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15.12.2012
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Augenzeugenberichte in Newtown

"Ich versteckte mich unter dem Tisch"

Foto: AFP

Kaum eine halbe Stunde benötigt Adam Lanza, um über die Sandy-Hook-Schule und das Städtchen Newtown unsägliches Leid zu bringen: Der 20-Jährige schießt in der Grundschule um sich, tötet 26 Menschen. Überlebende berichten von den dramatischen Ereignissen.

Newtown - Die Polizei kommt schnell, aber sie kommt zu spät. Als die Einsatzkräfte an der Sandy-Hook-Schule in Newtown im US-Bundesstaat Connecticut eintreffen, hat Adam Lanza seine schreckliche, unfassbare Tat schon vollbracht: Er hat seine Mutter Nancy getötet, ist zu der Schule gefahren und hat dort 20 Kinder im Alter von fünf bis zehn Jahren und sechs Erwachsene erschossen. Laut Polizei geben die Einsatzkräfte keinen Schuss ab. Sie finden Lanza tot in einem Raum in der Schule. Er hat sich umgebracht. (Hier finden Sie eine Übersicht der bisher bekannten Fakten zu dem Verbrechen).

Das Massaker am Freitagmorgen (Ortszeit) spielt sich in weniger als einer halben Stunde ab. Nachdem er seine Mutter erschossen hat, fährt Adam Lanza mit ihrem Auto etwa 7,5 Kilometer zu der Grundschule und betritt sie mit zwei Handfeuerwaffen, einer Glock und einer Sig Sauer.


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Satellitenaufnahme der Sandy-Hook-Grundschulel: Bis zu 700 Kinder angemeldet

Zu dieser Zeit bereiten sich die Schüler auf den Unterricht am Vormittag vor. Direktorin Dawn Hochsprung, Schultherapeutin Diane Day, andere Schulangestellte und ein Elternteil sitzen bei einem Routinetreffen zusammen. Gegen 9.30 Uhr hören sie Schüsse. "Wir redeten seit etwa fünf Minuten, als wir 'Peng, peng, peng' hörten", sagt Day später dem "Wall Street Journal". "Ich versteckte mich unter dem Tisch." Ein Schüler sagt später, es habe sich angehört, als ob Metalldosen auf den Boden fallen.

Direktorin Hochsprung, ihre Stellvertreterin Natalie Hammond und Schulpsychologin Mary Sherlach stürmen aus dem Raum. Nur Hammond kehrt laut CNN verletzt zurück. Hochsprung wird erschossen, auch Sherlach ist unter den sechs getöteten Erwachsenen.

Der erste Notruf geht bei der Polizei ein. "Sandy-Hook-Schule. Die Anruferin sagt, sie glaubt, jemand schießt im Gebäude um sich", meldete der Funker um 9.36 Uhr. Und eine Minute später läuft über den Polizeifunk: "Die Anruferin hört noch immer Schüsse." Weitere Anrufer melden sich, ihre Angaben zum Schützen und seiner Bewaffnung widersprechen sich teilweise. In der Schule schreien zunächst noch Kinder. Sie verstummen. Dann sind laut Therapeutin Day nur noch Schüsse zu hören.

Fotostrecke

Gottesdienst: Trauer um die Opfer von Newtown
Der Lehrer Theodore Varga beschreibt die dramatischen Minuten. Der Freitag habe harmlos begonnen. "Es war ein wunderbarer Tag", sagte er. Alle seien fröhlich gewesen. Dann fielen plötzlich Schüsse. Jemand habe die Lautsprecheranlage eingeschaltet, damit konnte jeder im Gebäude hören, was geschah. "Man konnte die Hysterie hören", sagte Varga. Wer auch immer die Lautsprecheranlage eingeschaltet habe, habe eine Menge Menschen gerettet.

Im Schulgebäude spielen sich Dramen ab. Eine Lehrerin stemmt sich gegen eine nicht abschließbare Tür, um zu verhindern, dass der Schütze das Zimmer betritt. Die Frau wird in Arm und Bein geschossen. "Sie war unsere Heldin", sagt Therapeutin Day.

Lehrerin Kaitlin Roig ist mit ihren Erstklässlern in einem Klassenzimmer, als Lanza die ersten Schüsse abfeuert. Sie schickt ihre 15 Schüler in ein kleines Badezimmer, das sie mit einem Regal verbarrikadiert. "Seid absolut ruhig", weist sie die Kinder an. "Das sind böse Leute draußen. Wir müssen warten, bis die guten kommen." Die Schüler reagieren unterschiedlich: Einige haben Angst, wollen nach Hause, Weihnachten feiern. Andere sind neugierig, können die Gefahr nicht einschätzen.

Fotostrecke

Bluttat an der Sandy-Hook-Grundschule: Newtown unter Schock
Um 9.38 Uhr geht ein weiterer Funkspruch ein: "Die Schießerei scheint aufgehört zu haben. Es ist ruhig. Die Schule ist abgeriegelt." Um 9.45 Uhr trifft ein Spezialeinsatzkommando an der Schule ein. Der Republikaner John Frey sitzt im Parlament von Connecticut. Er twittert um 9.53 Uhr, seine Schwester fahre zur Sandy-Hook-Schule: "Sie sah einige Erstklässler, die aus der Schule rannten. Sie brachte sie zur Polizeidirektion. Die Kinder waren erschüttert. Herzzerreißend."

Gegen 10 Uhr beginnen die Einsatzkräfte laut "Huffington Post", das Gebäude Raum für Raum mit Spürhunden zu durchsuchen. Schüler und Lehrer werden systematisch in Sicherheit gebracht. Polizisten weisen die Schüler an, sich die Augen zuzuhalten und an den Händen zu nehmen, damit sie das Grauen nicht sehen. Etwa zur gleichen Zeit wird US-Präsident Barack Obama von seinen Mitarbeitern über den Amoklauf informiert.

Rund eine Stunde nach Beginn des Massakers, gegen 10.30 Uhr, erklärt die Polizei den Schützen für tot. Die Einsatzkräfte erkennen, dass Lanza in zwei Klassenräumen um sich geschossen hat. Manche Zeugen meinen, bis zu hundert Schüsse gehört zu haben.

Erst über eine Stunde nach den ersten Schüssen kriechen die Bibliothekarin Mary Ann Jacob und Schüler nach eigenen Angaben aus ihrem Versteck - sie hatten sich in einem Abstellraum verschanzt und die Tür mit einem Stahlschrank verbarrikadiert. "Wir standen ganz dicht zusammen", erinnert sich Jacob nach dem Massaker. Als die Polizei an die Tür klopfte, habe sie sich zunächst nicht aus dem Raum getraut.

Vor der Schule warten bereits zahlreiche Eltern auf ihre Kinder. Viele warten vergeblich. Adam Lanza hat insgesamt 27 Menschen und sich selbst getötet. Am Abend beginnt die Polizei damit, die Leichen aus dem Schulgebäude zu holen. Eltern werden geholt. Sie sollen die toten Kinder identifizieren.

kgp/ulz/dapd/Reuters

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