19.07.2012
Mangel an Substanzen
Texas richtet Mörder mit Ein-Gift-Spritze hin
Hinrichtungsraum in Huntsville: Giftspritze mit einem statt mit drei Medikamenten
Huntsville - Seit über einem Jahr zeichnet sich ab, dass in den USA die Medikamente für Giftspitzen knapp werden. Das hatte jetzt Folgen in Texas: Zum ersten Mal wurde in dem Bundesstaat ein zum Tode verurteilter Mörder mit nur einem statt drei Medikamenten hingerichtet. Yokamon Hearn wurde am Mittwochabend (Ortszeit) eine einzige Dosis des starken Betäubungsmittels Pentobarbital verabreicht.
Der Bundesstaat wich von der seit 1982 üblichen Vergabe von drei Medikamenten ab, weil beim staatlichen Vorrat einer der sonst eingesetzten Substanzen die Haltbarkeit abgelaufen ist. Das texanische Justizministerium hatte in der vergangenen Woche dieses Vorgehen angekündigt.
Der hingerichtete Yokamon Hearn war wegen einer Autoentführung und der Tötung eines Börsenmaklers zum Tode verurteilt worden. Zusammen mit einigen Komplizen hatte der damals 19-Jährige 1998 in Dallas einen Mann entführt und später erschossen. Einer der Komplizen wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, zwei weitere zu jeweils zehn Jahren Gefängnis. Der Oberste Gerichtshof der USA lehnte es wenige Stunden vor der Vollstreckung des Todesurteils ab, die Hinrichtung des inzwischen 33-jährigen Hearn zu stoppen.
Uno sprach sich gegen die Hinrichtung aus
Der Fall ist außerdem umstritten, weil Hearn geistig behindert sein soll. Seinem Anwalt zufolge hatte Hearns Mutter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken und er schwere Schäden davongetragen. IQ-Tests sollen jedoch keine Hinweise darauf gegeben haben. Sogar die Uno hatte sich eingeschaltet und die USA noch am Dienstag aufgefordert, das Todesurteil mit Blick auf Hearns Behinderung nicht zu vollstrecken.
Der Supreme Court hatte 2002 entschieden, dass geistig Behinderte nicht zum Tode verurteilt werden dürfen. Allerdings überließ das Gericht die Definition von geistiger Behinderung den Bundesstaaten. Georgia hatte am Mittwoch die geplante Hinrichtung eines geistig Behinderten verschoben. Ein Gnadengesuch wurde jedoch abgelehnt, die Todesstrafe soll nun am Montag vollstreckt werden.
Hearn wurde nach Angaben der Nachrichtenagentur AP 25 Minuten nach Beginn der Verabreichung der Giftspritze für tot erklärt. Er habe keine ungewöhnlichen Reaktionen auf das Medikament gezeigt. Normalerweise werden mit einer Giftspritze drei Substanzen verabreicht: ein Narkosemittel, damit der Todgeweihte nichts spürt, ein Lähmungsmittel, damit sein Körper nicht zuckt, und schließlich das Salz Kaliumchlorid, damit das Herz aufhört zu schlagen. Dies geschieht in der Regel binnen zwei Minuten.
Auch andere US-Bundesstaaten setzen auf Ein-Gift-Spritzen
Schon länger zeichnet sich ab, dass den USA das Gift für ihre Hinrichtungsspritzen ausgeht. Weder das Narkosemittel Thiopental-Natrium noch Pentobarbital können aus Europa bezogen werden - das verhindert die Anti-Folter-Verordnung der EU. Der einzige US-Hersteller von Pentobarbital hatte im Herbst 2011 bereits wegen der wachsenden Proteste die Produktion eingestellt.
Als Ersatz wollen einige US-Bundesstaaten das Narkosemittel Propofol einsetzen - doch auch da gibt es Engpässe. Aufgrund von Lieferschwierigkeiten anderer Hersteller ist Fresenius Kabi aus Hessen, eine Tochter des DAX-Konzerns Fresenius, momentan der einzige Anbieter von Propofol in den USA. Der Hersteller will jedoch die Lieferbedingungen in den USA künftig genauer kontrollieren. Ein amerikanischer Wettbewerber plant erst für August die Wiederaufnahme seiner Propofol-Produktion in den USA. Sie war wegen technischer Probleme unterbrochen worden.
Mehrere Bundesstaaten haben bereits auf den Mangel reagiert. Auch Ohio, Arizona, Idaho und Washington erklärten bereits, künftig nur ein Medikament für die Todesspritze nutzen zu wollen. In dieser Woche will Georgia folgen. In Oklahoma war im Dezember bereits ein Mann mit einem Betäubungsmittel für Tiere hingerichtet worden.
siu/AP