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Panorama

Schüsse in Frankfurt

Mehr als zehn Jahre Haft für Hells Angel

Das Frankfurter Landgericht hat einen 57-Jährigen wegen versuchten Mordes zu einer langen Freiheitsstrafe verurteilt. In dem Prozess ging es um eine Fehde im Rockermilieu.

BABANI/ EPA/ REX/ Shutterstock

Angeklagter mit Anwälten (Archiv)

Mittwoch, 14.03.2018   15:55 Uhr

Knapp zwei Jahre nach Schüssen in der Frankfurter Innenstadt ist der Prozess gegen ein Mitglied der Hells Angels zu Ende gegangen. Das Landgericht Frankfurt verurteilte den 57 Jahre alten Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren und drei Monaten - wegen versuchten Mordes, versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung.

Die Tat sei wohl nicht von langer Hand geplant, aber auch kein Zufallsereignis gewesen, sagte die Vorsitzende Richterin in ihrer Urteilsbegründung.

Der Rocker war angeklagt, am Himmelfahrtstag 2016 mehrere Schüsse auf einen 41-jährigen Kontrahenten abgegeben zu haben, der mit dem Auto in der Frankfurter Innenstadt unterwegs war. Ein zweiter Mann, der als Erster das Feuer auf den Rivalen eröffnete und ihn lebensgefährlich verletzte, ist nach wie vor auf der Flucht.

Mit den Schüssen sollte dem 41-Jährigen, der wenige Monate zuvor aus den Hells Angels ausgeschlossen worden war, eine Abreibung verpasst und die Ehre des eigenen Charters wiederhergestellt werden, so das Gericht zum Tatmotiv. Der Angeklagte und seine Gruppe hätten Selbstjustiz geübt und seien Teil einer Parallelgesellschaft, die ganz bewusst Regeln breche und nach ihren eigenen Gesetzen lebe, befand das Gericht. "Das kann der Rechtsstaat nicht dulden."

Opfer "in der Falle"

Vor Gericht hatte der Angeklagte ausgesagt, aus dem Auto sei zuvor geschossen worden. Die Verteidigung hatte daher einen Freispruch gefordert, da es sich um Notwehr gehandelt habe.

Dieser Version schenkte das Gericht jedoch keinen Glauben. Es sei nicht überzeugend, dass der Angeschossene die zahlenmäßig "haushoch überlegene Gruppe" angegriffen und dabei das Leben seiner auf dem Beifahrersitz sitzenden Lebensgefährtin und seines ebenfalls durch Schüsse verletzten Cousins auf dem Rücksitz riskiert hätte. Vielmehr habe die Gruppe um den Angeklagten das Fahrzeug des 41-Jährigen von drei Seiten umzingelt - eine koordinierte, abgesprochene Aktion. Das Opfer habe "in der Falle" gesessen.

Das Schwurgericht verurteilte den 57-Jährigen auch wegen fahrlässiger Körperverletzung und unerlaubten Waffenbesitzes. Die Vorsitzende Richterin betonte auch, die Schüsse am Himmelfahrtstag hätten viele unbeteiligte Menschen in Panik versetzt und für Chaos gesorgt. Viele Zeugen hätten an einen Terroranschlag oder einen Amoklauf geglaubt, als plötzlich in der belebten Innenstadt Schüsse fielen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann Revision eingelegt werden.

wit/dpa

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