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Panorama

Plädoyer

Zschäpe gehörte laut Anwältin nicht zum NSU

Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt seien die einzigen Mitglieder des NSU gewesen, sagte Beate Zschäpes Altverteidigerin Anja Sturm. Die Anwältin appellierte in ihrem Plädoyer an das Gericht, nicht voreingenommen zu urteilen.

DPA

Anja Sturm, Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl

Mittwoch, 13.06.2018   15:54 Uhr

Beate Zschäpe war laut ihrer Verteidigerin Anja Sturm kein Mitglied des "Nationalsozialistischen Untergrunds". Der NSU habe allein aus Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt bestanden, sagte die Anwältin in ihrem Plädoyer vor dem Münchner Oberlandesgericht.

Damit sei der NSU keine terroristische Vereinigung im strafrechtlichen Sinne gewesen, sagte Sturm. Tatsächlich muss eine solche Vereinigung laut Strafgesetzbuch aus mehr als zwei Personen bestehen. Sturm sagte: "Beate Zschäpe hat den NSU weder mitbegründet, noch hat sie sich an ihm beteiligt." Gegen sie könne auch keine Sicherungsverwahrung angeordnet werden. Zschäpe ist im NSU-Prozess die Hauptangeklagte.

Appelle ans Gericht

Sturm appellierte mehrfach direkt an das Gericht, bei der Urteilsfindung in Betracht zu ziehen, "dass es auch anders gewesen sein könnte, als der Generalbundesanwalt meint". "Ich appelliere an Sie, demütig zu sein. Demütig vor der eigenen Subjektivität", sagte Sturm. "Die Frage der Voreingenommenheit hat nichts mit Intelligenz zu tun. Im Gegenteil: Intelligenz ohne das gebotene Maß an Demut vor der eigenen Unkenntnis führt regelmäßig zur Voreingenommenheit."

Zschäpe hatte fast 14 Jahre mit Mundlos und Böhnhardt im Untergrund gelebt. In dieser Zeit sollen die beiden Männer, die sich 2011 nach einem missglückten Banküberfall das Leben nahmen, zehn Menschen ermordet haben, neun davon aus rassistischen Motiven. Die Bundesanwaltschaft hat für Zschäpe lebenslange Haft und Sicherungsverwahrung gefordert.

Sturm gehört zu Zschäpes Altverteidigern, mit denen die Angeklagte seit rund zwei Jahren jeden Kontakt meidet. Sie hat sich ihren Wahlverteidigern Hermann Borchert und Mathias Grasel zugewandt. Diese plädierten auf eine Haftstrafe von unter zehn Jahren. Die Altverteidiger forderten die sofortige Freilassung. Ihrer Ansicht nach leistete Zschäpe keinen Beitrag zu den Taten von Mundlos und Böhnhardt.

Sturm will die Verteidiger-Plädoyers voraussichtlich am Donnerstag beenden. Damit könnte nach mehr als fünf Jahren Prozessdauer in absehbarer Zeit ein Urteil fallen.

Video: Beate Zschäpes unbekannte Seite

Foto: SPIEGEL TV

bbr/dpa

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