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04.01.2013
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Freund vergewaltigter Inderin

"Ich zittere vor Qualen"

AFP

Gedenkkerzenerzen und Plakate in Neu-Delhi am 31. Dezember: "Alles lief außer Kontrolle"

Er musste mitansehen, wie seine Freundin vergewaltigt, brutal geschlagen und aus einem fahrenden Bus geworfen wurde: Ein junger Inder hat erstmals öffentlich über die grausame Tat gesprochen - auch im Fernsehen. Das Interview könnte für die Station schwere Konsequenzen haben.

Neu-Delhi - Er versucht, das Unfassbare in Worte zu fassen: Der Freund der nach einer Gruppenvergewaltigung gestorbenen 23-jährigen Inderin hat sich knapp drei Wochen nach der Tat erstmals öffentlich geäußert. "Ich habe zuerst gegen die Männer zu kämpfen versucht und sie später immer wieder angefleht, sie in Ruhe zu lassen", sagte der junge Mann telefonisch der Nachrichtenagentur AFP. "Die Grausamkeit, die ich gesehen habe, hätte niemand jemals sehen dürfen", so der 28-Jährige, der sich in der Stadt Gorakhpur im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh aufhält.

Er gab auch mit dem TV-Sender Zee News ein Interview - und das könnte die Station nun teuer zu stehen kommen. Kurz nachdem das Gespräch ausgestrahlt wurde, kündigte die Polizei Ermittlungen gegen die Betreiber des Senders an. Zwar hielt er sich an das Gebot, den Namen der beiden Opfer nicht zu nennen. Allerdings war während des Interviews das Gesicht des Mannes zu sehen. In Indien verbietet das Gesetz in Vergewaltigungsfällen die Identifizierung von Betroffenen. Auf Verstöße stehen neben Geldstrafen bis zu zwei Jahre Haft.

Die Freundin des Mannes, eine Medizinstudentin, war am 16. Dezember in Neu-Delhi bei der Rückkehr von einem Kinobesuch mit ihrem Freund in einem Bus von sechs Männern vergewaltigt, mit einer Eisenstange traktiert und schließlich aus dem fahrenden Bus geworfen worden. Sie wurde so schwer verletzt, dass sie vor einer Woche starb. Ihr Freund, der verprügelt und ebenfalls aus dem Fahrzeug geworfen wurde, erlitt einen Beinbruch und weitere Verletzungen. Die Tat löste in Indien Empörung und Entsetzen aus und führte zu einer heftigen Debatte über sexuelle Gewalt.

Dem Freund zufolge kam niemand zu Hilfe, als beide nach ihrer einstündigen Tortur verletzt auf der Straße lagen. "Ein Passant hat uns gefunden, aber meiner Freundin nicht einmal seine Jacke gegeben, wir haben auf Rettung durch die Polizei gewartet." Auch den Ordnungshütern warf der Mann Versäumnisse vor. Seine Freundin sei in eine Klinik gebracht worden, wo auf ihren mentalen Zustand keine Rücksicht genommen worden sei. "Mich haben sie wie eine Sache behandelt, sie wollten den Fall lösen, noch bevor ich behandelt wurde", sagte der Mann.

"Danach lief alles außer Kontrolle"

Zum Hergang des brutalen Zwischenfalls sagte der 28-Jährige, er habe zunächst gar nicht in den Bus einsteigen wollen. "Aber meine Freundin war spät dran, und so sind wir eingestiegen, was der schwerste Fehler war - danach lief alles außer Kontrolle." Der Fahrer des Busses habe als erster lüsterne Bemerkungen von sich gegeben, später hätten die anderen fünf eingestimmt. Er habe dann verlangt, den Bus anzuhalten, doch die Männer hätten daraufhin die beiden Türen verriegelt, sagte der Freund.

"Sie haben mich mit einem Knüppel geschlagen und meine Freundin zu einem Sitz nahe der Fahrerkabine gezerrt", sagte der junge Mann. Dort hätten die sechs Männer sie "vergewaltigt und auf die schlimmstmöglichen Arten an den intimsten Stellen des Körpers geschlagen".

"Ich kann gar nicht sagen, was ich fühle, wenn ich daran denke", so der Freund, "ich zittere vor Qualen." Gegen fünf mutmaßliche Täter war am Donnerstag Mordanklage erhoben worden. Der sechste soll noch minderjährig sein und könnte vor ein Jugendgericht kommen.

Laut einem Bericht der "Hindustan Times" soll er noch brutaler als die anderen Angeklagten vorgegangen sein. Der polizeilichen Anklageschrift zufolge vergingen er und der Angeklagte Ram S. sich zweimal an dem Opfer - auch, als die Studentin schon bewusstlos war. Der Jugendliche und der Busfahrer seien am barbarischsten aufgetreten, zitiert die Zeitung einen Polizisten.

wit/AFP

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