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31.12.2012
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Nach Tod von Studentin

Indische Regierungspartei erwägt Kastration von Vergewaltigern

REUTERS

Tausende fordern in Indien härtere Strafen für Vergewaltiger. Nach dem Tod einer Studentin wollen Demonstranten die Mörder der 23-Jährigen hängen sehen. Offenbar erwägt die regierende Kongresspartei, Sex-Täter chemisch zu kastrieren.

Neu-Delhi - Vergewaltigungen in Indien gehören fast zur Tagesordnung. In der Regel aber wurden die Straftaten bisher weder angezeigt noch verfolgt. Nach dem Tod einer vergewaltigten Studentin erwägt die regierende Kongresspartei Medienberichten zufolge jetzt einen Gesetzesvorstoß zur chemischen Kastration von Sex-Tätern.

Das gehöre zu einem Katalog schärferer Strafen, die diskutiert würden, berichtete unter anderem die "Economic Times" am Montag unter Berufung auf Parteikreise. Die oppositionelle hindu-nationalistische BJP forderte am Montag Schnellverfahren und die Todesstrafe für Vergewaltiger. Auch der Bruder des Opfers forderte die Todesstrafe und sagte der Zeitung "Indian Express": "Wir wollen die Beschuldigten hängen sehen, und wir werden dafür bis zum Ende kämpfen."

Der Vater der Studentin, der mit der Familie bei seiner Tochter war, als sie im Krankenhaus starb, sagte, auch er kämpfe damit, die Nachricht zu verkraften. "Es ist so schmerzvoll. Ich bin noch nicht wieder in ihr Zimmer gegangen. Sie wurde in diesem Haus geboren, ihre Bücher, ihre Kleidung, alles ist hier", sagte er. Seine Frau habe nach ihrem Tod die ganze Zeit geweint, sagte der Vater, der wie die ganze Familie öffentlich nicht mit Namen genannt wurde.

Der Fall hat landesweit Trauer und Wut ausgelöst. In der indischen Hauptstadt Neu-Delhi demonstrierten auch am Montag wieder Hunderte Menschen. Dort seien mindestens zwei Demonstranten im Hungerstreik, berichtete die Nachrichtenagentur IANS.

Kerzenmahnwache statt Silvesterparty

Wegen des Verbrechens sagten große Traditionsclubs in Neu-Delhi ihre Silvesterpartys ab. "Unsere Mitglieder glauben, dass es nicht der richtige Zeitpunkt für eine laute Feier ist", sagte der Vorsitzende des 7000 Mitglieder starken Vasant-Vihar-Clubs, Sudhir Mittal. Der ebenso große, 99 Jahre alte Gymkhana-Club strich seine traditionelle Silvesterparty ebenfalls. Beide Clubs luden stattdessen zu Kerzenmahnwachen ein. Auch die indischen Militärs hatten entschieden, das neue Jahr nicht zu feiern.

Die indische Armeeführung rief alle Einheiten dazu auf, auf Partys zum Jahreswechsel zu verzichten. Die Chefin der Kongresspartei, Sonia Gandhi, appellierte ebenfalls an Parteimitglieder, nicht zu feiern. Die "Economic Times" berichtete, bei privaten Hotels seien Buchungen für Partys zurückgegangen, weil den Menschen nach dem Tod der Frau nicht nach Feiern zumute sei.

Nach der besonders brutalen Vergewaltigung in Neu-Delhi war die 23-jährige Studentin am Samstag ihren schweren Verletzungen erlegen. Die mutmaßlichen Täter müssen sich jetzt wegen Mordes verantworten. Am Donnerstag soll die Anklageschrift bei Gericht eingereicht werden. Danach legt das Gericht ein Datum für den Prozessbeginn fest.

Die junge Frau war am 16. Dezember von mehreren Männern in einem Bus vergewaltigt, mit einer Eisenstange malträtiert und nackt aus dem fahrenden Fahrzeug geworfen worden. Ihr Freund überlebte den Überfall verletzt.

cib/dpa

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