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27.01.2013
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Zahlreiche Schießereien

Blutiger Samstag in Chicago

DPA

Teilnehmer einer Anti-Waffen-Demo in Washington: 100 Menschen aus Newtown dabei

In Chicago hat sich eine Tragödie abgespielt: Bei mehreren Schießereien mit mindestens fünf Toten kam auch ein 34-Jähriger ums Leben, dessen drei Geschwister bereits in früheren Jahren durch Kugeln starben. "Ich habe jetzt niemanden mehr", sagt die Mutter.

Chicago - In Washington sind am Samstag Tausende Menschen für schärfere Waffengesetze auf die Straße gegangen. Im knapp 1000 Kilometer entfernten Chicago zeigten sich fast zeitgleich die Folgen der bislang als lax geltenden Vorschriften: Bei mehreren Schießereien in der Stadt kamen mindestens fünf Menschen ums Leben. Darunter war auch ein junger Mann, dessen drei Geschwister bereits vor mehreren Jahren bei bewaffneten Auseinandersetzungen erschossen worden waren, wie US-Nachrichtenseiten berichten. "Ronnie war mein einziger überlebender Sohn", sagte seine Mutter Shirley Chambers dem Sender WLS-TV zufolge. "Ich habe jetzt niemanden mehr."

Dem 34-jährigen Ronnie Chambers, der in einem parkenden Auto in Chicago saß, wurde in den Kopf geschossen. 1995 war sein damals 18-jähriger Bruder bei einem Streit getötet worden, im Jahr 2000 starben im Abstand von wenigen Monaten seine Schwester und ein weiterer Bruder an Schussverletzungen.

Bei einem weiteren Vorfall am Samstag in Chicago wurden zwei Männer in der Nähe eines Lokals erschossen, einige Stunden später starben bei einer Schießerei ein Jugendlicher und ein junger Mann. Die Zahl der Tötungsdelikte in Chicago war im vergangenen Jahr erstmals seit 2008 wieder auf mehr als 500 gestiegen.

"Es geht darum, dass weniger Kinder sterben"

In den USA wird seit dem Massaker von Newtown heftiger denn je über die Waffengesetze debattiert. In der Kleinstadt hatte ein 21-Jähriger im Dezember 20 Schulkinder und sieben Erwachsene erschossen, ehe er sich selbst tötete. Seit diesem Vorfall setzt sich US-Präsident Barack Obama für strengere Regeln ein, stößt dabei aber auf den Widerstand der starken Waffenlobby.

Auch auf der Kundgebung in Washington forderten Bildungsminister Arne Duncan sowie Parlamentarier und Schauspieler einen besseren Schutz vor Waffengewalt. "Es geht darum, dass weniger Amerikaner sterben, weniger Kinder sterben, weniger Kinder in Angst leben", sagte Duncan in seiner Rede. An der Veranstaltung nahmen auch rund 100 Menschen aus Newton teil.

Eleanor Holmes Norton, Mitglied des Repräsentantenhauses, rief die Amerikaner zu einer entschlossenen Haltung auf. "Nur eine empörte Öffentlichkeit kann diese Gewalt der Waffen beenden, die unser Land erfasst hat", sagte sie nach Angaben des Senders CNN.

Obama will unter anderem Waffenkäufer künftig vorab überprüfen lassen und den Verkauf von Sturmgewehren verbieten. Die Veranstalter der Demonstration unterstützen diese Forderungen. Sie organisierten auch in rund einem Dutzend anderer Städte solche Kundgebungen, darunter San Francisco und Austin in Texas. Die Veranstaltungen folgten eine Woche nach landesweiten Demonstrationen von Waffenbefürwortern, die sich mit Unterstützung der mächtigen Waffenlobby NRA gegen Einschränkungen wehren.

yes/dapd/dpa

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Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 192 Beiträge
1. strenge Waffengesetze in Chicago
Promethium 27.01.2013
Chicago hat aber einer extrem strenges Waffengesetz. Dort muss jeder der eine Waffe besitzt jedes Jahr eine neue Firearm Owner's Identification (FOID) card beantragen! Und die bekommt er nur solange er unbescholten und [...]
Zitat von sysopDPAIn Chicago hat sich eine Tragödie abgespielt: Bei mehreren Schießereien mit mindestens fünf Toten kam auch ein 34-Jähriger ums Leben, dessen drei Geschwister bereits in früheren Jahren durch Kugeln starben. "Ich habe jetzt niemanden mehr", sagt die Mutter. Blutiger Samstag in Chicago - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/blutiger-samstag-in-chicago-a-879893.html)
Chicago hat aber einer extrem strenges Waffengesetz. Dort muss jeder der eine Waffe besitzt jedes Jahr eine neue Firearm Owner's Identification (FOID) card beantragen! Und die bekommt er nur solange er unbescholten und geistig gesund ist. Gun laws in Illinois - Wikipedia, the free encyclopedia (http://en.wikipedia.org/wiki/Gun_laws_in_Illinois) Von den im Artikel erwähnten "lax geltenden Vorschriften" kann in Chicago gar keine Rede sein. Und es ist daher so gut wie sicher das es sich um illegale Waffen handelt die verwendet wurden!
2. Woher will Spiegel online das wissen
sorgenlos 27.01.2013
Nämlich, ob die Schießereien in Chikago Folge der "laxen Waffengesetze" sind? - Auf jeden "Amoklauf" kommen vermutlich hunderte wenn nicht sogar tausende von Straftaten, die verhindert oder abgewehrt wurden, [...]
Nämlich, ob die Schießereien in Chikago Folge der "laxen Waffengesetze" sind? - Auf jeden "Amoklauf" kommen vermutlich hunderte wenn nicht sogar tausende von Straftaten, die verhindert oder abgewehrt wurden, weil die Opfer sich mit Waffengewalt wehren konnten - Die laxen Waffengesetze führen in anderen Staaten dieser Welt nicht zu einer solchen Kriminalität wie in den USA - Es gibt Vermutungen, dass der hohe Konsum der Amerikaner von hochwirksamen Medikamenten ebenfalls einen Beitrag zu den häufigen "Amokläufen" liefert. Diese These wird leider nirgends weiter verfolgt, obwohl ein Zusammenhang durchaus möglich ist.
3. Interesting...
zDevilsAdvocate 27.01.2013
Chicago ist eine "gun free zone". Das tragen von Schusswaffen ist in ganz Chicago für Zivilisten verboten. Anders als wohl gewollt ist dies ein schönes Beispiel dafür das striktere Waffengesetze diese Tragödien [...]
Chicago ist eine "gun free zone". Das tragen von Schusswaffen ist in ganz Chicago für Zivilisten verboten. Anders als wohl gewollt ist dies ein schönes Beispiel dafür das striktere Waffengesetze diese Tragödien nicht verhindern können wenn erst genügen (vor allem Illegale) Waffen im Umlauf sind. Ggf. wäre der junge Mann noch am leben wenn es Ihm erlaubt gewesen wäre sich selber zu beschützen. Ein anderes schönes Beispiel ist Mexiko. Die Waffengesetze sind dort so streng wie in Deutschland. Hält dass die Drogenbanden davon ab reihenweise Menschen zu erschießen? Nicht alles kann mit einfachen Verboten verhindert werden. Als Referenz: http://www.humanevents.com/2008/04/24/chicagos-misfire-on-gun-violence/
4. Sorry...
Spiegelleserin57 27.01.2013
für die betroffene Mutter sicherlich schlimm, aber solange die U.S.A. die Waffengesetze nicht verschärfen wird es imm wieder vorkommen. Daher sollte man eigentlich kein Mitleid haben. Es müssen scheinbar noch viel mehr [...]
Zitat von sysopDPAIn Chicago hat sich eine Tragödie abgespielt: Bei mehreren Schießereien mit mindestens fünf Toten kam auch ein 34-Jähriger ums Leben, dessen drei Geschwister bereits in früheren Jahren durch Kugeln starben. "Ich habe jetzt niemanden mehr", sagt die Mutter. Blutiger Samstag in Chicago - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/blutiger-samstag-in-chicago-a-879893.html)
für die betroffene Mutter sicherlich schlimm, aber solange die U.S.A. die Waffengesetze nicht verschärfen wird es imm wieder vorkommen. Daher sollte man eigentlich kein Mitleid haben. Es müssen scheinbar noch viel mehr Menschen sterben bis sich das Gewissen der Amerikaner, besonders der Republikaner ändert.
5. Grundverständnis der Amerikaner
Spiegelleserin57 27.01.2013
Drogen spielen überall eine rolle ABER das freiheitliche Grundverständnis der Amerikaner bezogen auf die persönliche freiheit ist in U.S.A. sehr ausgeprägt, ein sonderbares Land.
Zitat von sorgenlosNämlich, ob die Schießereien in Chikago Folge der "laxen Waffengesetze" sind? - Auf jeden "Amoklauf" kommen vermutlich hunderte wenn nicht sogar tausende von Straftaten, die verhindert oder abgewehrt wurden, weil die Opfer sich mit Waffengewalt wehren konnten - Die laxen Waffengesetze führen in anderen Staaten dieser Welt nicht zu einer solchen Kriminalität wie in den USA - Es gibt Vermutungen, dass der hohe Konsum der Amerikaner von hochwirksamen Medikamenten ebenfalls einen Beitrag zu den häufigen "Amokläufen" liefert. Diese These wird leider nirgends weiter verfolgt, obwohl ein Zusammenhang durchaus möglich ist.
Drogen spielen überall eine rolle ABER das freiheitliche Grundverständnis der Amerikaner bezogen auf die persönliche freiheit ist in U.S.A. sehr ausgeprägt, ein sonderbares Land.
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