Lade Daten...
23.02.2013
Schrift:
-
+

Britische Sexgang

Vergewaltiger brandmarkte Zwölfjährige mit seinen Initialen

Ihre Opfer waren noch Kinder, als sie Sexsklaven wurden: In London müssen sich neun Männer vor dem Strafgerichtshof wegen Zwangsprostitution und Vergewaltigung verantworten. Nun sagen die Mädchen gegen ihre mutmaßlichen Peiniger aus - und schildern grausame Details.

London - Sie kämpfte mit den Tränen, holte tief Luft - und machte dann ihre erschütternde Aussage vor Gericht: Vier Jahre lang soll ein Mann namens Mohammed K. sie sexuell missbraucht und zu Geschlechtsverkehr mit unzähligen Männern gezwungen haben. Wie der britische "Guardian" berichtet, habe ihr mutmaßlicher Peiniger sie zudem im Alter von zwölf Jahren gebrandmarkt: mit dem ersten Buchstaben seines Vornamens.

Nachdem er sie auf einem Sofa in ihrem Elternhaus vergewaltigt hatte, hätte K. eine ihrer Haarnadeln genommen, die Farbe mit einem Messer abgekratzt und den Draht zu einem "M" gebogen. Diesen soll er mit einem Feuerzeug erhitzt und dem Mädchen aufs Gesäß gelegt haben. "So wussten andere, mit denen ich Sex hatte, dass ich ihm gehörte."

Die inzwischen 19-Jährige ist die vierte Zeugin in einem Prozess gegen neun Männer, die sich in 51 Anklagepunkten vor dem Zentralen Strafgerichtshof Old Bailey in London verantworten müssen. Unter anderem wird den zwischen 24 und 38 Jahre alten Männern Vergewaltigung, Menschenhandel und Zwangsprostitution mit Kindern vorgeworfen. Die Taten sollen vor allem in Oxford ausgeübt worden sein. Die Angeklagten sollen es auf Mädchen aus zerrütteten Familien abgesehen und diese dann über Jahre psychisch und physisch unter ihrer Kontrolle gehabt haben.

"Wenn er wollte, dass ich etwas für ihn tat, tat ich es", sagt die Zeugin vor Gericht. Sie traf fremde Männer in Hotelzimmern, zog sich nach eigenen Aussagen "wie eine Schlampe" an, machte Rollenspiele mit und wusch sich nach den Vergewaltigungen - auf K.s Kommando. Er soll sie "dreckige Hure" genannt und dazu angehalten haben, "sauber zu bleiben".

Erniedrigt und mit Messern bedroht

Ob ihr der Sex gefallen habe, soll er nach den organisierten Treffen sarkastisch gefragt haben. "Er sorgte dafür, dass ich mich kleiner und kleiner fühlte", sagt die Zeugin, "auch wenn er es war, der mich kleiner machte." Die Frau musste nicht nur Erniedrigungen aushalten, sondern wurde auch mit Messern bedroht, geschlagen und zu einer illegalen Abtreibung gezwungen.

Wie eine Sexsklavin habe sich die Zeugin laut einem "Independent"-Bericht gefühlt. Es sei um sie gefeilscht worden. Bis zu 400 Pfund hätten Bekannte K. für Sex mit ihr gezahlt. Einige sogar noch mehr - dann durften sie die damals 13-Jährige fesseln.

Bereits im Januar hat es vor dem Old Bailey Zeugenaussagen in dem Vergewaltigungsprozess gegeben. Eine andere Frau berichtete laut "Guardian" davon, "wie ein Stück Fleisch" behandelt worden zu sein. Sie hatte im Jahr 2006 erstmals bei der Polizei ausgesagt und war nun als Zeugin erschienen, als der Prozess gegen die Männer begann.

Vor Gericht erklärte sie, wie es dazu kommen konnte, dass sie als Zwölfjährige in die Fänge der Männer geraten konnte. Anfangs seien sie sehr nett gewesen, sagte die inzwischen 21-Jährige, die als Kind unter einer depressiven und dem Alkohol zugewandten Mutter litt. Die Männer hätten ihr Aufmerksamkeit und Modeschmuck geschenkt. "Ich fühlte mich dadurch wichtig, zu Hause war ich nicht glücklich."

Doch als sie über einen Zeitraum von drei Jahren Dinge tun musste, die sie nicht tun wollte, habe sie den Entschluss gefasst, gegen die Vergewaltiger auszusagen. "Sie tun es auch mit Mädchen in Schuluniformen", sagte die damals 15-Jährige der Polizei. "Warum sollte es anderen passieren, wenn ich es stoppen kann?" Nun saß sie den Männern, die sie jahrelang missbraucht haben sollen, vor Gericht gegenüber. K. und die anderen Angeklagten der Oxforder "Sexgang" ("Independent") streiten alle Vorwürfe ab. Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen.

jus

MEHR IM INTERNET

Verwandte Themen

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter RSS
alles zum Thema Sexueller Missbrauch von Kindern
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten