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06.01.2013
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Vater des indischen Vergewaltigungsopfers

"Wir wollen, dass die Welt ihren Namen kennt"

AP

Nächtliche Demonstration: Der Vergewaltigungsfall in Indien sorgt für öffentliche Debatten

Die Betroffenen suchen die Öffentlichkeit: Der Vater der Inderin, die nach einer Vergewaltigung ums Leben kam, hat einer Boulevardzeitung ihren Namen genannt. Die Veröffentlichung verstößt gegen Gesetze, die eigentlich dem Schutz von Verbrechensopfern dienen sollen.

Neu-Delhi - Der Vater des indischen Vergewaltigungsopfers will seine Tochter zum Symbol für den Kampf gegen sexuelle Gewalt machen. "Wir wollen, dass die Welt ihren wirklichen Namen kennt", sagte er der britischen Zeitung "Sunday People". Obwohl die indische Regierung den Medien die Nennung des Namens verboten hat, wurde er nun dort veröffentlicht.

Seine Tochter habe nichts Falsches getan. Sie sei gestorben, als sie sich selbst verteidigt habe. "Ich bin stolz auf sie. Die Enthüllung ihres Namens wird anderen Frauen, die solche Angriffe überlebt haben, Mut machen. Meine Tochter wird ihnen Kraft geben."

Indische Gesetze verbieten, Namen von Vergewaltigungsopfern oder andere Angaben zu veröffentlichen, die zur Identifizierung führen können. Das soll das Opfer vor gesellschaftlicher Stigmatisierung schützen.

Drängen an die Öffentlichkeit

Die Brutalität des Falles sorgte international für Entsetzen und löste in Indien Massenproteste sowie eine Debatte über schärfere Gesetze für Vergewaltiger aus. Die 23-jährige Physiotherapie-Studentin war Mitte Dezember in einem privaten Kleinbus in der Hauptstadt Neu-Delhi von mehreren Männern vergewaltigt, mit einer Eisenstange misshandelt und aus dem fahrenden Fahrzeug geworfen worden. Zwei Wochen später erlag sie ihren Verletzungen.

Der Fall gewinnt nun eine neue Dynamik dadurch, wie offensiv die Betroffenen an die Öffentlichkeit drängen. Am Freitag war der Freund des Opfers, der ebenfalls von den Gewalttätern verletzt wurde, in einer Fernsehsendung aufgetreten, wo er schockierende Details des Tathergangs schilderte. Dabei machte er Passanten und Polizisten schwere Vorwürfe.

Auch dieser Auftritt könnte für rechtliche Konsequenzen sorgen. Zwar war sein Name nicht genannt worden, doch er war im Bild zu sehen und ist dadurch möglicherweise identifizierbar. Die Polizei prüft nun, ob damit von Seiten des Senders Zee News ein Gesetzesverstoß vorliegt.

Fünf der sechs Beschuldigten sind des Mordes und der Gruppenvergewaltigung angeklagt. Laut Staatsanwaltschaft stimmt die DNA der Blutspuren auf ihren Kleidungsstücken mit der des Opfers überein. Die Männer sollen am Montag wieder vor Gericht erscheinen. Der sechste ist mit hoher Wahrscheinlich minderjährig, deshalb fällt er unter das Jugendstrafrecht.

Der Vater der Getöteten fordert für sie die härteste Strafe: "Den Tod für alle sechs von ihnen", sagte er der Zeitung. "Diese Männer sind Monster. An ihnen sollte ein Exempel statuiert werden."

Großes Interesse an Selbstverteidigungskursen

Viele Frauen in Indien sind aufgrund des Gewaltverbrechens mehr denn je um ihre Sicherheit besorgt. Doch nicht nur der Ruf nach mehr Vorkehrungen durch den Staat wird lauter. Immer mehr verängstigte Frauen ergreifen selbst die Initiative - und melden sich zu Selbstverteidigungskursen an.

Die Hauptstadt Neu-Delhi gilt vielen Indern als "Hauptstadt der Vergewaltigungen". Im Jahr 2011 wurden dort mehr als doppelt so viele Sexualdelikte gezählt wie etwa in der Wirtschaftsmetropole Mumbai. Viele Frauen sind in Neu-Delhi niemals ohne Pfefferspray unterwegs und selbst tagsüber auf der Hut.

"Die Nachfrage nach Selbstverteidigungs- und Selbstschutzkursen steigt", sagt Anuj Sharma, der diese in seinem Sportstudio im Süden der Stadt anbietet. Er bestätigt damit, was auch viele seiner Kollegen derzeit berichten. Nach der brutalen Vergewaltigung sorgen sich immer mehr Frauen um ihre Sicherheit. "Selbstschutz hat für sie Vorrang", sagt Sharma.

Die 23-jährige Studentin Smriti Iyer, die sich von Sharma in Kampftechniken unterrichten lässt, berichtet, dass auch ihre Freundinnen zunehmend Interesse an entsprechenden Kursen zeigten. In Sharmas Fitnessraum trainieren sie und andere Frauen unter anderem an Sandsäcken, machen Tret- und Boxübungen. Sie lernen, wie sie einen Angreifer abschütteln und ihn in der Leistengegend treffen können.

"Ich glaube, dass Frauen immer gewusst haben, dass sie auf sich aufpassen müssen, aber dieser Vorfall hat viele in meinem Alter aufgerüttelt", sagt Iyer. Das bestätigen auch Ladenbesitzer, die eine steigende Nachfrage etwa nach Pfefferspray und Alarmsystemen verzeichnen. Eine Zeitung berichtete, auch die Zahl der von Frauen gestellten Anträge auf Waffenscheine nehme zu.

sto/Reuters/dpa/AFP

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