13.04.2012
Piratenprozess
Drei Angeklagte aus Untersuchungshaft entlassen
Hamburg - Drei der zehn Angeklagten des Hamburger Piratenprozesses sind am Freitag überraschend aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Das Gericht hat die Haftbefehle gegen die somalischen Jugendlichen und Heranwachsenden aufgehoben, weil die Verhältnismäßigkeit nach fast zwei Jahren U-Haft nicht mehr gegeben sei, sagte ein Verteidiger. Er bestätigte damit einen Bericht des NDR. Die drei sollen nach ihrer Entlassung aus dem Jugendgefängnis in einer Jugendeinrichtung untergebracht werden.
Im Dezember hatte das Oberlandesgericht die lange Verfahrensdauer kritisiert und eine Frist für ein Ende des Prozesses angesetzt. Auch die Verteidiger der drei nun freigelassenen Angeklagten hatten ein Ende der U-Haft gefordert. Da die anderen sieben mutmaßlichen Piraten als Erwachsene gelten, müssen sie laut NDR weiter in Haft bleiben.
Seit November 2010 wird insgesamt zehn Somaliern in Hamburg wegen erpresserischen Menschenraubs und Gefährdung des Seeverkehrs der Prozess gemacht. Es ist das erste Mal, dass mutmaßliche Seeräuber aus Somalia vor einem deutschen Gericht stehen.
Sie sollen das Hamburger Frachtschiff "Taipan" an Ostern 2010 vor der Küste Somalias beschossen und gekapert haben. Ein niederländisches Marinekommando hatte die 15-köpfige Besatzung später befreit. Die zehn Angeklagten waren nach dem Überfall mehr als 530 Seemeilen (rund 980 Kilometer) vor dem somalischen Festland an Bord des Containerfrachters von einem niederländischen Marinekommando festgenommen worden. Später wurden sie an die deutsche Justiz übergeben.
ulz/dpa/dapd