös hält ist stolz auf seinen Bruder der es geschafft hat 7 Menschen umzubringen. Das erstaunliche ist allerdings, dass dieser Abdelkader den Mut aufbringt diese Einstellung, so sie denn zutreffen sollte, so offen zu äussern. Was ich zu tun hätte wenn dieser Geselle in meinem Umfeld leben würde wüsste ich aber.
5. Born Toulouse
graf_krolock 25.03.2012
Es war ja klar, dass dieser Fall wieder die Verschwörungstheoretiker auf den Plan rufen würde. Egal wer verhaftet oder gar erschossen wird, er ist natürlich immer ein unschuldiges Opfer der bösen Geheimdienste. In diesem Fall [...]
Zitat von sysopDie französische Polizei such nach möglichen Helfern des Attentäters von Toulouse - und konzentriert sich dabei auf seinen Bruder. Angeblich wurde das Mobiltelefon des 29-Jährigen am selben Morgen in der Nähe der jüdischen Schule geortet, an dem Mohammed Merah dort ein Blutbad anrichtete. Attentäter von Toulouse: Merahs Bruder gerät ins Visier der Ermittler - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,823553,00.html)
Es war ja klar, dass dieser Fall wieder die Verschwörungstheoretiker auf den Plan rufen würde. Egal wer verhaftet oder gar erschossen wird, er ist natürlich immer ein unschuldiges Opfer der bösen Geheimdienste. In diesem Fall offenbar ein schwer bewaffnetes Opfer, das wild um sich schoss und dusselig genug war die Taten zuzugeben. Auch dass Merah ein sonnengelbes T-Shirt mit der Aufschrift "Terrorcamp 2008" trug und der US-Geheimdienst bereits Jahre zuvor erkannt hatte, dass Merah keine Fliege war, ist natürlich kein Indiz für seine Schuld, sondern ein weiterer Beleg für die perfiden Umtriebe der Sicherheitskräfte. Dabei bin durchaus auch ich der Ansicht, dass staatlichen Stellen eine Teilschuld an den Ereignissen zuzusprechen ist. Denn es wird an diesem Fall doch recht deutlich wie die Perspektivlosigkeit zur Entwicklung Merahs beigetragen hat. Am besten wäre es sicher man würde alle auffälligen Jugendlichen aus den französischen Vorstädten einlochen. Auf diese Weise wären wenigstens die Gefängnisse immer schön voll und man müsste gar noch neue bauen. Das würde der Baubranche helfen und die Wirtschaft ankurbeln. Herr Sarkozy wird’s schon richten. Vive la Frust!

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Zwölf Tage der Angst
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11. März: Der erste Mord
Ein Fallschirmjäger in Zivil wird am Nachmittag in Toulouse auf offener Straße erschossen. Der Täter, der sein Opfer durch eine Internetanzeige aufspürte, flieht auf einem Motorroller.
15. März 2012: Zwei Soldaten getötet
Ebenfalls auf offener Straße werden zwei weitere Fallschirmjäger getötet, die gerade am Geldautomaten Geld abheben wollten. Ein dritter Soldat wird lebensgefährlich verletzt. Auch diesmal flieht der Täter auf einem Motorroller. Ort der Bluttat ist Montauban, rund 50 Kilometer nördlich von Toulouse.
19. März 2012: Drei Kinder und ein Lehrer werden erschossen
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21. März 2012: Fahnder entdecken das Versteck
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22. März 2012: Scharfschützen töten Mohammed Merah
Nach rund 32 Stunden Belagerung dringt die Polizei am Vormittag in Merahs Wohnung vor. Er versteckt sich zunächst im Badezimmer und schießt dann wild um sich. Er wird von Scharfschützen getötet, als er aus dem Fenster flüchten will.

Quelle: AFP

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