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04.12.2012
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Skurrile Flucht nach Guatemala

McAfee taucht wieder auf

Von Simone Utler

Sein Nachbar wurde ermordet, er selbst trat die Flucht an und wird seit Wochen von der Polizei gesucht. Jetzt verrät der IT-Unternehmer John McAfee zum ersten Mal, wo er steckt: in Guatemala. Er hat sich einen Anwalt genommen - und spricht von Hochzeitsplänen.

Hamburg - Dieser Mordfall verkommt immer mehr zu einer Kriminalposse: John McAfee, der seit dem Tod seines Nachbarn in Belize vor rund drei Wochen abgetaucht ist, nahm sich stets Zeit für sein Blog und diverse Interviews. Nun hat er sogar eigene Fluchtberichterstatter - der 67-Jährige wird von zwei Journalisten des "Vice"-Magazins begleitet, die ausführlich über seine Schritte berichten.

Neuester Stand der skurrilen Flucht: McAfee sei nun in Guatemala-Stadt und habe dort einen berühmten Anwalt angeheuert, schrieb das Magazin am Dienstagabend auf seiner Website. "Ich brauche einen Anwalt", soll McAfee im Gespräch mit dem Juristen gesagt haben. Telésforo Guerra sei nicht nur ein ehemaliger Staatsanwalt, sondern auch noch der Onkel von McAfees 20-jähriger Freundin Sam, die mit dem Gesuchten auf der Flucht ist. Die beiden planten außerdem ihre Hochzeit, verkündet "Vice"-Chefredakteur Rocco Castoro. Zusammen mit Fotograf Robert King begleitet er nach eigenen Angaben die Flüchtigen seit fünf Tagen und ging mit ihnen aus Belize nach Guatemala.

Guerra bestätigte der Nachrichtenagentur AFP das Treffen mit McAfee. Dieser wolle in Guatemala politisches Asyl beantragen und habe ihn früh am Morgen in einem Hotel in Guatemala-Stadt mit dem Asylantrag beauftragt.

Der Gründer des IT-Sicherheitsunternehmens McAfee tauchte ab, nachdem am 11. November sein Nachbar mit einer Schusswunde am Hinterkopf tot in seinem Haus in Belize aufgefunden worden war. McAfee lebte seit mehreren Jahren in dem zentralamerikanischen Karibikstaat und hatte seit längerem mit dem Getöteten Streit - es ging um Hunde, Waffen und merkwürdiges Benehmen McAfees. Die Polizei will ihn zu dem Mord befragen, der Flüchtige fürchtet nach eigenen Angaben jedoch ein Komplott von Seiten der Behörden, ja sogar den Tod.

Guerra sagte, McAfee fürchte "um sein Leben". Sein Mandant werde in Belize verfolgt, weil er aufgehört habe, der Regierung des zentralamerikanischen Staates Geld zu zahlen. McAfee hatte das von ihm gegründete Unternehmen für Virenschutzprogramme in den neunziger Jahren verkauft und damit Millionenbeträge erzielt.

Verwirrung um Foto mit GPS-Daten

Während seiner Flucht zündete McAfee etliche Nebelkerzen. Am Montag berichtete er von einem Double, das die Behörden ablenken sollte, so dass er Belize verlassen konnte. Am Dienstag sorgte ein Foto mit GPS-Daten für Verwirrung.

Auf der Internetseite und im Twitter-Account des "Vice"-Magazins wurde ein Foto veröffentlicht, das den flüchtigen McAfee und Castoro zeigt. Die beiden stehen in kurzärmeligen Hemden vor Palmen, das Foto wurde von King gemacht - offenbar mit einem iPhone.

Jedenfalls berichteten findige Medien kurz nach Erscheinen des Bildes, sie hätten anhand der mit dem Bild veröffentlichten Geo-Daten den Entstehungsort des Fotos ermittelt. Gizmodo.com, wired.com und gawker.com berichteten über einen möglichen Fehltritt der "Vice"-Reporter und veröffentlichten Google-Karten und eine Satellitenaufnahme des Standortes. Dieser liegt in Guatemala, nahe der Grenze zu Belize. Auf der Satellitenaufnahme ist ein Haus mit Swimmingpool zu sehen.

McAfee behauptete wenige Stunden später in seinem Blog, er selbst habe zu seiner eigenen Sicherheit die Geo-Daten des Bildes gefälscht. Ausführlich berichtete er von seiner Motivation und entschuldigte sich beim "Vice"-Magazin, "dass ich das von Ihnen veröffentlichte Foto manipuliert habe".

Fehler eines unerfahrenen Technikers

Wenige Stunden später folgte die nächste Entschuldigung - und die Erklärung, die Daten seien doch echt gewesen. Die Koordinaten seien durch einen unerfahrenen Techniker im "Vice"-Büro veröffentlicht worden. "Trotz dieses Problems konnten wir uns in Sicherheit bringen", schrieb McAfee weiter und erklärte, nun in Guatemala zu sein.

Dies bestätigen die beiden Journalisten, die ihn bis zum Ende seiner Reise begleiten werden, wie es auf der "Vice"-Website heißt. Daraus solle eine längere Dokumentation entstehen, die Antworten auf offene Fragen liefern und "einiges ins rechte Licht rücken" werde.

Bisher steht McAfee in einem extrem schlechten Licht da. Seine Berichte und Interviews eignen sich wohl für einen kurzweiligen Krimi, doch in diesem Fall geht es um den Tod eines Menschen. Und da ist die Form der von McAfee gewählten Inszenierung nicht angemessen. Da sind Finten, die an eine Schnitzeljagd erinnern, ebenso fehl am Platz wie ein Foto, auf dem er seine junge Freundin auf dem Schoß hält und küsst.

Eine komplette Änderung seiner Strategie ist allerdings nicht zu erkennen: Der 67-Jährige vermeldete am Dienstag zwar einerseits, sich in Guatemala den Behörden zu stellen. Gleichzeitig kündigte er aber den nächsten medialen Coup an: Er wolle am Mittwoch eine Pressekonferenz geben.

Forum

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insgesamt 16 Beiträge
1.
Hafenschiff 04.12.2012
Ich hoffe, das wird eines Tages alles verfilmt. ;-)
Ich hoffe, das wird eines Tages alles verfilmt. ;-)
2.
gbk666 04.12.2012
Schön wie der SPOn auf diesen publicity stunt entweder reinfällt oder mitspielt.
Schön wie der SPOn auf diesen publicity stunt entweder reinfällt oder mitspielt.
3.
Kamillo 04.12.2012
Warum braucht der nun Asyl in Guatemala? Der ist doch Amerikaner und kann jederzeit in die USA. Mal davon abgesehen, dass er 47 Jahre älter ist als dieses Mädchen.
Warum braucht der nun Asyl in Guatemala? Der ist doch Amerikaner und kann jederzeit in die USA. Mal davon abgesehen, dass er 47 Jahre älter ist als dieses Mädchen.
4. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein
H. Krämer 04.12.2012
Klar, das ist kein weltbewegender Vorgang. Etwas leichte Unterhaltung zwischen all den anderen schwereren Theman ist ok. Was der etwas durchgeknallte McAfee nun weiter macht, werde ich mit sportlichem Interesse verfolgen.
Klar, das ist kein weltbewegender Vorgang. Etwas leichte Unterhaltung zwischen all den anderen schwereren Theman ist ok. Was der etwas durchgeknallte McAfee nun weiter macht, werde ich mit sportlichem Interesse verfolgen.
5.
Hafenschiff 04.12.2012
Und? Seien Sie mal ehrlich. Wenn Sie 50 sind und haben die FREIE Auswahl zwischen einer 20-jährigen und ihrem alten, ergrauten und körperlich abgeschlafften Hausdrachen, wofür entscheiden Sie sich dann?
Zitat von KamilloWarum braucht der nun Asyl in Guatemala? Der ist doch Amerikaner und kann jederzeit in die USA. Mal davon abgesehen, dass er 47 Jahre älter ist als dieses Mädchen.
Und? Seien Sie mal ehrlich. Wenn Sie 50 sind und haben die FREIE Auswahl zwischen einer 20-jährigen und ihrem alten, ergrauten und körperlich abgeschlafften Hausdrachen, wofür entscheiden Sie sich dann?

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