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04.01.2013
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Internationale Ermittlungen

"Operation Sonnenblume" gegen Kinderpornografie

AFP

Ermittler, Fahndungsplakat: Fast 250 Festnahmen

Dutzende Kinder konnten aus der Gewalt ihrer Peiniger gerettet werden, fast 250 mutmaßliche Pädophile wurden festgenommen: In den USA ist Ermittlern ein großer Schlag gegen Kinderpornografie gelungen. Bei der Fahndung setzten sie auch auf Facebook.

Washington - Da war zum Beispiel der 48-Jährige aus Kalifornien. In seinem Haus fanden die Ermittler 1,2 Millionen kinderpornografische Fotos, 7000 Videos und Hunderte selbstgebastelte Bilderalben. Der Mann steht nun unter Hausarrest und wartet auf den Beginn seines Prozesses.

Oder der 31-Jährige aus Ohio. Er filmte heimlich drei Kinder im Badezimmer und tauschte die Aufnahmen online gegen anderes pornografisches Material.

Oder die 48-Jährige aus dem US-Bundesstaat Illinois. Sie wurde wegen der Produktion von Kinderpornos zu 25 Jahren Haft verurteilt. Sie war selbst bei Missbrauchsszenen zu sehen, doch auf ihre Spur kamen die Ermittler durch ein ganz unverfängliches Foto: Das Bild zeigte die Frau und eines der Opfer auf einem Campingplatz in Minnesota.

Die drei Fälle wurden im Zuge der "Operation Sunflower" (Sonnenblume) der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) aufgeklärt. Fast 250 Verdächtige wurden bei dem wochenlangen internationalen Einsatz festgenommen. Nun haben US-Ermittler die Ergebnisse vorgestellt.

Die groß angelegte Aktion lief vom 1. November bis zum 7. Dezember 2012. Insgesamt wurden 123 Opfer ausfindig gemacht, 110 davon in den USA. Dutzende Kinder wurden direkt aus der Gewalt ihrer Peiniger befreit. Die meisten Personen wurden jedoch außerhalb ihres direkten häuslichen Umfelds für Kinderpornografie missbraucht oder sind schon erwachsen.

Fahnder nutzten auch Facebook

Laut ICE war knapp ein Drittel der Betroffenen jünger als zehn Jahre. Um die Opfer kümmern sich nun Pflegefamilien und Therapeuten. Laut ICE beinhaltet dies auch Unterstützung während der Prozesse gegen die Peiniger; die Hilfen laufen aber nach Urteilen nicht aus. "Ein unnachgiebiger Kampf gegen die Ausbeutung von Kindern ist die einzige Antwort", sagte ICE-Direktor John Morton. Sobald man auf einen Fall von Kinderpornografie stoße, werde seine Behörde alles tun, um das Opfer zu retten und den Täter zu verfolgen. "Selbst wenn es Jahre dauert und uns um die ganze Welt führt."

Neben den USA wurde in sechs weiteren Ländern ermittelt - wo genau, wollte Morton nicht mitteilen. "Die traurige Realität ist, dass Ausbeutung von Kindern ein Teil des modernen Lebens ist und auf der ganzen Welt in großem Stil vorkommt", so der ICE-Direktor. "Fast jeder Fall, den wir angehen, berührt auch ausländisches Gebiet." Teilweise werde Kindesmissbrauch live im Internet gestreamt.

Bei ihren Ermittlungen arbeiten die Beamten des Ministeriums gleichermaßen mit lokalen wie internationalen Behörden zusammen. Sie sind jedoch ebenso auf die Hilfe der Bürger angewiesen und versuchen daher, das Internet zu nutzen - teilweise mit Erfolg. Die Fahndungsbilder einer gesuchten Frau veröffentlichten sie auf Facebook. Ein entscheidender Tipp kam anschließend von einem Nutzer des sozialen Netzwerks, im September wurde die Verdächtige gefasst.

Der Name "Operation Sunflower" wurde bewusst gewählt, um an den ersten durch ein Opfer-Identifizierungsprogramm aufgeklärten Fall zu erinnern. Im November 2011 hatten Ermittler Hinweise bekommen, ein 16-Jähriger habe vor, eine Elfjährige zu vergewaltigen. Der Verdächtige postete in einem einschlägigen Internetforum ein Bild, auf dem ein Schild mit einem Sonnenblumen-Logo zu sehen war.

Dies sollte sich für die Ermittler als entscheidende Spur erweisen: Solche Schilder gibt es nur im US-Bundesstaat Kansas. Tagelang fuhren Fahnder die Highways in Kansas ab, um die Landschaft mit dem Bildhintergrund abzugleichen. 13 Tage nach dem Erhalt des Fotos hatten sie die Stadt ausfindig gemacht, in der der Verdächtige wohnte - und brachten das Mädchen in Sicherheit.

Um ihre Ambitionen zu unterstreichen, veröffentlichten die Ermittler bei ihrer Pressekonferenz gleich noch einen Fahndungsaufruf zu einem ungelösten Fall. Schätzungsweise elf Jahre liegt die Tat zurück. Eine stark tätowierte Frau und ein Mann sollen ein etwa 13 Jahre altes Mädchen missbraucht haben. Außer einigen Bildern wissen die Ermittler nichts über die Identität der Täter. Sie werden im Raum Los Angeles vermutet.

hut/ulz/Reuters

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