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22.12.2012
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Neu-Delhi

Tausende Inder demonstrieren gegen Vergewaltigung

Foto: AFP

Sie skandierten: "Hängt die Vergewaltiger!" In der indischen Hauptstadt Neu-Delhi haben Tausende gegen die Vergewaltigung einer Studentin durch Betrunkene in einem Bus protestiert. Die Polizei drängte die Menge mit Tränengas und Wasserwerfern zurück.

Neu-Delhi - Indien kommt nach der Vergewaltigung einer Studentin in einem Bus durch eine Gruppe betrunkener Männer nicht zur Ruhe. Die Polizei ging am Samstag in der Hauptstadt Neu-Delhi bei einer Kundgebung mit Tränengas und Wasserwerfern gegen mehrere tausend wütende Demonstranten vor. Zu den Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften kam es, als eine Gruppe aus überwiegend jungen Frauen und Männern versuchte, Polizeiabsperrungen zu durchbrechen und zum Haus des Staatspräsidenten vorzudringen. Einige Demonstranten griffen die Polizisten mit Steinen an.

Am vergangenen Sonntag hatte eine Gruppe von sechs Männern in einem Bus in Neu-Delhi eine Studentin vor den Augen ihres Freundes mehrfach vergewaltigt und mit einer Eisenstange schwer verletzt. Danach warfen die Täter das Paar aus dem fahrenden Bus. Die junge Frau schwebt noch immer in Lebensgefahr.

Die Teilnehmer der Protestaktion forderten die Todesstrafe für die fünf Verdächtigen, die nach dem Angriff auf die junge Frau am vergangenen Sonntag festgenommen worden waren. Ein sechster Angreifer wird noch gesucht. "Wir wollen Gerechtigkeit" und "Hängt die Vergewaltiger", forderten Demonstranten bei den Protesten, die den sechsten Tag in Folge andauerten. Die Demonstranten verlangten bei der Kundgebung landesweit bessere Sicherheitsmaßnahmen für Frauen und eine schärfere Strafverfolgung von Vergewaltigern.

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Demonstranten in Neu-Delhi: Polizei setzt Tränengas und Wasserwerfer ein

Die Regierung rief die Demonstranten zur Ruhe auf. "Das ist keine Art zu protestieren", sagte Innenministeriumsvertreter R.P.N. Singh dem Sender CNN-IBN. "Der Versuch, Gebäude zu stürmen und Barrikaden niederzureißen, ist kein Weg, um einen Dialog zu beginnen."

Die Medizinstudentin war am Sonntagabend mit einem Freund in den Bus eines privaten Betreibers eingestiegen, wie die Polizei mitteilte. Während der Fahrt durch den Süden der Stadt sei es zum Übergriff auf die Frau gekommen. Auch ihr Freund wurde demnach zusammengeschlagen. Andere Passagiere seien nicht an Bord gewesen.

"Eine Stadt schämt sich", titelte die Zeitung "Times of India" vor einigen Tagen. Neu-Delhi sei die "Vergewaltigungshauptstadt". Laut offiziellen Angaben kam es in der Metropole im vergangenen Jahr zu 572 Vergewaltigungen, Tendenz steigend. Im Schnitt wird in Neu-Delhi nach Polizeiangaben alle 18 Stunden eine Frau vergewaltigt, andere sexuelle Übergriffe werden alle 14 Stunden registriert.

wit/AFP/dapd

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