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18.11.2012
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Vierfachmord in den französischen Alpen

Polizei geht von Zufallstat eines Geisteskranken aus

AFP

Neue Theorie, endlich Erfolg? Die französischen Ermittlungsbehörden vermuten hinter dem grausamen Vierfachmord in Chevaline nun einen zufälligen Akt der Gewalt und keinen Auftragsmord. Die Umstände der Tat deuten demnach nicht auf einen Profikiller hin.

Annecy - Es gibt kein Motiv. Zumindest haben die Behörden noch keines gefunden. Über zwei Monate nach dem grausamen Vierfachmord in den französischen Alpen haben die Ermittler noch immer keine Spur, die sie zum Täter führt. Drei Mitglieder einer britischen Familie und ein französischer Radfahrer waren damals brutal ums Leben gekommen, zwei Kinder überlebten die Bluttat.

Jetzt hat sich die Polizei eine neue Theorie zurechtgelegt, wer hinter der Schießerei auf dem Waldparkplatz bei Chevaline stecken könnte: "Wir suchen nach gestörten Menschen, die fähig zu extremer Gewalt sind", sagte der für die Ermittlungen zuständige Staatsanwalt Eric Maillaud gegenüber der BBC. "Nach Leuten, die Zugang zu Waffen haben - Jäger, Sammler, Mitglieder eines Schützenvereins - und die psychische Probleme haben könnten."

Knapp 60 Beamte arbeiten laut Maillaud derzeit an der Aufklärung des Vierfachmords. Die Ermittlungen würden sich über Frankreich, Deutschland, Spanien, Schweden, Italien, Großbritannien und die Schweiz erstrecken. 800 Zeugen ließ man vernehmen, Tausende Stunden Film- und Fotomaterial der Mautstationen und Straßenüberwachungskameras wurden ausgewertet. Bislang ohne nennenswerten Erfolg.

Zu schlampig für einen Auftragsmord

Die Theorie vom irren Einzeltäter, der im Blutrausch vier Menschen erschießt, ist nun ein weiterer Ermittlungsansatz, den Maillaud zusammen mit der Polizei verfolgt. Zuvor hatte man bereits einen Auftragsmord vermutet - wobei nie klar war, wer das eigentliche Ziel des Killers gewesen sein könnte. Nachforschungen ergaben weder bei der britischen Familie noch beim französischen Radfahrer irgendwelche Hinweise, die auf eine gezielte Tat hindeuten könnten.

Gegen einen Profikiller würde laut dem Staatsanwalt auch die bisher bekannte Vorgehensweise des Mörders sprechen. "Wenn das eine Auftragsarbeit war, dann wurde diese sehr schlecht ausgeführt", sagte Maillaud. Einzelheiten zum genauen Ablauf der Schießerei wollte er allerdings nicht preisgeben.

Die Spurensicherung konnte am Tatort keine verwertbaren DNA-Spuren sicherstellen, deshalb liegt nun einer der Schwerpunkte der Ermittlungen auf der Tatwaffe. Aufgrund der gefundenen Patronenhülsen geht man inzwischen von einer antiken Waffe aus. Experten vermuten, dass es sich dabei um eine Pistole der Marke Luger handeln könnte, die vor dem Ersten Weltkrieg in der Schweizer Armee Verwendung fand - ein Sammlerstück. Maillaud wollte dies jedoch nicht bestätigen.

Der Staatsanwalt ist sich sicher, dass allerdings der Beweggrund des Mörders der eigentliche Schlüssel zum Erfolg ist. "Wenn ich das Motiv habe, habe ich meinen Täter", sagte Maillaud. Und das fehlt nach wie vor.

dkr

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