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Panorama

NSU-Prozess

Aussteiger entlastet Mitangeklagten Ralf Wohlleben

Ein Zeuge, der das spätere NSU-Trio vor seinem Abtauchen in Jena erlebte, hat den wegen Beihilfe Angeklagten Ralf Wohlleben entlastet. Den Mitangeklagten Holger G. belastet er mit seiner Aussage hingegen.

Mittwoch, 04.03.2015   21:25 Uhr

München - Ein ehemaliger Rechtsextremist, der das spätere NSU-Trio Mitte der Neunzigerjahre in Jena kennenlernte, hat Beate Zschäpe am Mittwoch im NSU-Prozess als "bauernschlau" und "zickig" beschrieben. Er habe sie und ihre beiden mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt 1996 über seinen Bruder André K. kennengelernt, einen der Gründer der rechtsextremen "Kameradschaft Jena".

Als Trio seien sie drei damals für ihn nicht erkennbar gewesen. Sie hätten vielmehr zu einer festen Clique gehört, in der sich neben seinem Bruder auch der wegen Beihilfe angeklagte Ralf Wohlleben bewegte. Die Mitglieder der Clique seien eher gleichberechtigt aufgetreten, so der Zeuge.

Zschäpe steht wegen der Beteiligung an zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen vor Gericht. Zudem sind vier mutmaßliche Unterstützer angeklagt. Der Zeuge hat mit der Szene nach eigener Aussage nichts mehr zu tun. Er gilt auch bei den Nebenklägern als glaubwürdiger Aussteiger.

Er sagte, nach dem Abtauchen der drei hätten Wohlleben und André K. die Führung der "Kameradschaft Jena" übernommen. Gleichzeitig habe sich die Gruppe von der Vorstellung eines gewaltsamen Umsturzes verabschiedet und versucht, ihre politischen Ziele "über den parlamentarischen Weg" durchzusetzen, etwa in der NPD.

Mit dieser Aussage entlastete der Zeuge nach Einschätzung von Nebenklägern vor allem Wohlleben, den die Bundesanwaltschaft für eine "steuernde Zentralfigur" des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) und für einen Planer der Mordserie hält.

Zeuge nennt Holger G. als Vebindungsmann

Wo sich das Trio nach dem Untertauchen 1998 versteckte, habe in Jena niemand gewusst, sagte der Zeuge weiter. Erst zwei Jahre später sei er auf einer Schulungsveranstaltung von der baden-württembergischen NPD-Politikerin Edda Schmidt und einem ihm unbekannten Mann aus Chemnitz angesprochen worden.

Der Mann habe ihm erzählt, Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos seien in Chemnitz. Das habe ihn überrascht, sagte der Zeuge. Er habe bis dahin geglaubt, sie seien im Ausland oder "vom Verfassungsschutz ermordet" worden. Wohllebens Verteidigung beantrage sofort, Edda Schmidt als Zeugin zu laden.

Als Verbindungsmann zwischen der "Kameradschaft Jena" und Neonazi-Netzwerks "Blood and Honour", in Chemnitz, deren Mitglieder das Trio versteckt haben sollen, nannte der Zeuge den als Helfer mitangeklagten Holger G.. Dieser hatte zugegeben, dem Trio Ausweispapiere beschafft zu haben.

Die Vernehmung des sächsischen Verfassungsschutzchefs Gordian Meyer-Plath wurde am Mittwoch erneut verschoben. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl begründete das mit "Terminkollisionen"

sun/dpa

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