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Panorama

Koblenz

Frühere Erzieherinnen schweigen in Misshandlungsprozess

Wegen der mutmaßlichen Misshandlung von Kindern hat in Koblenz der Prozess gegen vier Erzieherinnen begonnen. In einer Dorf-Kita in Antweiler sollen sie ihre Schützlinge geschlagen und eingesperrt haben.

DPA

Die vier angeklagten ehemaligen Erzieherinnen mit ihren Anwälten

Dienstag, 08.05.2018   13:57 Uhr

Im beschaulichen Eifeldorf Antweiler in Rheinland-Pfalz sollen Claudia W., Anna N., Sarah B. und Gisela N. fast zwei Jahre lang Kinder gequält haben. Nun hat am Landgericht Koblenz der Prozess gegen die früheren Erzieherinnen begonnen. Die Staatsanwaltschaft Koblenz wirft ihnen Misshandlung von Schutzbefohlenen, Freiheitsberaubung und Nötigung vor.

Als Erzieherinnen in einer kommunalen Kita sollen sie unruhige Kinder an ihren Stuhl gefesselt oder in zu kleine Hochstühle gequetscht haben. Kinder, die ihr Essen ausgespuckt hätten, sollen in abgedunkelte Räume gesperrt, geschlagen oder anderweitig gezwungen worden sein, das Essen erneut in den Mund zu nehmen und herunterzuschlucken, sagte Staatsanwältin Daniela Knoop-Kosin. Die Frauen sollen den Kindern den Mund zugeklebt haben.

Drei der heute 31, 34, 48 und 55 Jahre alten Frauen sollen für die Übergriffe verantwortlich sein, die sich zwischen Februar 2012 und November 2013 ereignet hätten. Die vierte Frau soll die Taten nicht verhindert haben.

Einstige Kita-Chefin soll Stasi-Vergangenheit haben

Zu Beginn der Verhandlung schwiegen die angeklagten Erzieherinnen. Nur eine Verteidigerin, Sandra Karduck, wies die Vorwürfe gegen ihre Mandantin zurück. Karduck sprach von einer Hexenjagd und einer Kampagne, die eine "bestimmte Person" losgetreten habe. Damit bezog sich die Anwältin offenbar auf eine Mutter. Zudem verwies die Verteidigerin auf frühere Verfahren wegen Kindesmisshandlung, die mit Freisprüchen geendet hätten.

Betroffene Eltern hatten lange auf den Prozess gewartet. Die mutmaßlichen Vorkommnisse in dem Kindergarten waren schon vor rund fünf Jahren bekannt geworden. Gerichtssprecherin Claudia Göbel begründete die lange Verfahrensdauer mit den komplexen Ermittlungen, den aufwendigen Vernehmungen von Kindern und der Überlastung der zunächst zuständigen Strafkammer. Inzwischen hat eine andere Kammer den Fall übernommen - und auch ein aussagepsychologisches Gutachten in Auftrag gegeben.

2015 hatte der damalige Präsident des rheinland-pfälzischen Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung in Mainz, Werner Keggenhoff, mitgeteilt, die einstige Kitaleiterin in Antweiler im oberen Ahrtal habe sich als frühere Stasi-Frau entpuppt. "Man hat ihr aber nicht gekündigt, weil sie Stasimitarbeiterin war, sondern man hat ihr gekündigt, weil sie die Erziehungsmethoden à la Stasi fortgeführt hat."

Bis zum 12. Juli sind 13 Verhandlungstage geplant.

apr/dpa

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