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16.12.2012
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Erschossene Lehrerin

Heldin der Sandy-Hook-Schule

Aus Newtown berichten Wlada Kolosowa und
REUTERS

Victoria Soto: Stellte sich dem Mörder entgegen, um Kinder zu schützen

Tausende Menschen kommen nach Newtown, um den Opfern des Amoklaufs die letzte Ehre zu erweisen. Amerika sucht Trost in Heldengeschichten - so wie der von Victoria Soto.

Stoßstange an Stoßstange reihen sich die Autos auf der Church Hill Road in Newtown. Die Menschen kommen aus den umliegenden Städten und Bundesstaaten, um den Opfern der Tragödie die letzte Ehre zu erweisen. Am Freitag schoss der 20-jährige Adam Lanza seiner Mutter mehrmals in den Kopf. Anschließend tötete er in der Sandy-Hook-Grundschule 20 Kinder und sechs Erwachsene, bevor er die Waffe gegen sich selbst richtete (Hier lesen Sie mehr zum Tatverlauf. Augenzeugenberichte lesen Sie hier).

"Wir sind extra aus der Bronx, New York City, hergefahren", sagt Carlos Gonzalez, der zusammen mit seiner Frau nach Newtown gekommen ist. Die beiden stellen sich in die Schlange vor der St. Rose of Lima Church, wo seit 7.30 Uhr Messen stattfinden. In der Hand hält Carlos Gonzalez einen Blumenstrauß. "Für Victoria. Sie war Hispanic und eine Heldin." Victoria Sotos Vater stammte aus Puerto Rico.

Die Gonzalez' haben Victoria Soto nicht persönlich gekannt. Doch das Schicksal der 27-jährigen Lehrerin rührt sie und Millionen Amerikaner wie kaum ein anderes. Es ist die Geschichte einer jungen, schönen Frau, die ihren Job liebte. Dieser Job soll ihr nun das Leben gekostet haben - der Amokläufer erschoss sie.

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Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule: Entsetzen in Newtown
Soto war gerade mit ihren Schülern beschäftigt. Als sie Schüsse aus dem Nebenraum hörte, soll sie versucht haben, ihre Schüler in einem Schrank zu verstecken. "Victoria hat sich zwischen den Schützen und die Kinder gestellt", erzählte ihr Cousin Jim Wiltsie einem US-Fernsehsender. Dies habe die Polizei der Familie gesagt. Zum genauen Tathergang hat die Polizei noch keine Angaben gemacht.

"Sie hat ihr Leben verloren, während sie tat, wofür ihr Herz schlug", erzählte Wiltsie. "Lehrerin zu werden, war ihr Lebenstraum." Victoria Soto wurde an der Eastern Connecticut State University zur Grundschullehrerin ausgebildet und studierte parallel dazu Geschichte. Sie lebte zusammen mit ihren Eltern und drei jüngeren Geschwistern in Stratford, 37 Kilometer von Newtown entfernt. Sie mochte die New York Yankees und den Strand.

An der Sandy-Hook-Grundschule hatte sie schon als Praktikantin gearbeitet, später fing sie dort als Lehrerin an. Parallel dazu studierte sie, um sich zur Sonderschullehrerin weiterzubilden. Insgesamt arbeitete sie seit fünf Jahren an der Schule.

"Ich habe eine Leidenschaft fürs Lernen", schrieb sie in ihrem Online-Profil auf der Seite myschooldesk.net, das inzwischen nicht mehr erreichbar ist. "Ich freue mich auf ein großartiges Jahr mit der ersten Klasse und meinen großartigen Schülern aus dem Raum 10!"

"Sie liebte diese Schüler mehr als alles", sagte ihre Schwester Carlee Soto nun dem "People Magazine". "Sie nannte sie nicht Schüler. Sie nannte sie: meine Kinder."

Victoria Soto soll nicht die einzige Heldin von Newtown gewesen sein. Angehörige erzählen, Schuldirektorin Dawn Hochsprung und Psychologin Mary Sherlach seien erschossen worden, als sie versuchten, den Schützen aufzuhalten. Und auch die 29-jährige Rachel Davino und die 52-jährige Anne Marie Murphy sollen sich in ihren letzten Minuten schützend vor Kinder gestellt haben.

In diesen Heldengeschichten sucht Amerika nun Trost. Zur ersten Trauerfeier für Victoria Soto am Samstag kamen 300 Menschen. "Victoria Soto hat sich mehr um ihre Schüler gesorgt als um sich selbst", sagte John Harkins, Bürgermeister ihrer Heimatstadt Stratford.

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