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Panorama

Fall Susanna F.

Ali B. wollte bei Anhörungen keinen Anwalt

Der Tatverdächtige im Fall Susanna hat die Tötung des Mädchens vor der Haftrichterin gestanden. Auf einen Verteidiger verzichtete er offenbar.

DPA

Verdächtiger Ali B.

Donnerstag, 14.06.2018   10:38 Uhr

Ali B. hat laut Staatsanwaltschaft in seiner polizeilichen Vernehmung und in der Anhörung vor der Haftrichterin auf einen Anwalt verzichtet. Das teilte die Wiesbadener Staatsanwaltschaft auf Anfrage mit. B. sei ausführlich über alle Rechte aufgeklärt worden. Auch über das Recht, einen Anwalt zu nehmen, das er aber abgelehnt habe, sagte Behördensprecher Oliver Kuhn.

Tatsächlich schreibt die Strafprozessordnung die Anwesenheit eines Verteidigers zu diesem Zeitpunkt nicht vor. Erst von Beginn der Untersuchungshaft an muss ein Verdächtiger unverzüglich einen Pflichtverteidiger zugewiesen bekommen. Das sei im Fall Ali B. dann auch geschehen, so die Staatsanwaltschaft.

In seiner Anhörung zur Haftprüfung hatte B. die Tötung der 14-jährigen Susanna F. gestanden, eine Vergewaltigung aber bestritten. Laut einer Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft gab er als Tatmotiv an, er habe befürchtet, Susanna werde die Polizei rufen, weil sie sich bei einem Sturz im Gesicht verletzt habe.

Ali B. war nach der Tat mit seiner Familie in den Nordirak ausgereist. Dort nahmen ihn kurdische Spezialkräfte fest. Bundespolizisten brachten ihn am Samstag mit einer Lufthansa-Maschine aus der kurdischen Stadt Arbil zurück nach Deutschland - an Bord war auch Bundespolizei-Chef Dieter Romann. Der Karlsruher Strafverteidiger Daniel Sprafke hat Romann und alle beteiligten Bundespolizisten wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung angezeigt.

Das Bundesinnenministerium, das entgegen ersten Angaben einer Sprecherin Kenntnis von dem Vorgang hatte, teilte dazu mit: "Der Präsident des Bundespolizeipräsidiums Romann hat Minister Seehofer am Samstagnachmittag aus Arbil angerufen und über die bevorstehende Überstellung informiert. Der Herr Minister hat sich durch ihn die Rechtmäßigkeit der Maßnahme bestätigen lassen."

hut/mab

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