Schrift:
Ansicht Home:
Panorama

Urteil in München

Hund "schießt" auf Herrchen - Jäger ist Waffe los

Ein Jäger ist am Verwaltungsgericht München mit seiner Klage gegen den Entzug seiner Waffenbesitzkarte gescheitert. Hintergrund des juristischen Streits ist ein kurioser Vorfall in Sachsen.

Dienstag, 19.02.2019   14:19 Uhr

Weil sein Hund auf ihn "geschossen" hat, ist ein Jäger sein Gewehr los. Das Verwaltungsgericht München hat mit seinem Urteil die Klage des Mannes gegen den Entzug seiner Waffenbesitzkarte abgewiesen. Hintergrund ist ein kurioser Vorfall aus dem November 2016 im Jagdrevier des Klägers in der Gemeinde Oßling in Sachsen, wo er eine Fischzucht betreibt.

Damals soll der Hund des Mannes im Auto einen Schuss aus dem Jagdgewehr ausgelöst haben. Der Jäger, der sich gerade mit einer Passantin unterhielt, wurde am Arm verletzt. Das Landratsamt Pfaffenhofen an der Ilm in Bayern, in dessen Zuständigkeitsgebiet der Mann seinen Hauptwohnsitz hat, entzog ihm daraufhin die Waffenbesitzkarte. Auch sein Jagdschein wurde nicht verlängert. Denn Jäger dürfen Waffen nicht schussbereit - also teilweise oder vollständig geladen - in ihrem Auto transportieren.

Das Gericht teilte die Ansicht des Landratsamtes, dass der Kläger nicht zuverlässig genug sei, um eine Schusswaffe zu kaufen oder zu besitzen, "weil anzunehmen ist, dass er mit Waffen oder Munition auch künftig nicht vorsichtig umgehen wird".

"Elementare Pflicht" verletzt

Der Transport einer geladenen Waffe im Auto bedeute immer Gefahr - "was insbesondere für Pirschfahrten gilt", wie das Gericht mitteilte. Denn solche Fahrten führten oft durch unwegsames Gelände, was - ebenso wie die Mitnahme eines Jagdhundes - die Wahrscheinlichkeit erhöhe, dass sich versehentlich ein Schuss löse. Der Jäger habe somit eine "elementare Pflicht" verletzt. "Allein etwas ungewöhnliche oder 'atypische' Umstände vermögen dies nicht zu relativieren oder rechtfertigen."

Nach der mündlichen Verhandlung im Februar hatte der Kläger noch vergeblich versucht, sich mit dem Landratsamt zu einigen. Er kann jetzt aber noch eine Instanz weiterziehen und Berufung beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof beantragen.

Ähnliche Fälle in den USA und Russland

So kurios der Fall auch ist, er ist nicht der einzige seiner Art. Im November vergangenen Jahres wurde bekannt, dass ein 74 Jahre alter Hundebesitzer im US-Bundesstaat Texas von seinem Tier mit einer Flinte angeschossen und verletzt wurde.

Der Mann hatte in der Wüste bei Las Cruces Präriehasen gejagt und wollte mit seinem Pick-up nach Hause fahren, wie die Lokalzeitung "Las Cruces Sun News" berichtete. Die Schusswaffe lag laut dem Bericht geladen auf dem Rücksitz, als sich der Rottweiler-Mischling Charlie mit dem Fuß im Abzug verfing. Der Schuss traf den Mann durch die Lehne des Fahrersitzes in den Rücken. Im Januar 2018 war ein Jäger in Russland ums Leben gekommen, nachdem sein Hund einen Schuss ausgelöst hatte.

(Az.: M 7 K 17.1943)

wit/dpa

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP