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13.12.2012
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Prozessbeginn

Großmutter soll Enkelin getötet haben

dapd

Die Angeklagte neben ihrer Übersetzerin im Gerichtssaal: Angeblich keine Erinnerung

In Bad Kreuznach hat der Prozess gegen eine 56-Jährige begonnen, die ihrer Enkelin die Kehle durchgeschnitten haben soll. Die Frau sagt, sie könne sich an nichts mehr erinnern. Die Anklage wirft ihr Totschlag vor. Doch das Gericht hält auch eine Verurteilung wegen Mordes für möglich.

Bad Kreuznach - Ein halbes Jahr nach dem gewaltsamen Tod eines zweijährigen Mädchens im Hunsrück muss sich die 56 Jahre alte Großmutter vor Gericht verantworten. Sie ist wegen Totschlags angeklagt. Ihr wird vorgeworfen, ihrer Enkelin die Kehle durchgeschnitten zu haben.

An den genauen Tatablauf könne sie sich nicht erinnern, sagte die Angeklagte zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Bad Kreuznach. Die Aussage der gebürtigen Russin aus Nowosibirsk wurde von einer Dolmetscherin übersetzt.

"Ich habe danach meine schmutzigen Hände gesehen und konnte nicht verstehen, wo das her kam", sagte die Angeklagte. Sie habe Wodka getrunken, bevor sie sich zu ihren beiden Enkelinnen ins Bett gelegt habe. Als sie zu sich gekommen sei, habe ihr Ehemann gesagt, sie habe eines der Mädchen umgebracht.

Laut Anklage hatte die Frau die fünfjährige Schwester aufgefordert, ihr ein Messer aus der Küche zu bringen. Die Zweijährige habe zuvor nicht schlafen wollen. Anschließend soll die Frau ihre Enkelin gewürgt und mit dem Messer tödlich am Hals verletzt haben. Der Angriff sei "grundlos und ohne ein weiteres Wort geschehen", hieß es in der Anklageschrift.

Der Großvater fand das Mädchen schwer verletzt und alarmierte die Polizei. Bei einer Blutentnahme wurden laut Gericht wenig später 2,91 Promille Alkohol im Blut der Frau festgestellt. Ein vorläufiges psychologisches Gutachten bescheinigt der Angeklagten daher eine eingeschränkte Schuldfähigkeit. Die Eltern der Mädchen hatten die beiden Kinder bei den Großeltern im Dorf Niederwörresbach (Rheinland-Pfalz) untergebracht, um einen Angelausflug zu machen.

Die Großmutter hatte regelmäßig auf die Kinder aufgepasst und nach eigener Aussage ein sehr inniges Verhältnis zu den Kindern. Sie habe ihnen regelmäßig vorgelesen und ihre Wünsche erfüllt. "Die Enkel sind mein Ein und Alles", sagte die Frau. "Ich kann noch immer nicht glauben, dass ich das getan haben soll."

Zum Prozessauftakt wies das Gericht darauf hin, dass auch eine Verurteilung wegen Mordes möglich sei.

aar/dapd/dpa

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