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30.12.2012
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Unwürdiges Begräbnis

Proteste nach Mord an 15-Jähriger in der Türkei

Ein brutales Verbrechen erschüttert die Türkei. Ein Mädchen wurde erst zwangsverheiratet, dann von ihrer eigenen Familie vergewaltigt, schließlich ermordet. Als das Opfer auch noch ohne anständiges Begräbnis verscharrt wurde, brach ein Proteststurm los.

Istanbul - Ein Mord an einer 15-Jährigen hat in der Türkei Proteste ausgelöst. Hatice D. sei bereits mit 13 Jahren gegen ihren Willen verheiratet worden, meldet die Nachrichtenagentur Anadolu. Nach einem Jahr kehrte sie dem Agenturbericht zufolge zu ihrer Familie zurück, weil ihr Mann gewalttätig war. Daraufhin sei sie von zwei Cousins vergewaltigt worden.

Als sie dann im vierten Monat schwanger war, sei sie nach einer Entscheidung des Familienrates vor etwa zwei Wochen in der südostanatolischen Provinzhauptstadt Diyarbakir ermordet worden.

Türkische Medien hatten am Freitag berichtet, dass das Mädchen entgegen der landesüblichen Traditionen nur in einem Plastiksack begraben worden sei, ohne das sonst in der Türkei gängige Leichentuch. Daraufhin protestierten am Sonntag Hunderte Frauen auf dem Friedhof in Diyarbakir gegen die unwürdige Form der Bestattung, berichtet nun Anadolu.

Die Mitarbeiterin der Frauenhilfsorganisation Kadem, Tülay Deniz, kritisierte: "Ihre Mörder werden nach den hier üblichen Traditionen einmal in weißen Leinentüchern beerdigt werden. Für Hatice genügte nach den Wertvorstellungen dieser patriarchalischen Feudalgesellschaft ein Plastiksack, weil sie nur eine Frau war."

Im Rahmen der Mordermittlungen wurden sieben Menschen festgenommen, darunter laut Anadolu auch Hatices Großvater und zwei ihrer Onkel.

ric/dpa

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