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Panorama

Stellungnahme der Ermittler

Mutmaßlicher Täter von Herne soll aus Mordlust gehandelt haben

Der mutmaßliche Kindsmörder von Herne soll seine beiden Opfer mit jeweils mehr als 50 Stichen getötet haben. Laut Staatsanwaltschaft hat der 19-Jährige ein umfassendes Geständnis abgelegt.

DPA

Ermittler in Herne

Freitag, 10.03.2017   16:24 Uhr

Der mutmaßliche Kindsmörder Marcel Heße soll seine beiden Opfer mit 52 beziehungsweise 68 Stichen getötet haben. Das sagte Danyal Maibaum von der Staatsanwaltschaft Bochum bei einer Pressekonferenz. Der 19-Jährige sei geständig.

Es handele es sich um einen "in vielerlei Hinsicht ungewöhnlichen, gefährlichen und brutalen Täter", sagte der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange. Das Motiv für den Kindsmord war demnach Mordlust; ein Sexualdelikt schließen die Ermittler aus.

Heße sei computer- und videospielsüchtig gewesen, sagte der Leiter der Mordkommission Bochum, Klaus-Peter Lipphaus. Er verhalte sich emotionslos und eiskalt in den Vernehmungen, rede aber viel. "Er diktiert den Kollegen", so Lipphaus. Die Vernehmung habe mehrere Stunden gedauert, bis in die Nacht.

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Kindermord von Herne: Ende einer Flucht

Den Ermittlern zufolge gestand Heße abgesehen von der Tötung des neunjährigen Jungen auch den nach seiner Festnahme festgestellten zweiten Mord. Bei diesem Opfer handele es sich um einen 22 Jahre alten Bekannten Heßes. Er sei mit Messerstichen und durch komprimierende Gewalteinwirkung am Hals getötet worden, sagte Staatsanwalt Maibaum.

Auslöser für die erste Tat war demnach Frust über eine Absage bei der Bundeswehr. Dort hatte sich Heße, der über einen Realschulabschluss verfügt, erfolglos beworben .

Bei seiner Vernehmung gab er den Ermittlern zufolge an, er habe sich ursprünglich selbst das Leben nehmen wollen. Nachdem er es zweimal versucht habe, habe er sich entschlossen, einen Mord zu begehen, um ins Gefängnis zu kommen.

Der Aussage des 19-Jährigen zufolge versteckte er sich nach dem Tod des Neunjährigen zunächst in einem Wald und fand dann am Montagabend gegen 20.30 Uhr Unterschlupf bei seinem Bekannten - die beiden kannten sich demnach von einem Berufskolleg und hielten über einen Internetchat Kontakt.

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Als der 22-Jährige am nächsten Tag angekündigt habe, die Polizei einzuschalten, habe Heße ihn getötet und die Wohnung anschließend in Brand gesteckt. Vor dem Mord hätten beide noch gemeinsam gegessen und Computerspiele gespielt.

Der Sprecher der Polizei Dortmund sagte, der hohe Fahndungsdruck sei auch mit Blick auf den Täter erzeugt worden, sodass sich dieser wohl letztlich auch deshalb nach wenigen Tagen gestellt habe. Kerstin Wittmeier vom Polizeipräsidium Bochum sagte, sie habe noch keinen derartigen Fall erlebt, der sie persönlich so stark betroffen gemacht habe.

Im Video: Polizei fasst mutmaßlichen Kindesmörder

Derzeit geht die Polizei nach eigenen Angaben nicht davon aus, dass Heße früher weitere Tötungsdelikte begangen hat. Seine Schuldfähigkeit ist demnach noch unklar.

mxw/sms/dpa/AFP

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