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04.01.2013
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Vierfachmord in französischen Alpen

Schweizer Schütze soll befragt werden

REUTERS

Bluttat in Schweizer Bergdorf Daillon: Zusammenhang mit Vierfachmord in Frankreich?

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem mysteriösen Vierfachmord in den französischen Alpen und der Bluttat in einem Schweizer Bergdorf? Ermittler wollen dieser Spur offenbar nachgehen - und dazu den Mann vernehmen, der in Daillon drei Frauen erschossen hat.

Annecy - Seit vier Monaten gibt der mysteriösen Vierfachmord von Frankreich den Ermittlern große Rätsel auf. Nun wollen sie den Mann befragen, der in einem kleinen Dorf in der Schweiz drei Nachbarinnen tötete und zwei Männer verletzte. Eine entsprechende Anfrage sei aus Frankreich eingegangen, sagte ein Polizeisprecher im schweizerischen Sitten. Die Kollegen aus dem Nachbarland wollten einen "möglichen Zusammenhang" zwischen den beiden Taten prüfen.

Im dem kleinen Dorf Daillon im Kanton Wallis hatte ein 33-Jähriger am Mittwochabend das Feuer auf seine Nachbarn eröffnet. Er wurde von der Polizei durch einen Schuss außer Gefecht gesetzt, festgenommen und in ein Krankenhaus gebracht. Der Schweizer war 2005 vorübergehend in der Psychiatrie untergebracht. Laut der britischen Tageszeitung "The Telegraph" passt der Dorfbewohner in das von den Franzosen erstellte psychologische Täterprofil für den Vierfachmord bei Annecy in Ostfrankreich. Die beiden Tatorte liegen gut hundert Kilometer Luftlinie voneinander entfernt.

"Wir suchen nach gestörten Menschen, die fähig zu extremer Gewalt sind", hatte der für die Ermittlungen zuständige Staatsanwalt Eric Maillaud im November der BBC gesagt. "Nach Leuten, die Zugang zu Waffen haben - Jäger, Sammler, Mitglieder eines Schützenvereins - und die psychische Probleme haben könnten."

Die französischen Ermittler konnten in dem Fall bislang noch keinen Durchbruch vorweisen: Ein aus dem Irak stammender Brite, seine Ehefrau, deren Mutter und ein französischer Radfahrer waren am 5. September auf einem Waldparkplatz bei Annecy mit Kopfschüssen getötet worden. Die Familie machte in der Region Urlaub. Die vierjährige Tochter überlebte unverletzt, weil sie sich im Auto der Familie unter der Leiche ihrer Mutter versteckte. Ihre siebenjährige Schwester wurde schwer verletzt.

Die Theorie vom irren Einzeltäter, der im Blutrausch vier Menschen erschießt, war im November ein weiterer Ermittlungsansatz. Zuvor hatte man bereits einen Auftragsmord vermutet - wobei nie klar war, wer das eigentliche Ziel des Killers gewesen sein könnte. Nachforschungen ergaben weder bei der britischen Familie noch beim französischen Radfahrer irgendwelche Hinweise, die auf eine gezielte Tat hindeuten könnten.

Bei der Mordwaffe in Frankreich handelte es sich nach Polizeiangaben um eine in den dreißiger Jahren in der Schweizer Armee verwendete Waffe. Auch bei der Tat in der Schweiz kam eine ähnliche Waffe zum Einsatz. Die französische Polizei erklärte, bei der Anfrage nach Ermittlungsergebnissen handele es sich um eine Routine-Anfrage, "charakteristische Elemente", die auf Parallelen beider Taten hindeuteten, gebe es bislang nicht.

wit/AFP

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