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03.02.2013
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Belgischer Kindermörder

Marc Dutroux beantragt seine Freilassung

REUTERS

Kindermörder Dutroux (im Jahr 2004): Antrag auf Freilassung

Marc Dutroux will seine vorzeitige Haftentlassung erreichen. Ab Montag wird ein Gericht über seinen Antrag beraten. Doch die Chancen stehen schlecht: Der Mann, der sechs Mädchen vergewaltigte und folterte, vier von ihnen bis zu deren Tod, zeigt bis heute kein Bedauern.

Brüssel - Kann ein Mensch seine Freiheitsrechte auf immer verwirken? Eigentlich ist die Antwort klar: Nein. Eine lebenslange Freiheitsstrafe suggeriert zwar Endgültigkeit, Straftäter werden aber meist vorzeitig entlassen. Das gebieten die Menschenrechte, egal was jemand anderen angetan hat.

Das kann im Widerspruch zum Gerechtigkeitsempfinden einer ganzen Gesellschaft stehen - und das Unbehagen wird größer, umso grausamer das Verbrechen war. In Belgien ist das Unbehagen in diesen Tagen enorm, auch wenn es bis zu einer Entscheidung noch Wochen dauern kann: Am Montag wird Marc Dutroux in Brüssel einem Gericht vorgeführt. Er hat beantragt, mit einer Fußfessel vorzeitig entlassen zu werden.

Dutroux ist der meistgehasste Verbrecher Belgiens. Er hat sechs Mädchen entführt, gefoltert und vergewaltigt, vier von ihnen starben. Dutroux, heute 56, wurde 2004 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Seit seiner Verhaftung im Sommer 1996 sitzt Dutroux hinter Gittern. Bereits 1989 war er wegen der Entführung und Vergewaltigung minderjähriger Mädchen zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Doch schon drei Jahre später ließ man ihn wieder laufen. Und weitere drei Jahre später war er wieder auf Mädchenjagd: 1995 begann er mit jenen Entführungen, Folterungen und Vergewaltigungen, von denen vier tödlich endeten und die zu seiner Verurteilung 2004 führten.

Jeder Schritt in Freiheit ein Nadelstich

Unter Mithilfe seiner ihm hörigen Ehefrau sperrte er die Kinder in ein enges Kellerverlies. Dass er 1998 aus einem Justizgebäude zu fliehen versuchte, trug ihm weitere fünf Jahre Haft ein.

Aus all diesen Strafen errechneten die Juristen, dass Dutroux von April 2013 an freigelassen werden könnte. Das belgische Recht erlaubte bislang "Lebenslänglichen" den ersten Antrag auf Freilassung nach zehn Jahren Haft, bei Wiederholungstätern nach 16 Jahren.

Vier Tage vor der Anhörung Dutroux hat das Parlament ein neues Gesetz beschlossen, allerdings ohne rückwirkende Gültigkeit. Die Frist für den Freilassungsantrag wird auf 15 beziehungsweise 23 Jahre erhöht. In Fällen wie jenem von Dutroux kann ein dreiköpfiges Gericht nicht mehr mit Mehrheit, sondern muss ein fünfköpfiges Gericht einstimmig entscheiden.

Das neue Gesetz ist eine Reaktion auf den öffentlichen Aufschrei nach der Freilassung der einstigen Dutroux-Gemahlin Michelle Martin. Die heute 52 Jahre alte Frau war 2004 wegen Mittäterschaft zu 30 Jahren Haft verurteilt worden - doch wurde sie im Juli vergangenen Jahres freigelassen. Nun lebt sie in einem Kloster des Klarissenordens in der Nähe von Namur.

Für die Belgier ist jeder Schritt, den Michelle Dutroux in Freiheit geht, wie ein Nadelstich: Die Empörung war groß, als sie Urlaub in Knokke an der Nordseeküste machte und sich in einem Salon die blonden Haare legen ließ. Auch der Umstand, dass sie von Leibwächtern beschützt wird, provoziert verzweifelte Wut. Dass sie für ihre Taten - zwei Mädchen ließ sie im Keller des Dutroux-Hauses verhungern - Worte des Bedauerns fand, wurde registriert, viel mehr aber auch nicht.

"Er hat sich nicht geändert"

Dass die Chancen von Marc Dutroux auf eine baldige Freilassung gering sind, liegt auch daran, dass er bisher kein Bedauern geäußert hat. "Er hat sich nicht geändert", räumt sein Anwalt Ronny Baudewijn ein. Und sein Arzt Michel Matagne traute belgischen Journalisten an: "Er ist überzeugt, nichts Böses getan zu haben."

Im Gefängnis, wo Dutroux aus Sorge um seine Sicherheit nicht in Kontakt mit anderen Gefangenen kommt, studiere er zumeist seine Prozessakten, um nach einem Grund für einen Revisionsantrag zu suchen. Der Mediziner, der demnächst ein Buch über seinen prominenten Patienten veröffentlichen will, sieht auch in Dutroux "ein Opfer": Dutroux, Sohn eines Lehrer-Ehepaares, leide "seit seiner Geburt an einem völligen Mangel an Hinwendung".

Die Freilassung von Dutroux wäre nur möglich, wenn Gutachten der Gefängnisleitung und psychologischer Sachverständiger besagten, dass vom Täter keine Gefahr mehr ausgehe. Vor der Entscheidung müssen die Opfer entschädigt werden, wobei niemand wirklich weiß, wie das im Fall Dutroux funktionieren soll.

Die Familie eines jener Mädchen, die von Dutroux grausam zu Tode gequält wurde, hat bereits Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingereicht. Sie bemängelt, dass die Opfer nicht zur Freilassung eines Täters befragt werden. Die Familie argumentiert, das verstoße gegen das Menschenrecht. Das Menschenrecht der Opfer.

Von Dieter Ebeling, dpa/bim

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