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Panorama

Terroranschläge in Christchurch

Attentäter soll weitere Attacken geplant haben

Er hatte zwei Schusswaffen und Sprengstoff in seinem Auto: Der Attentäter von Christchurch plante offenbar weitere Gewalttaten. Vor Gericht machte er eine bei Rechtsextremen beliebte Geste.

Getty Images

Trauerbekundung in Neuseeland

Samstag, 16.03.2019   17:25 Uhr

Nach den Terroranschlägen auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch plante der Hauptverdächtige offenbar weitere Taten. "Er hatte absolut die Absicht, seine Attacke fortzuführen", sagte Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern. Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung habe der Australier Brenton Harrison Tarrant zwei weitere Schusswaffen und Sprengstoff in seinem Auto gehabt.

Tarrant hatte nacheinander in zwei Moscheen das Feuer eröffnet und 49 Menschen getötet. Ardern bestätigte, dass unter den Todesopfern auch mehrere Kinder sind. Insgesamt 39 Menschen liegen noch mit Schusswunden in verschiedenen Krankenhäusern der neuseeländischen Großstadt. Elf davon befinden sich in Intensivbehandlung. Die Todesopfer und Verletzten stammten unter anderem aus der Türkei, Bangladesch und Saudi-Arabien.

Einen Tag nach der Tat machte sich Ardern in Christchurch ein Bild von der Lage. Sie besuchte dabei auch ein Flüchtlingsheim mit Muslimen und richtete von dort eine Botschaft an das ganze Land: "Neuseeland ist in Trauer vereint." Vermutet wird, dass alle Todesopfer muslimischen Glaubens sind.

AP

Mahnwache im neuseeländischen Auckland

Auch viele andere Neuseeländer bekundeten ihr Mitgefühl, indem sie Blumen und Trauerbotschaften nahe der Al-Noor-Moschee niederlegten. "Es tut mir so leid, dass ihr hier nicht sicher wart", stand auf einem der Zettel. Der Imam der angegriffenen Moschee in Linwood bedankte sich für die Solidaritätsbekundungen und gab ein klares Bekenntnis zu Neuseeland ab. "Wir lieben dieses Land nach wie vor", sagte Ibrahim Abdul Halim.

Nach Angaben der Polizei vergingen vom ersten Alarm bis zur Festnahme von Tarrant 36 Minuten. Unklar blieb, ob zwei andere Verdächtige, die ebenfalls schon am Freitag festgenommen wurden, mit Tarrant in Kontakt standen. Nach aktuellem Stand der Ermittlungen scheint er die Schüsse in den Moscheen allein abgefeuert zu haben.

Tarrant wurde in Christchurch einem Richter vorgeführt und offiziell des Mordes beschuldigt. Vor Gericht machte er seine extremistische Gesinnung mit einer Geste deutlich: Dabei legte er die Spitzen von Daumen und Zeigefinger aneinander und spreizte die übrigen Finger ab. Die Geste bedeutet im englischsprachigen Raum "Okay", wird aber auch als Symbol für die Anfangsbuchstaben W und P der rechten White-Power-Bewegung genutzt.

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL)

Der Attentäter filmte die Tat und veröffentlichte die Aufnahmen live im Internet. Der britische Innenminister Sajid Javid forderte nach dem Anschlag Internetkonzerne wie Youtube, Google, Facebook und Twitter auf, mehr gegen extremistische Inhalte auf ihren Plattformen zu tun. An die Unternehmen gerichtet sagte er: "Übernehmt eine Teilverantwortung, genug ist genug."

Ideologische Verbindungen nach Europa

Ardern kündigte als Konsequenz aus dem Anschlag eine Verschärfung der Waffengesetze an. In Neuseeland kann jeder Bürger über 16 Jahren einen Waffenschein erhalten, wenn er zuvor einen Sicherheitskurs durchlaufen hat. Damit ist das Waffenrecht dort deutlich laxer als in Tarrants Heimatland Australien.

Fotostrecke

Terror in Christchurch: Angriff auf zwei Moscheen

Balkanreisen des Mannes legen ideologische Verbindungen nach Europa nahe. Das Video zeigt auf Waffen des Täters geschriebene Namen von Schlachten in Europa gegen die Araber oder die Osmanen, darunter mehrere auf dem Balkan. Nach Angaben der bulgarischen Justiz war der Mann 2016 und 2018 unter anderen in Serbien, Bosnien-Herzegowina und Bulgarien gewesen.

Regierungschefin Ardern bestätigte, dass der Attentäter bislang nicht im Visier der neuseeländischen Sicherheitsbehörden gewesen sei, obwohl er sich im Internet extremistisch geäußert hatte. So berichtete die Zeitung "The Australian", dass der frühere Fitness-Trainer in einem Online-Eintrag von 2011 über sich schrieb: "Ich bin ein Monster der Willenskraft. Ich brauche nur ein Ziel."

Im Video berichtet eine deutsche Touristin über die Stimmung in der Stadt:

Foto: SPIEGEL ONLINE

dab/AFP/dpa/Reuters

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