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25.12.2012
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Vergewaltigungsfall

Polizist stirbt nach Massenprotesten in Indien

Foto: AFP

In Indien haben die gewalttätigen Proteste gegen eine Massenvergewaltigung ein weiteres Todesopfer gefordert. Ein Polizist starb, der bei den Demonstrationen verletzt wurde. Inzwischen gibt es Vorwürfe, wonach Polizisten die Ermittlungen in dem Missbrauchsfall beeinflusst haben sollen.

Neu-Delhi - Am Sonntag war bei Massenprotesten in Neu-Delhi die Lage eskaliert: Demonstranten lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei, diese setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Ein Fernsehjournalist wurde getötet. Am Dienstag erlag nun ein zweiter Mann - ein 47 Jahre alter Polizist - seinen schweren Verletzungen.

Indiens Präsident Pranab Mukherjee verurteilte die gewaltsamen Ausschreitungen aus Wut über die Massenvergewaltigung einer 23-jährigen Studentin. Der Ärger über den widerlichen Vorfall sei gerechtfertigt, aber Gewalt sei keine Lösung, sagte er bei einem Empfang im Norden des Landes. In seiner Ansprache ging Mukherjee auf die schwierige Situation der Frauen in Indien ein. Alle Mitglieder der Gesellschaft müssten Frauen den höchsten Respekt entgegenbringen, forderte er. Frauen müssten akzeptiert und von den Männern "mehr als gleiche Partner" anerkannt werden. Ein solcher Vorfall dürfe sich nicht wiederholen, mahnte der Präsident.

Unterdessen wurden Vorwürfe gegen die Polizei laut, ranghohe Beamte hätten versucht, die Ermittlungen zu beeinflussen. Die Regierungschefin von Delhi, Sheila Dikshit, reichte Beschwerde bei Innenminister Sushil Kumar Shinde ein, derzufolge Polizeibeamte Druck auf eine Richterin ausgeübt haben sollen, als sie das Opfer nach der Tat befragte, berichtete die Zeitung "Times of India" am Dienstag.

Demnach sollen die Polizisten die Richterin aufgefordert haben, die Befragung nicht auf Video aufzunehmen, zudem sollte sie einen von ihnen vorbereiteten Fragebogen verwenden. Als sich die Juristin weigerte, sollen die Polizisten ungehalten gewesen sein. Die Polizei wies die Vorwürfe zurück. Es sei Wunsch der Mutter des Opfers gewesen, die Befragung nicht aufzuzeichnen, hieß es.

Aus Ministeriumskreisen verlautete, wahrscheinlich werde wegen der Vorwürfe eine Ermittlung eingeleitet, die von einer Frau geführt werden solle. Das Ministerium nehme die Vorwürfe sehr ernst, sagte ein Mitarbeiter.

Die Studentin war vor einer Woche von sechs Männern in einem Bus in Neu-Delhi vor den Augen ihres Freundes missbraucht worden. Laut Polizei hatten die Täter einen Bus mit getönten Scheiben gekapert. Sie ließen das ahnungslose Paar einsteigen, dann attackierten sie die beiden mit einer Eisenstange. Nach der Tat warfen die Täter das Paar aus dem fahrenden Bus.

Die 23-Jährige sei mehrmals operiert worden, teilten die Ärzte am Dienstag mit. Ihr Zustand sei immer noch kritisch.

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Indien: Massenproteste gegen Vergewaltigung

jul/dapd/dpa/AFP

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insgesamt 19 Beiträge
1. Frauen Indiens
stardiver 25.12.2012
Frauen Indiens gebt nicht auf mit euren Protesten gegen Vergewaltigungen in eurem Land und gegen die Regierung die absolut nichts aber garnichts tut um diesem grausamen Treiben ein Ende zu bereiten. Nur schoene HOHLE Worte sonst [...]
Frauen Indiens gebt nicht auf mit euren Protesten gegen Vergewaltigungen in eurem Land und gegen die Regierung die absolut nichts aber garnichts tut um diesem grausamen Treiben ein Ende zu bereiten. Nur schoene HOHLE Worte sonst nichts.....
2. Man stelle sich vor
winniepooh 25.12.2012
die rangniedrigsten (Polizisten!) sagen einer RICHTERIN, wie sie zu befragen hat!! Und das in Indien, wo noch immer die Hierarchien eine große Bedeutung haben. Das sagt doch alles über die Stellung der Frau, die diese auch [...]
die rangniedrigsten (Polizisten!) sagen einer RICHTERIN, wie sie zu befragen hat!! Und das in Indien, wo noch immer die Hierarchien eine große Bedeutung haben. Das sagt doch alles über die Stellung der Frau, die diese auch trotz hoher Positionen bei vielen Männern hat !!
3. ...
rainer_unsinn 25.12.2012
Aha und was ist so schwer daran die Täter feszunehmen? Über diesen Fall wird mal pseudo-objektiv berichtet. Es steht der begründete Verdacht im Raum das die Polizei bestochen wurde und die Ermittlungen ergebnislos [...]
Zitat von sysopIn Indien haben die gewalttätigen Proteste gegen eine Massenvergewaltigung ein weiteres Todesopfer gefordert. Ein Polizist starb, der bei den Demonstrationen verletzt wurde. Inzwischen gibt es Vorwürfe, wonach Polizisten die Ermittlungen in dem Missbrauchsfall beeinflusst haben sollen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/vergewaltigung-in-indien-polizist-stirbt-nach-massenprotesten-a-874639.html
Aha und was ist so schwer daran die Täter feszunehmen? Über diesen Fall wird mal pseudo-objektiv berichtet. Es steht der begründete Verdacht im Raum das die Polizei bestochen wurde und die Ermittlungen ergebnislos verlaufen obwohl es Zeugen gibt und Täter weitgehend zweifelsfrei feststehen. Die Inder demonstrieren dagegen das das Leid des Mädchen nichts zählt, sondern korrupte, selbstgerechte Beamte unter dem Deckmantel der Geheimhaltung von Ermittlungen Gerechtigkeit gegen viel Geld aufs Privatkonto tauschen könnten. Es ist absolut legitim in diesem Fall so lange zu demonstrieren und sogar den Staat in die Knie zu zwingen. Nein, der Mensch muss sich das nicht bieten lassen.
4. Weiter so
userinlm 25.12.2012
Gut, dass diese Tat nicht einfach so hingenommen wird, sondern Proteste auslöst. Mit sowas darf man(n) nicht durchkommen. Vergewaltiger gehören hart bestraft - die Frau muss ein Leben lang damit leben.
Gut, dass diese Tat nicht einfach so hingenommen wird, sondern Proteste auslöst. Mit sowas darf man(n) nicht durchkommen. Vergewaltiger gehören hart bestraft - die Frau muss ein Leben lang damit leben.
5. Veröffentlichung der Bilder der Täter.
salomedietrich 25.12.2012
Auch hier in Europa nimmt die "political correctness" immer absurdere Züge an. Auch hier bei uns wird die Herkunft, Name der Täter verschwiegen. Ihr Bild in den Medien "gepixelt". Warum? Besonders wer ein [...]
Auch hier in Europa nimmt die "political correctness" immer absurdere Züge an. Auch hier bei uns wird die Herkunft, Name der Täter verschwiegen. Ihr Bild in den Medien "gepixelt". Warum? Besonders wer ein Verbrechen gegen "Leib & Seele" begeht, besonders bei sexuellen Taten, gehört öffentlich bloss gestellt. Jede andere Strafe ist ja harmlos für die Täter. Als in Südfrankreich ein junges Mädchen entführt wurde, und nur durch Zufall (Autounfall) entdeckt wurde-gab es nur in den französ. & englischen Medien Name und Herkunft dieses Täters: Kameel Bousselat, marokkanischer Herkunft, der im Mai 2009 zu einer 5-jähr. Haftstrafe in Frankreich wegen sexueller Übergriffe auf 6 !! Frauen verurteilt wurde. Am 14. Sept. vorzeitig ???? (warum) aus der Haft entlassen, entführte er die 15-jährige. In Öster.. & Deutschland stand nichts von seiner Herkunft/Religion/früheren Taten! Gewaltverbrechen = nur mehr Kavalierdelikte? Weit haben wir es mit unserem Zeitgeist gebracht.

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