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Panorama

Mutmaßliche Lynchjustiz in Bremen

Polizei sucht nach den Tätern

Nach einem Fall von mutmaßlicher Lynchjustiz in Bremen ist das Opfer außer Lebensgefahr. Die Polizei sucht derweil nach den Männern, die den 50-Jährigen zusammengeschlagen haben.

Donnerstag, 14.06.2018   11:56 Uhr

Die Bremer Polizei ermittelt im Fall einer Personengruppe, die einen 50-jährigen Mann attackiert haben soll. Nähere Angaben will die Staatsanwaltschaft nicht machen. Ein Zitat aus Agenturmeldungen, wonach es in dem Fall bisher keine Tatverdächtigen gebe, wies Sprecher Frank Passade zurück. Das habe er so nicht gesagt, sagte Passade dem SPIEGEL.

Die Polizei bittet mögliche Zeugen des Vorfalls, sich zu melden. Die Ermittler vermuten, dass mehrere Männer nach einem Fernsehbericht über Pädophile den 50-Jährigen am Dienstag in seiner Wohnung zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt hatten. Er sei inzwischen außer Lebensgefahr.

Nach Angaben der Polizei hatten Reporter in einem zur Mittagszeit ausgestrahlten Fernsehbericht geschildert, wie sie im Internet Kontakt zu vermeintlichen Pädophilen herstellten. Dabei wurde auch ein Mann gefilmt, dessen Verhalten die Reporter laut Polizei als verdächtig beschrieben.

Die Täter waren demnach der Ansicht, den 50-Jährigen in dem Fernsehbericht erkannt zu haben. Zudem hätten sie geglaubt, die Adresse identifiziert zu haben. Die Beamten gehen nach "derzeitigen Erkenntnissen" nicht davon aus, dass in dem Haus überhaupt Menschen mit pädophilen Neigungen wohnen. Die Polizei ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdeliktes.

Die Polizei Bremen weist ausdrücklich darauf hin, dass niemand das Recht hat, die Justiz in die eigene Hand zu nehmen. "Keine Form und kein Anlass zur Selbstjustiz sind tolerierbar", hieß es. Es sei die Aufgabe der Staatsanwaltschaft und der Polizei Straftaten zu verfolgen.

fok/dpa

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