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Panorama

Missbrauchsprozess in Freiburg

Stabsfeldwebel zu acht Jahren Haft verurteilt

Zweiter Schuldspruch im Staufener Missbrauchsfall: Das Landgericht Freiburg hat einen Bundeswehrsoldaten zu acht Jahren Haft verurteilt. Der 50-Jährige hatte gestanden, einen Jungen vergewaltigt zu haben.

DPA

Angeklagter Knut S. (r., Archiv)

Mittwoch, 16.05.2018   15:40 Uhr

Im Fall des jahrelang missbrauchten Jungen im Raum Freiburg ist ein Bundeswehrsoldat zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Zudem ordnete das Landgericht Freiburg die Zahlung von 12.500 Euro Schmerzensgeld an das Kind an, einen heute neun Jahre alten Jungen aus Staufen bei Freiburg.

Auf Sicherungsverwahrung, wie sie die Staatsanwaltschaft und die Vertreterin der Nebenklage gefordert hatten, verzichtete das Gericht. Dafür fehle die rechtliche Grundlage, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin. Der Stabsfeldwebel sei nicht vorbestraft und es gebe keine sehr hohe Rückfallgefahr.

Der Mann, der nach Angaben eines psychiatrischen Gutachters pädophil ist, müsse aber in der Haft Angebote der Therapie nutzen. Eine vorzeitige Haftentlassung sei für ihn als Sexualstraftäter nahezu ausgeschlossen. "Er wird acht Jahre im Gefängnis bleiben."

Verurteilt wurde der Angeklagte wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, Vergewaltigung, Zwangsprostitution und wegen des Besitzes von Kinderpornografie. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

"Der Film ist so schrecklich, dass er kaum zu ertragen ist"

Die Staatsanwältin hatte auf zwölf Jahre Gefängnis und anschließende Sicherungsverwahrung plädiert, der Verteidiger auf vier Jahre Haft ohne Sicherungsverwahrung. Der Angeklagte, ein 50 Jahre alter Soldat der Bundeswehr, hatte gestanden, den Jungen im vergangenen Jahr gemeinsam mit dessen Stiefvater zweimal vergewaltigt und dafür Geld gezahlt zu haben.

Die Taten wurden den Angaben zufolge gefilmt, die Aufnahmen an andere weitergeleitet. Die Verbrechen an dem Kind seien mit großer Brutalität und Grausamkeit begangen worden, sagte die Chefermittlerin der Polizei, die in dem Prozess als Zeugin aussagte. Es sei beschimpft und gedemütigt worden. Einer der Filme, auf dem die Taten zu sehen sind, wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit gezeigt. "Der Film ist so schrecklich, dass er kaum zu ertragen ist", sagte die Polizeibeamtin.

Foto: SPIEGEL TV

Der Stabsfeldwebel war in seiner Kaserne der deutsch-französischen Brigade in Illkirch-Graffenstaden bei Straßburg im Elsass festgenommen worden. Laut Angaben des Heeres ist er vorläufig des Dienstes enthoben und darf keine Uniform mehr tragen. Sollte das Urteil des Freiburger Landgerichts rechtskräftig werden, droht dem Mann den Regeln der Bundeswehr zufolge die Entlassung.

Der Junge war mehr als zwei Jahre lang im Internet angeboten und Männern gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen worden. Es ist das zweite Urteil in dem Missbrauchsfall, der vor einigen Monaten bekannt wurde. Weitere Prozesse folgen.

Insgesamt gibt es acht Tatverdächtige, jeder ist einzeln angeklagt. Die Mutter des Kindes und ihr Lebensgefährte gelten als die Hauptbeschuldigten. Der Prozess gegen sie beginnt am 11. Juni, ebenfalls am Landgericht Freiburg.

Az.: 6 KLs 160 Js 33561/17

wit/dpa

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