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04.02.2013
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Unterbringung in Psychiatrie

Mollath lehnt neues Gutachten ab

Ein neues Gutachten sollte klären, ob Gustl Mollath weiterhin in der Psychiatrie untergebracht sein muss. Das Landgericht Bayreuth hat nun abgelehnt, die Expertise in Auftrag zu geben - und das war offenbar ganz im Sinne Mollaths.

Bayreuth - Muss Gustl Mollath weiterhin in einer geschlossenen Einrichtung untergebracht werden? Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth wollte zu dieser Frage ein Gutachten einholen lassen. Das Landgericht Bayreuth hat nun entschieden, keine neue Expertise anfertigen zu lassen - vor allem, weil Mollath selbst eine solche als "überflüssige und geradezu groteske Maßnahme" ansieht, wie es in einer Mitteilung des Gerichts heißt.

Mollath habe über seine Anwältin ausrichten lassen, dass ein weiteres Gutachten zu unterbleiben habe, hieß es. Er kann nicht gezwungen werden, mit einem Gutachter zu reden. Damit, so das Gericht, wäre als Alternative nur noch ein Gutachten nach Aktenlage geblieben - und davon habe man sich keine weiteren Erkenntnisse versprochen.

Mollath sitzt seit Februar 2006 in der geschlossenen psychiatrischen Forensik des Bezirkskrankenhauses Bayreuth. Nach tätlichen Angriffen auf seine inzwischen geschiedene Frau und dem Zerstechen von Autoreifen hatte das Landgericht Nürnberg den Geschäftsmann zwangseingewiesen.

Brisant ist der Fall, weil Mollath 2003 - nachdem er bereits angeklagt worden war - seine bei der HypoVereinsbank (HVB) beschäftigte Frau, weitere HVB-Mitarbeiter und 24 Kunden beschuldigte, in Schwarzgeldgeschäfte in Millionenhöhe verwickelt zu sein. Manche der Vorwürfe stimmen offensichtlich, wie sich später zeigte. In dem Verfahren zu seiner Einweisung wurde Mollath jedoch unter anderem wegen dieser Behauptungen eine paranoide Gedankenwelt unterstellt.

Die Einweisung wurde über die Jahre von mehreren Gutachtern und Gerichten bestätigt. Bei jährlichen Untersuchungen kamen die Ärzte jedes Mal zu dem Schluss, Mollaths Zustand habe sich nicht verbessert. Die Unterbringung müsse fortgesetzt werden.

ulz

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insgesamt 39 Beiträge
1.
Stäffelesrutscher 04.02.2013
Schafft es SPON irgendwann vielleicht ein einziges Mal, über den Fall Mollath zu berichten, ohne die offenkundigen Lügenkonstrukte der Staatsanwaltschaft und seiner Ex als Tatsachen hinzustellen?
Schafft es SPON irgendwann vielleicht ein einziges Mal, über den Fall Mollath zu berichten, ohne die offenkundigen Lügenkonstrukte der Staatsanwaltschaft und seiner Ex als Tatsachen hinzustellen?
2. Es sei denn
Izmi 04.02.2013
Kapier ich irgendwie nicht. Mal abgesehen von den Tätlichkeiten, die ja wohl Reaktionen auf die Aktionen seiner Umwelt waren, hat Mollath doch mit den Anschuldigungen gegenüber den Banken und der Ehefrau recht behalten. [...]
Zitat von sysopSWR/ Report MainzEin neues Gutachten sollte klären, ob Gustl Mollath weiterhin in der Psychiatrie untergebracht sein muss. Das Landgericht Bayreuth hat nun abgelehnt, die Expertise in Auftrag zu geben - und das war offenbar ganz im Sinne Mollaths. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fall-gustl-mollath-richter-lehnen-neues-gutachten-ab-a-881465.html
Kapier ich irgendwie nicht. Mal abgesehen von den Tätlichkeiten, die ja wohl Reaktionen auf die Aktionen seiner Umwelt waren, hat Mollath doch mit den Anschuldigungen gegenüber den Banken und der Ehefrau recht behalten. Warum man ihn nun erneut (weswegen eigentlich jetzt?) auf seinen Gemütszustand untersuchen will, ist mir völlig unklar. Dass Herr Mollath das selber ablehnt, scheint mir dagegen nachvollziehbar. Die Ermittlungen in der Bankenaffaire geben doch ihm recht - und nicht den "Expertisen". Wie gesagt, kapier ich nicht... es sei denn... es sei denn...
3. Mollath
Balser 04.02.2013
Was das für jährliche " Untersuchungen" gewesen sein sollen ist gerade die Rätsel- und Skandal-Kernbereich- Frage : Fern-Untersuchungen durch "Akten-Untersuchung" : Ergebnis Ferndiagnose ohne [...]
Was das für jährliche " Untersuchungen" gewesen sein sollen ist gerade die Rätsel- und Skandal-Kernbereich- Frage : Fern-Untersuchungen durch "Akten-Untersuchung" : Ergebnis Ferndiagnose ohne persönliche Untersuchung. Es gibt den terminus technicus "Papageien-Journalismus" : JournalistINNen plappern immer weiter nach, was die angergriffene Justiz mit ihren Fern-Gutachten vorgeplappert haben. Papageien-Gutachter-Wesen : Der nächste Gutachter plappert nach Aktenlage nach, was der "Kollege" bereits vorgeplappert hat. So schließt sich der Ferndiagnose-Gutachten-Unwesen- Teufelskreis. Mithilfe des Spiegel-Journalismus : Der nur noch das wiederspiegelt, was in der Skanalsache ihm justiz-amtlich vorgespiegelt wird. Denn eher geht ein Kamel im Handstand durchs Nadelöhr, als dass eine Justiz-Behörde deren Gutachter freiwillig eingestehen, dass sie Mist gemacht haben könnten. Da lässt man lieber unschuldige Bürger über die Klinge springen, um Rechtssicherheit vorzuspiegeln.
4.
kaufmann5555 04.02.2013
In Bayern hat NIEMAND interesse an der Aufklärung des Falls...könnte ja sein, dass da hohe Persönlichkeiten involviert sind ...? und die plötzliche "Aufklärungswut" der bayerische "Justiz"-Ministerin [...]
Zitat von IzmiKapier ich irgendwie nicht. Mal abgesehen von den Tätlichkeiten, die ja wohl Reaktionen auf die Aktionen seiner Umwelt waren, hat Mollath doch mit den Anschuldigungen gegenüber den Banken und der Ehefrau recht behalten. Warum man ihn nun erneut (weswegen eigentlich jetzt?) auf seinen Gemütszustand untersuchen will, ist mir völlig unklar. Dass Herr Mollath das selber ablehnt, scheint mir dagegen nachvollziehbar. Die Ermittlungen in der Bankenaffaire geben doch ihm recht - und nicht den "Expertisen". Wie gesagt, kapier ich nicht... es sei denn... es sei denn...
In Bayern hat NIEMAND interesse an der Aufklärung des Falls...könnte ja sein, dass da hohe Persönlichkeiten involviert sind ...? und die plötzliche "Aufklärungswut" der bayerische "Justiz"-Ministerin erklärt sich daraus, dass der Grosse Zampano befohlen hat, bis zur nächsten Wahl die Sache aus den Schlagzeilen zu bekommen.
5. Interessant
thatandthis 04.02.2013
...ist u.a., dass SPON nun nach dem mehrfach widerlegten Artikel von Frau Lakotta dazu übergegangen zu sein scheint, möglichst neutral über diesen Fall zu berichten. Bemerkenswert in der Hinsicht, dass nicht, wie üblich, [...]
...ist u.a., dass SPON nun nach dem mehrfach widerlegten Artikel von Frau Lakotta dazu übergegangen zu sein scheint, möglichst neutral über diesen Fall zu berichten. Bemerkenswert in der Hinsicht, dass nicht, wie üblich, Partei ergriffen, sondern eine ungewöhnlich distanzierte Position eingenommen wird. Man würde erwarten, SPON nutze die Fakten, um einen veritablen Skandal zu proklamieren, ensprechend eines kritischen Bürgers, der die Medien als rationales, wenn auch polarisierendes, Regulativ glaubt. Interessant wird eine Sache immer, wenn Boulevardmedien unter diesen Umständen weder etwas Sensationelles noch etwas Skandalöses berichten möchten, aber dennoch darüber schreiben. Ich hoffe, dass dies als Zeichen der Erkenntnis innerhalb des SPON zu werten ist.

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