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Panorama

Mexikanischer Bandenchef

"El Betito" trotz Haartransplantation und Gewichtsverlust festgenommen

"El Betito" verlor dank einer Magenverkleinerung 30 Kilogramm und ließ sich neue Haare transplantieren. Geholfen hat es nicht: Die mexikanische Polizei machte den Anführer der Bande La Unión Tepito ausfindig.

DPA

Polizei bei der Festnahme von "El Betito"

Freitag, 10.08.2018   00:15 Uhr

Ein mexikanischer Drogenboss hat versucht, durch Gewichtsverlust und eine Operation sein Äußeres zu verändern - und wurde trotzdem gefasst. "El Betito", Anführer von La Unión Tepito, sei gemeinsam mit seinem Bruder im Süden von Mexiko-Stadt festgenommen worden. Das sagte der Sicherheitsbeauftragte der mexikanischen Hauptstadt, Renato Sales. Demnach hatte sich "El Betito" einer Haartransplantation unterzogen und durch eine Magenverkleinerung 30 Kilogramm abgenommen.

Der Bandenchef hatte bei seiner Festnahme rund 10.000 Dollar, 140 Päckchen des Rauschgifts Crystal und eine Schusswaffe bei sich, wie die Behörden mitteilten. La Unión Tepito sei für den Verkauf und die Verbreitung von Drogen sowie Erpressungen von Nachtclubs in der Hauptstadt verantwortlich, sagte Sales. Der namensgebende Stadtteil Tepito gilt als eine der gefährlichsten Gegenden von Mexiko-Stadt. Pro Tag gibt es durchschnittlich vier vorsätzliche Tötungsdelikte in der Stadt, in 70 Prozent der Fälle werden die Menschen erschossen.

DPA

Sicherheitsbeauftragter von Mexiko-Stadt, Renato Sales (r.)

Über den Ermittlungserfolg können sich die Behörden freuen, allerdings gibt es schon die nächsten Fälle zu lösen: Im Westen Mexikos sind innerhalb einer Woche 20 Tote in verborgenen Gräbern gefunden worden. Die Leichen von sechs Männern und einer Frau wurden am Donnerstag in einem Gebäude in der Stadt Tlajomulco entdeckt, wie die Staatsanwaltschaft des Bundesstaats Jalisco mitteilte. Alle Toten wiesen Schusswunden auf.

Im selben Anwesen waren bereits am Dienstag die Leichen von drei weiteren Männern gefunden worden. Bei ihnen könnte es sich um als vermisst gemeldete Personen handeln, sagte Staatsanwalt Raúl Sánchez.

Am vergangenen Freitag war in Guadalajara, der Hauptstadt des Bundesstaats, in einem Vorgarten ein Grab mit zehn Leichen entdeckt worden. Vier der Toten galten als vermisst, wie Sánchez sagte. Seit Anfang Juli wurden in Jalisco 40 Leichen gefunden. Es wurde ein Zusammenhang mit organisierter Kriminalität vermutet. Der Bundesstaat gilt als die Wiege des Drogenkartells Jalisco Nueva Generación. Das für seine Brutalität bekannte Verbrechersyndikat gilt derzeit als das mächtigste Kartell in dem lateinamerikanischen Land.

AFP

Einsatz in Guadalajara

In Mexiko liefern sich rivalisierende Banden einen brutalen Kampf um die Vorherrschaft über den Drogenhandel. Seit 2006 wurden im mexikanischen Drogenkrieg mehr als 200.000 Menschen ermordet. 2006 startete die Regierung einen Feldzug unter Einsatz der Armee gegen die Drogenkartelle. Kritiker machen den Einsatz maßgeblich für den Anstieg der Morde verantwortlich.

tin/aar/dpa/AFP

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