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28.01.2013
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Winnenden-Prozess

Vater von Tim K. wendet sich an Opferfamilien

dapd

Richter des Landgerichts Stuttgart (Archivbild): Prozess gegen Jörg K. in der zweiten Runde

Im Revisionsprozess gegen den Vater des Attentäters von Winnenden hat die Verteidigung Straffreiheit für Jörg K. gefordert. Der brach sein langes Schweigen und sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus. Er bedauere, dass sein Sohn Zugang zu Waffen hatte - und dass er dessen Not nicht erkannte.

Stuttgart - Ein ganzes Mammutverfahren hindurch hatten die Hinterbliebenen der Opfer des Amoklaufs von Winnenden auf eine Entschuldigung gewartet. 29 Verhandlungstage lang - doch der Vater des Attentäters Tim K. hatte sie im ersten Prozess auf Anraten seiner Anwälte enttäuscht. Nun brach er sein Schweigen.

Im Revisionsprozess sprach Jörg K. allen Opfern und Angehörigen sein Mitgefühl aus. Er bedauere zutiefst, dass sein Sohn Zugriff auf Waffen gehabt habe, sagte der Vater in seinem Schlusswort. Es tue ihm zudem leid, dass er die Not seines Sohnes nicht erkannt habe. Unter Tränen fügte er hinzu: "Du fehlst mir."

Seine Verteidiger forderten am Montag Straffreiheit für den 54-Jährigen. Zwar habe sein Mandant gegen das Waffengesetz verstoßen, angesichts des Verlusts seines Sohnes solle das Gericht aber von einer Strafe absehen, sagte Anwalt Hubert Gorka. Die Staatsanwaltschaft hatte gefordert, am 2011 gefällten Urteil von einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung festzuhalten.

Jörg K. steht seit Mitte November erneut vor Gericht, weil er eine Pistole unverschlossen im Schlafzimmer aufbewahrt hatte. Mit dieser Waffe hatte sein 17-jähriger Sohn Tim am 11. März 2009 in der Albertville-Realschule in Winnenden sowie auf der anschließenden Flucht insgesamt 15 Menschen erschossen und 14 weitere verletzt. Danach erschoss der Jugendliche sich.

Im ersten Verfahren 2011 verurteilte das Landgericht Stuttgart den Unternehmer wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob das Urteil im Frühjahr 2012 allerdings wegen eines Verfahrensfehlers auf. Der Grund: Die Verteidigung habe keine Gelegenheit gehabt, eine Familientherapeutin als wichtige Zeugin zu befragen.

Die Therapeutin, die die Familie des Täters nach dem Amoklauf betreut hatte, berief sich im neuen Prozess gegen Jörg K. jedoch auf Erinnerungslücken. Sie könne sich an viele Details der Betreuung nicht mehr erinnern, sagte sie im November vor Gericht.

Das neue Urteil soll am Freitag gesprochen werden. Weil nur die Verteidigung in Revision gegangen war, darf die Strafe nicht höher ausfallen als im ersten Verfahren.

siu/dpa

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Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
1. Genug gestraft!
adam68161 28.01.2013
Der Mann ist für den Rest seines Lebens genug gestraft, dass er fahrlässig gehandelt hat. Wenn die Angehörigen der Opfer eine zusätzliche Bestrafung fordern, kommt dies eher einem Rachegedanken gleich.
Der Mann ist für den Rest seines Lebens genug gestraft, dass er fahrlässig gehandelt hat. Wenn die Angehörigen der Opfer eine zusätzliche Bestrafung fordern, kommt dies eher einem Rachegedanken gleich.
2. Erholung unter Palmen?
kabian 28.01.2013
So wie ich die Berichterstattung der letzten Jahre verstanden habe, will er sein Vermögen retten.
Zitat von adam68161Der Mann ist für den Rest seines Lebens genug gestraft, dass er fahrlässig gehandelt hat. Wenn die Angehörigen der Opfer eine zusätzliche Bestrafung fordern, kommt dies eher einem Rachegedanken gleich.
So wie ich die Berichterstattung der letzten Jahre verstanden habe, will er sein Vermögen retten.
3. Einspruch
ksail 28.01.2013
Ganz so ist es aber auch nicht: Der Mann hat die Waffe nicht "fahrlässig" ungesichert rumliegen lassen, sondern ganz bewußt, um sie griffbereit zu haben. Und die Angehörigen fordern auch keine [...]
Zitat von adam68161Der Mann ist für den Rest seines Lebens genug gestraft, dass er fahrlässig gehandelt hat. Wenn die Angehörigen der Opfer eine zusätzliche Bestrafung fordern, kommt dies eher einem Rachegedanken gleich.
Ganz so ist es aber auch nicht: Der Mann hat die Waffe nicht "fahrlässig" ungesichert rumliegen lassen, sondern ganz bewußt, um sie griffbereit zu haben. Und die Angehörigen fordern auch keine "zusätzliche" Bestrafung, sondern der gute Mann ist bisher noch ohne Strafe davongekommen. Seinen Schicksalsschlag gegen eine Strafe aufzurechnen, ist zynisch und nicht rechtsstaatlich. Ich bin persönlich zwar auch der Meinung, dass das Verfahren eingestellt werden sollte, aber rechtmäßig sollte es dabei schon zugehen.
4.
spon_leser 28.01.2013
Genau deshalb ist es ja fahrlässig - evtl grob. Fahrlässig bedeutet, etwas tun bei dem man sich nicht über die Konsequenzen bewusst ist. Bewusst wäre es gewesen, wenn der Vater die Waffe extra offen hingelegt hätte mit [...]
Zitat von ksailGanz so ist es aber auch nicht: Der Mann hat die Waffe nicht "fahrlässig" ungesichert rumliegen lassen, sondern ganz bewußt, um sie griffbereit zu haben. Und die Angehörigen fordern auch keine "zusätzliche" Bestrafung, sondern der gute Mann ist bisher noch ohne Strafe davongekommen. Seinen Schicksalsschlag gegen eine Strafe aufzurechnen, ist zynisch und nicht rechtsstaatlich. Ich bin persönlich zwar auch der Meinung, dass das Verfahren eingestellt werden sollte, aber rechtmäßig sollte es dabei schon zugehen.
Genau deshalb ist es ja fahrlässig - evtl grob. Fahrlässig bedeutet, etwas tun bei dem man sich nicht über die Konsequenzen bewusst ist. Bewusst wäre es gewesen, wenn der Vater die Waffe extra offen hingelegt hätte mit dem Ziel, dass der Sohn damit einen Amoklauf begeht. Das ist ja nun nicht der Fall, deswegen fahrlässig.
5. Im ersten Verfahren 2011 verurteilte das Landgericht Stuttgart ...
Xiuhcoatl 28.01.2013
Im Spiegel-Artikel steht ... Vorausgesetzt, das so im Spiegel-Artikel Gesagte stimmt (tut es das?) - versteh ich nicht. Wieso konnte der Vater wegen (fahrlässiger) Tötung und Körperverletzung verurteilt werden? Er hat [...]
Zitat von sysopdapdIm Revisionsprozess gegen den Vater des Attentäters von Winnenden hat die Verteidigung Straffreiheit für Jörg K. gefordert. Der brach sein langes Schweigen und sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus. Er bedauere, dass sein Sohn Zugang zu Waffen hatte - und dass er dessen Not nicht erkannte. Winnenden-Prozess: Vater von Tim K. wendet sich an Opferfamilien - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/winnenden-prozess-vater-von-tim-k-wendet-sich-an-opferfamilien-a-880045.html)
Im Spiegel-Artikel steht ... Vorausgesetzt, das so im Spiegel-Artikel Gesagte stimmt (tut es das?) - versteh ich nicht. Wieso konnte der Vater wegen (fahrlässiger) Tötung und Körperverletzung verurteilt werden? Er hat doch gar keine (auch keine fahrlässige) Tötung oder Körperverletzung durchgeführt. Sondern das war sein Sohn gewesen. (Über eine Anstiftung zur Tat ist nichts berichtet worden.) Seit wann ist es hierzulande rechtens, dass eine Person X für die von einer anderen Person Y verübten Taten verurteilt wird? Bei der genannten Urteilsaufhebung durch das BGH ist (nur) von Verfahrensfehler die Rede. In einem älteren Spiegel-Artikel steht "Zwar bestätigt der BGH in dem Beschluss den Schuldspruch.". Wie gesagt, versteh' ich nicht. Ich find's sonnenklar, dass der ergangene Schuldspruch falsch ist.
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