24.12.2012
Landesweite Razzien
Chinas Polizei verhaftet Hunderte Kinderhändler
Vermisste Kinder in der Stadt Dongguan (Archivbild): Schlag gegen Händlerring
Peking - In neun chinesischen Provinzen schlugen die Ermittler gleichzeitig zu. Sie verhafteten 355 Verdächtige und befreiten 89 Kinder aus den Fängen von Entführern, Verbrechern und Menschenhändlern. So gab es das Ministerium für öffentliche Sicherheit am Montag in Peking bekannt.
Die Razzien gegen mehrere Netzwerke von Kinderhändlern fanden unter anderem in den bevölkerungsreichen Regionen Guangdong und Sichuan sowie in der Touristenhochburg Yunnan statt, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Die Ermittlungen liefen seit dem 18. Dezember.
Kinderhandel hat in China gravierende Ausmaße. Der eigene Nachwuchs ist für die meisten Familien von existentieller Bedeutung. Denn von den Sozialleistungen, die die Regierung derzeit gewährt, kann im Alter niemand leben. Also sind die meisten Eltern, wenn sie selbst nicht mehr arbeiten können, auf die Unterstützung ihrer Kinder angewiesen. Familien, die selbst keinen Nachwuchs zeugen können, adoptieren oft ein Kind - und sind bereit, dafür einen hohen Preis zu zahlen.
In ärmeren Regionen des Landes, zum Beispiel in einigen Gegenden der Provinz Yunan, würden gesunde Jungs für 30.000 Yuan an Händlerringe verkauft, sagt Wang Xizhang, ein Kriminalbeamter aus der Provinz Fujian, zu Xinhua. Umgerechnet sind das gut 3640 Euro. Die Händler brächten die Kinder dann in reichere Provinzen wie Fujian und verkauften sie dort für bis zu 90.000 Yuan, umgerechnet gut 10.920 Euro.
Die negativen Folgen der Ein-Kind-Politik
Die Menschenhändler haben ein leichtes Spiel. Die Adoptionsregeln für kinderlose Paare sind lax, die Kontrollen, wo die zu adoptierenden Kinder herkommen, unzureichend. Die adoptionswilligen Eltern stellen selten kritische Fragen.
Experten zufolge befeuert auch die Familienpolitikder chinesischen Regierung den illegalen Kinderhandel. In den Städten dürfen die meisten Familien nur ein Kind haben, auf dem Land bisweilen zwei Kinder, wenn das erste ein Mädchen ist. Die meisten Familien wünschen sich einen männlichen Erben - einige sind bereit, sich notfalls einen zu kaufen. Ihre Töchter verkaufen manche arme Familien dagegen an Menschenhändler. Zudem werden immer wieder Kinder entführt.
Seit April 2009 geht die chinesische Regierung verstärkt gegen Kinderhändler vor. 11.000 Netzwerke habe man bisher insgesamt aufgedeckt, sagte Chen Shiqu, der zuständige Mitarbeiter im Ministerium, Xinhua. Rund 54.000 Kinder seien gerettet worden.
Die 89 Kinder, die Ermittler in den vergangenen Tagen gerettet haben, befänden sich inzwischen in der Obhut lokaler Pflegeeinrichtungen, sagte Chen. Man werde ihnen DNA-Proben entnehmen, diese mit nationalen Datenbanken abgleichen und so versuchen, ihre Eltern zu finden.
ssu