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Panorama

Bombenanschlag auf S-Bahn-Station

Gericht entlässt Angeklagten im Wehrhahn-Prozess aus U-Haft

Die Staatsanwaltschaft wirft Ralf S. einen Rohrbombenanschlag auf die S-Bahn-Station Düsseldorf-Wehrhahn vor mehr als 17 Jahren vor. Nun hat das Gericht den Haftbefehl gegen ihn aufgehoben.

DPA

S-Bahnhof Wehrhahn

Donnerstag, 17.05.2018   13:38 Uhr

Im Prozess um den Bombenanschlag auf eine Düsseldorfer S-Bahn-Station hat das Gericht die Entlassung des Hauptangeklagten aus der Haft angeordnet. Nach bislang 25 Verhandlungstagen sehe die Strafkammer keinen dringenden Tatverdacht gegen Ralf S., teilte eine Justizsprecherin mit.

60 Zeugen und drei Sachverständige wurden demnach in dem aufwendigen Indizienprozess vor dem Landgericht Düsseldorf gehört. Dabei habe sich der dringende Tatverdacht gegen den 51-Jährigen nicht erhärtet. Die Angaben mehrerer Zeugen, denen der Angeklagte den Bombenanschlag angekündigt beziehungsweise gestanden haben soll, hätten sich "als nicht hinreichend belastbar erwiesen", begründete das Gericht seine Entscheidung in einem 51-seitigen Beschluss.

Noch am Montag hatte die Staatsanwaltschaft in einer Zwischenbilanz argumentiert, Ralf S. habe sich vor Gericht selbst verraten. Er habe mehrfach Wissen offenbart, das nur der Täter gehabt habe, sagte Staatsanwalt Ralf Herrenbrück. S. habe zudem mehrfach nachweislich die Unwahrheit gesagt und sich in Widersprüche verwickelt. Auch die Nebenkläger zeigten sich von seiner Schuld überzeugt. (Lesen Sie hier: Wie sich der mutmaßliche Wehrhahn-Bomber vor Gericht verteidigt.)

Bei dem Bombenanschlag waren am 27. Juli 2000 zehn Menschen aus einer zwölfköpfigen Gruppe verletzt worden, einige von ihnen lebensgefährlich. Ein ungeborenes Baby starb im Mutterleib. Bei den Opfern handelt es sich um Zuwanderer aus Osteuropa, einige sind jüdischen Glaubens.

Die Staatsanwaltschaft hat Ralf S. wegen zwölffachen Mordversuchs aus Fremdenhass angeklagt. Fast 18 Jahre dauerten die Ermittlungen gegen den Mann mit Kontakten in die rechte Szene. Er war bereits direkt nach dem Attentat in den Fokus der Polizei gerückt. Der frühere Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma bestreitet die Tat. Er war im Januar 2017 von Spezialkräften festgenommen worden.

apr/dpa

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