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Panorama

Vorwurf der Unterwanderung

Chef der Berliner Polizeiakademie räumt Posten

An einer Polizeischule in Berlin soll es Probleme in der Ausbildung gegeben haben, sogar von Unterwanderung durch Kriminelle war die Rede. Nun hat der Leiter der Einrichtung seine Versetzung beantragt.

DPA

Berliner Polizeiakademie

Dienstag, 13.02.2018   12:07 Uhr

Die Berliner Polizeiakademie bekommt nach einer Reihe von Vorwürfen und Skandalen einen neuen Leiter. "Es ist richtig, dass Herr Sindberg selbst um seine Versetzung gebeten hat und wir uns um einen Nachfolger bemühen", sagte ein Polizeisprecher über den Abteilungsleiter Jochen Sindberg. Die Polizei bestätigte damit einen Bericht der "Berliner Morgenpost".

Im Herbst 2017 hatte es anonyme Schilderungen über angebliche Missstände an der Akademie gegeben. Die Rede war von Disziplinlosigkeit, Lernverweigerung, schlechten Deutschkenntnissen sowie Rechtschreibproblemen in einer Klasse mit vielen Schülern aus Einwandererfamilien. Unter den Nachwuchskräften soll es zudem antidemokratische Einstellungen und türkischen Nationalismus gegeben haben.

Auch Probleme beim Schießtraining wurden beklagt. Vor einiger Zeit soll fast eine ganze Klasse bei Übungen durchgefallen sein, in der Theorieausbildung hatten sich Ausbilder über Mängel in den Fächern Politische Bildung und Geschichte beschwert: "Diese sind so wichtig wie der richtige Umgang mit der Schusswaffe", sagte ein Lehrer: "Wenn das schiefgeht, haben wir in ein paar Jahren die Hölle auf der Straße."

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Jochen Sindberg

Die Senatsinnenverwaltung hatte daraufhin in einem 83 Seiten starken Sonderbericht die Lage analysieren lassen - und einen unabhängigen Gutachter beauftragt. Bis zur Entscheidung über die Nachfolge soll Jochen Sindberg die Ausbildungsstätte weiter leiten. Die Stelle werde ausgeschrieben, Kandidaten aus der Polizei könnten sich bewerben.

Sindbergs Nachfolger muss dann auch mit den Spekulationen über eine angebliche Unterwanderung durch kriminelle Clans aufräumen. Die Polizei hatte bereits im November 2017 von einem diffamierenden Generalverdacht gegen arabisch- und türkischstämmige Schüler gesprochen.

apr/dpa

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