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22.01.2013
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Attacke in Dortmund

Neonazi-Größe zu Haftstrafe verurteilt

Einer der berüchtigtsten Neonazis Nordrhein-Westfalens ist vom Landgericht Dortmund verurteilt worden: Für den Angriff auf zwei türkischstämmige Jugendliche muss der vorbestrafte Sven K. ein Jahr und neun Monate in Haft. Eine rechtsradikale Gesinnung konnte das Gericht jedoch nicht feststellen.

Dortmund - Der Rechtsextremist Sven K. muss in Haft. Die Große Strafkammer des Dortmunder Landgerichts hat ihn für einen Angriff auf zwei türkischstämmige Jugendliche im November 2011 zu 21 Monaten Gefängnis verurteilt. Gegen drei Mittäter wurden ebenfalls Strafen verhängt.

Auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt hatten K. und die Mitangeklagten zwei türkischstämmige Jugendliche attackiert und erheblich verletzt. Nach der Aussage eines der Opfer hatte K. damals gerufen "Guck nicht so blöd, du Bastard" - und sofort zugeschlagen. Als die 17 und 18 Jahre alten Opfer auf dem Boden lagen, wurden sie laut Staatsanwältin von K.s Mittätern zusammengetreten. K. selbst konnten aber keine Tritte nachgewiesen werden, wie auch die Staatsanwaltschaft einräumen musste.

K. ist den Sicherheitsbehörden in NRW schon lange als gewaltbereiter Rechtsextremist bekannt: Im März 2005 hatte er an einer U-Bahn-Haltestelle als 17-Jähriger den Punker Thomas "Schmuddel" S. erstochen. Damals verhängte das Landgericht Dortmund gegen den Rechtsradikalen eine Jugendstrafe von sieben Jahren wegen Totschlags.

Nach seiner vorzeitigen Haftentlassung im Herbst 2010 schloss er sich offenbar direkt wieder seinen Gesinnungsgenossen an: So soll er schon im Dezember des selben Jahres an einem Angriff auf die linke Szenekneipe HirschQ beteiligt gewesen sein. Damals war er zwar kurzfristig von der Polizei festgenommen worden, man konnte ihm aber keine Tatbeteilung nachweisen.

Im November 2011 folgte schließlich der Angriff, für den Sven K. jetzt verurteilt wurde. Der Anwalt des Angeklagten hatte in dem seit Mai laufenden Verfahren stets ein rechtradikales Motiv seines Mandanten für die Tat abgestritten, zwei Schläge und eine Beleidigung aber eingeräumt. Dafür sollte K. eine "angemessene Strafe" erhalten.

Gericht: keine politisch motivierte Tat

Die Staatsanwaltschaft hatte eine zweijährige Haftstrafe gefordert und war von einem klar fremdenfeindlichen Hintergrund ausgegangen. Die Große Strafkammer sah aber zumindest bei der Körperverletzung keine politisch motivierte Gesinnung als bewiesen an.

Claudia Luzar, wissenschaftliche Leiterin von Back Up, einer Beratungsstelle für Opfer rechtsextremer Gewalt in NRW, hatte die Opfer während des Prozesses begleitet. "Ich bin empört, dass die rechtsextreme Gesinnung der Angeklagten nicht in das Urteil eingeflossen ist." Bei Sven K. passiere das sogar schon zweiten Mal, so Luzar. Auch seine Tat aus dem Jahr 2005 sei als unpolitisch eingestuft worden. "Für die Opfer ist das wie ein zweiter Schlag ins Gesicht", sagte Luzar. Sie seien noch immer traumatisiert.

Der Bruder von Sven K., Jan K., ist einer der drei Mittäter. Er erhielt eine Verwarnung und Jugendarrest. Tim G. wurde für seine Beteiligung an der Tat zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt, weil ihm eine weitere Körperverletzung in Wuppertal nachgewiesen werden konnte. Der dritte Mittäter, Dennis B., muss ein Jahr in Haft. Die Strafen wurden nicht zur Bewährung ausgesetzt: Im Fall von Sven K. und Dennis B. konnte die Kammer keine günstige Sozialprognose feststellen.

Sollten die Urteile rechtskräftig werden, dürfte Sven K. wohl trotz schlechter Prognose nicht allzu lange in Haft bleiben: Die zehn Monate, die er bereits in Untersuchungshaft saß, werden auf die Strafe angerechnet.

cvb

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