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Panorama

Außerehelicher Geschlechtsverkehr

Niederländerin in Katar meldet Vergewaltigung und wird festgenommen

Eine niederländische Touristin sitzt seit drei Monaten in Katar im Gefängnis. Die Behörden werfen ihr außerehelichen Geschlechtsverkehr vor, nachdem die 22-Jährige eine Vergewaltigung angezeigt hatte.

Sonntag, 12.06.2016   14:14 Uhr

Eine 22-jährige Niederländerin hat in Katar eine Vergewaltigung angezeigt. Nun wird sie nach Angaben ihres Anwalts Brian Lokollo seit Anfang März in Katar festgehalten. Der Vorwurf: außerehelicher Geschlechtsverkehr.

Die Frau sagte aus, dass sie in einem Hotel unter Drogen gesetzt worden sei. Als sie in einer ihr unbekannten Wohnung aufgewacht sei, sei ihr klar geworden, dass sie vergewaltigt worden sei.

Laut Lokollo hatte seine Mandantin in Katar in einem Hotel gewohnt, in dem der Konsum von Alkohol erlaubt ist. "Sie ging tanzen, aber als sie zu ihrem Tisch zurückkam, merkte sie, dass jemand nach ihrem ersten Schluck von ihrem Drink ihr etwas ins Glas getan hatte." Ihr sei daraufhin "sehr unwohl" gewesen. Danach erinnere sie sich erst wieder an den folgenden Morgen.

Der mutmaßliche Vergewaltiger wurde ebenfalls festgenommen. Laut Lokollo sagte er aber aus, der Sex sei einvernehmlich gewesen und die Niederländerin habe sogar Geld dafür von ihm verlangt.

Gerichtsanhörung am Montag

Das niederländische Außenministerium bestätigte die Festnahme der jungen Frau, deren Namen eine Sprecherin mit Laura angab. Sie sei aber nicht angeklagt worden, die Ermittlungen liefen. Am Montag finde eine Gerichtsanhörung statt, bei der hoffentlich entschieden werde, ob die Frau angeklagt werde, sagte Ministeriumssprecherin Daphne Kerremans.

Lauras Mutter sagte im niederländischen Fernsehsender NOS, das Festhalten ihrer Tochter sei "total unmenschlich". Laura versuche manchmal, sie zu trösten und sage, dass sie bald zurückkomme. Andere Male weine ihre Tochter ohne Unterlass, erzählte die Mutter unter Tränen. Demnach war die Reise nach Katar der erste Urlaub der 22-Jährigen ohne ihre Mutter.

In einem anderen Golfstaat, den Vereinigten Arabischen Emiraten, war 2013 eine Norwegerin zu 16 Monaten Haft verurteilt worden, weil sie ihre eigene Vergewaltigung angezeigt hatte. Die Frau wurde am Ende begnadigt.

syd/AFP/dpa

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