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Panorama

Angriffe auf Frauen in Nürnberg

Mutmaßlicher Messerstecher ist vorbestrafter Obdachloser

Ein Wohnungsloser soll in Nürnberg auf mehrere Frauen eingestochen haben. Der Mann hat ein langes Vorstrafenregister. Die Ermittler prüfen, ob er auch in anderen Fällen als Täter in Betracht kommt - bundesweit.

Foto: DPA
Sonntag, 16.12.2018   13:59 Uhr

Im Fall der Messerangriffe auf drei Frauen in Nürnberg hat die Polizei weitere Details über die Festnahme des mutmaßlichen Täters bekannt gegeben. Der in Untersuchungshaft sitzende Mann sei 38 Jahre alt, gebürtiger Thüringer und ohne festen Wohnsitz, hieß es auf einer Pressekonferenz der Ermittler. Inzwischen teilte die Staatsanwaltschaft mit, er sei in Sachsen-Anhalt geboren.

Am Samstag hatte die Polizei die Festnahme des Tatverdächtigen bekanntgegeben. Der Mann soll am Donnerstagabend innerhalb weniger Stunden auf drei Frauen in Nürnberg eingestochen und sie jeweils am Oberkörper schwer verletzt haben. Die Tatorte lagen nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. Die Polizei setzte die 40-köpfige Sonderkommission "Johannis" ein.

Der Verdächtige ist den Ermittlern zufolge vielfach vorbestraft. Er habe sich in den vergangenen Jahren an zahlreichen Orten in der Bundesrepublik aufgehalten, sagte der Leitende Kriminaldirektor Thilo Bachmann, vor allem in Ostdeutschland. Seine letzte Meldeadresse sei in Berlin gewesen, aber nicht mehr gültig.

Zugriff um 9.49 Uhr

Nach eigenen Angaben hielt sich der Mann demzufolge erst seit etwa einer Woche in Nürnberg auf. "Er hat nach bisherigen Erkenntnissen keine festen Ankerpunkte in Nürnberg", sagte Bachmann.

Bislang sei er in der fränkischen Großstadt nur 2005 und 2009 jeweils kurz in Erscheinung getreten, sagte Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke: einmal sei er dort verurteilt worden und ein weiteres Mal polizeilich in Erscheinung getreten. "Im Moment ist uns nicht bekannt, wann er nach Nürnberg kam und wie er nach Nürnberg kam", sagte Polizeipräsident Roman Fertinger.

Zu der Festnahme kam es laut Fertinger bereits am Freitagmorgen um 9.49 Uhr. Beamte hätten ihn ganz in der Nähe der Tatorte kontrolliert, da die Täterbeschreibung der Opfer auf ihn zugetroffen hätte. Er habe ein Messer mit einer 25-Zentimeter-Klinge bei sich gehabt, für das er keine Erklärung gehabt habe.

DPA

Polizeipräsident Roman Fertinger

In Haft kam der Mann demzufolge zunächst wegen eines Diebstahls im Stadtzentrum, weswegen er zwei Stunden vor der ersten Messerattacke am Vortag angezeigt worden war. Er soll versucht haben, in einem Laden ein Käsemesser im Wert von 4,88 Euro zu stehlen. Dabei habe er ein weiteres Messer bei sich gehabt, sagte Polizeipräsident Fertinger, aber nicht die Tatwaffe.

Die Festnahme des Mannes habe man absichtlich erst am Samstagabend bekannt gegeben, sagte Fertinger. Man habe sich erst sicher sein wollen, den Richtigen erwischt zu haben. Das habe im Laufe des Tages ein DNA-Abgleich ergeben: Demnach stimmte das an einem Messer beim Verdächtigen gefundene Blut mit dem Blut der Opfer überein. Damit sei die Sache aus Polizeisicht klar, so Fertinger: "Für uns ist es der Täter". Er sitze wegen des Verdachts in Untersuchungshaft, drei Mordversuche begangen zu haben.

"Ist er für weitere Taten verantwortlich?"

Die Lebensgeschichte des Mannes ist offenbar von Unstetigkeit und Kriminalität geprägt. Der 38-Jährige sei bereits als Minderjähriger mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten, sagte Oberstaatsanwältin Gabriels-Gorsolke; seit dem Jahr 2000 häuften sich demzufolge Verurteilungen nach Erwachsenenstrafrecht.

Insgesamt weist das Vorstrafenregister demnach 18 Einträge auf, Gabriels-Gorsolke sprach von "einem Spaziergang quer durchs Strafgesetzbuch": Raubdelikte, Betrug, Beleidigung, Betäubungsmitteldelikte, bandenmäßiger Diebstahl, Brandstiftung. 2002 sei er wegen Vergewaltigung zu einem Jahr Jugendhaft verurteilt worden.

Die bislang letzte Haftstrafe folgte demzufolge 2015, die jüngste Verurteilung erhielt er im März dieses Jahres. In früheren Jahren habe der Verdächtige zudem unter Führungsaufsicht gestanden, diese habe sich inzwischen jedoch erledigt. Der Verdächtige schweigt bislang. Fertinger zufolge stellt sich nun auch die Frage nach möglichen weiteren Opfern: "Ist dieser Mann für weitere Taten ähnlicher Art bundesweit verantwortlich?"

DPA

Tatort im Nürnberger Stadtteil St. Johannis

Zwei 26 und 34 Jahre alte Frauen schwebten nach den Taten zeitweise in Lebensgefahr. Sie und das dritte Opfer, eine 56 Jahre alte Fußgängerin, mussten notoperiert werden. Die unvermittelten Angriffe trafen laut Polizeipräsident Roman Fertinger,"Menschen, die auf dem Weg nach Hause waren".

Den Ermittlern zufolge waren seit Donnerstag insgesamt etwa 300 Beamte im Einsatz. Der bayerische Innenminister Joachim Hermann zeigte sich erleichtert über den Ermittlungserfolg. "So entsetzt wir waren", sagte der CSU-Politiker, "so erleichtert bin ich jetzt über den raschen Fahndungserfolg".

mxw

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