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Panorama

Mordfall Johanna

So kam die Polizei nach 18 Jahren dem mutmaßlichen Täter auf die Spur

Vor 18 Jahren wurde Johanna aus Hessen Opfer eines Sexualmordes, jetzt konnte der mutmaßliche Täter doch noch ermittelt werden - auch, weil ein Abgleich von Fingerabdrücken möglich war.

DPA

Staatsanwalt Thomas Hauburger bei der Pressekonferenz zum Mordfall "Johanna".

Donnerstag, 26.10.2017   13:00 Uhr

Nach der Festnahme eines Tatverdächtigen im Sexualmordfall der achtjährigen Johanna aus Hessen hat die Staatsanwaltschaft Gießen weitere Details zu den Ermittlungen bekannt gegeben. Das Mädchen war vor mehr als 18 Jahren sexuell misshandelt und getötet worden.

Die Ermittler kamen durch einen anderen Missbrauchsfall dem nun festgenommenen Mann auf die Spur. Er sei im August vergangenen Jahres zufällig Passanten bei sexuell motivierten Fesselungsspielen mit einem 14-jährigen Mädchen in einem Maisfeld aufgefallen, sagte Staatsanwalt Thomas Hauburger.

Dies habe umfangreiche Ermittlungen gegen den 41-Jährigen ausgelöst, die nun zu seiner Festnahme geführt hätten. Die Polizei hatte diese gestern in Friedrichsdorf bekannt gegeben. Laut Hauburger war der Tatverdächtige gegenüber dem Haftrichter "überwiegend geständig".

Demnach brachte er das achtjährige Kind am 2. September 1999 in seine Gewalt, legte es in den Kofferraum seines Wagens, nötigte es sexuell und tötete es. Anschließend habe er die Leiche in einem Waldstück abgelegt, wo sie im April 2000 gefunden wurde.

Der 41-Jährige ist laut Staatsanwaltschaft ledig, kinderlos, ohne Beruf und vorbestraft - allerdings wegen Betäubungsmittel- und Verkehrsdelikten. Den Durchbruch in den Ermittlungen brachte ein abgeschnittener und verzerrter Fingerabdruck auf einem Stück Klebeband, mit dem Johanna gefesselt worden war. Er sei identisch gewesen mit dem linken Daumen des Tatverdächtigen, sagte Hauburger.

Der Mann war bereits früher unter den Verdächtigen gewesen, da er das Automodell fuhr, nach dem gefahndet wurde. Damals seien auch Fingerabdrucke genommen worden, aber die Technik sei noch nicht so weit gewesen, um ihn zu überführen. In der Wohnung des Mannes fand die Sonderkommission massenweise Kinderpornografie. Der Leiter der Soko "Johanna", Roland Fritsch, sprach von 17 Millionen Dateien, darunter Hunderte Datenträger und Hunderte Videokassetten.

Die Ermittler hatten auch geprüft, ob es einen Zusammenhang zu ungeklärten Fällen gibt, bei denen Mädchen ermordet oder missbraucht wurden - doch das bestätigte sich nicht. Es gebe derzeit "keine belastbaren Hinweise", dass der Mann für weitere Missbrauchsfälle, Morde oder das Verschwinden von Mädchen verantwortlich ist, sagte der Leiter der Sonderkommission, Roland Fritsch. Es werde nun aber mit Hochdruck weiter ermittelt, um ähnliche unaufgeklärte Fälle in ganz Deutschland zu überprüfen.

bbr/AFP/dpa

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