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Panorama

Parkland in Florida

Mindestens 17 Tote nach Schüssen an Highschool

In einer Schule im US-Bundesstaat Florida hat ein Mann um sich geschossen. Der zuständige Sheriff spricht von 17 Todesopfern. Der Schütze wurde inzwischen gefasst.

AFP
Donnerstag, 15.02.2018   01:18 Uhr

In der Stadt Parkland im US-Bundesstaat Florida hat am Mittwochnachmittag ein Mann mehrere Menschen erschossen. Der Sheriff des Bezirks Broward, Scott Israel, sprach von 17 Todesopfern, darunter seien Schüler und Erwachsene. Mehrere Menschen seien bei dem Vorfall an der Marjory Stoneman Douglas Highschool verletzt worden.

Der mutmaßliche Täter wurde den offiziellen Angaben zufolge rund eine Stunde nach der Tat gefasst. Er habe sich ohne Widerstand festnehmen lassen. Es handle sich um einen 19-Jährigen, der einst selbst Schüler an der Highschool war. Er sei aus disziplinarischen Gründen der Schule verwiesen worden, sagte Israel. Die Sicherheitsbehörden hätten bereits damit begonnen, seine Websites und Beiträge in sozialen Netzwerken zu rastern, dabei gebe es einige "sehr, sehr beunruhigende" Beiträge.

Der Sheriff sagte, er gehe nicht von weiteren Beteiligten aus. Nach seinen Angaben wurden 13 Menschen im Schulgebäude und zwei weitere auf der Straße vor dem Gebäude erschossen. Zwei weitere Menschen seien im Krankenhaus ihren Schussverletzungen erlegen. Der Täter habe große Mengen Munition bei sich gehabt.

Laut Senator Bill Nelson soll der Schütze - den Beschreibungen von Schülern zufolge ein Einzelgänger mit Faible für Schusswaffen und Messer - einen Feueralarm ausgelöst haben. Unter einer Gasmaske geschützt habe er Rauchbomben gezündet und dann das Feuer auf die fliehenden Schüler und Lehrer eröffnet.

Parkland liegt etwa 70 Kilometer nördlich von Miami. Rund 3100 Schüler der Jahrgänge neun bis zwölf besuchen die Marjory Stoneman Douglas Highschool. Knapp 130 Lehrer unterrichten dort.

Die Polizei hatte die Menschen in der 24.000-Einwohner-Stadt aufgerufen, den Bereich um die Schule zu meiden. Per Twitter wandte sie sich zunächst auch an Lehrer und Schüler der Highschool: "Verbarrikadieren Sie sich, bis die Polizei zu Ihnen vordringt."

Eltern durften ihre Kinder inzwischen von der Schule abholen. Einsatzkräfte mehrerer Polizeieinheiten waren im Einsatz. Fernsehbilder zeigten, wie Rettungskräfte Verletzte auf Tragen zu Krankenwagen transportierten.

US-Präsident Donald Trump sprach den Angehörigen der Opfer seine Anteilnahme aus. "Kein Kind, Lehrer oder überhaupt jemand sollte sich jemals in einer amerikanischen Schule gefährdet fühlen", schrieb er auf Twitter.

Erst vor drei Wochen waren in Kentucky zwei Schüler durch Kugeln ums Leben gekommen. "Das passiert nirgendwo sonst, außer in den Vereinigten Staaten", sagte der demokratische Senator Chris Murphy aus Connecticut und sprach von einer "Epidemie von Massentötungen": "Das passiert nicht durch Zufall, nicht durch Unglück, sondern als Konsequenz aus unserer Untätigkeit."

Die US-Demokraten fordern seit langer Zeit schärfere Waffengesetze, um die Vielzahl der schweren Straftaten mit Toten und Verletzen einzudämmen. Allein im laufenden Jahr ereigneten sich in den USA nach Murphys Darstellung bereits 19 Vorkommnisse mit Schusswaffen an Schulen. Die konservativen Republikaner und die Waffenlobby wollen jedoch keinesfalls Einschnitte beim Recht auf Selbstverteidigung auch mit Schusswaffen in Kauf nehmen.

mja/aar/Reuters/dpa/AFP

insgesamt 3 Beiträge
best.lars 15.02.2018
1. United States of Absurdity
Mittlerweile ist es eine traurige Standardmeldung aus den USA. Das Bedauern und das Phrasendreschen wird wieder groß sein. Am Ende ist es wieder nur ein Beleg, wie gefährlich die Waffenlobby und wie korrupt die amerikanische [...]
Mittlerweile ist es eine traurige Standardmeldung aus den USA. Das Bedauern und das Phrasendreschen wird wieder groß sein. Am Ende ist es wieder nur ein Beleg, wie gefährlich die Waffenlobby und wie korrupt die amerikanische Politik ist. Wenn beides nicht durchbrochen wird, wird es so weitergehen.
g.eliot 15.02.2018
2. 19. Schießerei in sechs Wochen
Die 19. Schießerei in US Schulen in sechs Wochen dieses Jahr. Das ist schaurig, das ist unendlich traurig. Es ist unerträglich, dass Politiker nur zusehen oder wie in Obamas Amtszeit, jeden Vorschlag blockieren. Wenn ein [...]
Die 19. Schießerei in US Schulen in sechs Wochen dieses Jahr. Das ist schaurig, das ist unendlich traurig. Es ist unerträglich, dass Politiker nur zusehen oder wie in Obamas Amtszeit, jeden Vorschlag blockieren. Wenn ein ehemaliger psychisch auffälliger Schüler eine semiautomatische Waffe AR-15 besitzt und damit seine ehemaligen Klassenkameraden erschießen will: Was hat das mit dem 2nd Amendment zu tun? Was hat das mit zivilen Freiheiten der Amerikaner zu tun? Viele Amerikaner fühlen sich inzwischen hilflos, frustriert und wütend. Von den konservativen Politikern bzw. den Waffen-Fans kommt nach jeder Schießerei die unsinnige Bemerkung: Es sei pietätlos, jetzt, so kurz nach der Tat, über Waffenkontrollen zu reden, stattdessen sollten die Menschen beten. Welch eine unglaubliche Heuchelei. Und jetzt haben die Amerikaner auch noch einen von der NRA mit zig Millionen gesponserten Waffenlobbyisten als Präsidenten. Einen, der nach dem Orlando Nachtclub Mordanschlag vorschlug, dass das Tragen der Waffen in Bars und Clubs zugelassen werden sollte, damit die (betrunkenen) Gäste sich in solch einer Situation künftig verteidigen könnten. Dieser Vorschlag war sogar für die NRA zu abwegig, und sogar die haben Trumps Vorschlag abgelehnt. Auch hatte Trump in seiner Wahlkampagne sich dafür eingesetzt, dass Schulen nicht mehr zu waffenfreien Zonen gehören sollten. Trumps heutiger Kondolenz-Tweet hat bei mir den Eindruck hinterlassen, als ob das auch jetzt sein Lösungsvorschlag wäre, gemäß seinen Worten im Tweet: "No child, teacher or anyone else should ever feel unsafe in an American school." *** Trump hat unmittelbar nach seinem Amtseintritt die Background Checks psychisch Kranker, die einen gesetzlichen Vormund in Anspruch nehmen müssen, rückgängig gemacht. Trump hat verdecktes Tragen von Waffen innerhalb der USA staatsübergreifend zugelassen. Dieses Gesetz wurde im Dezember 2017 verabschiedet. Von ihm ist nicht zu erwarten.
hevopi 15.02.2018
3. Unglaubwürdig,
dass die Amerikaner langsam begreifen: Es kann so mit der "freien" Waffenpolitik mit immer mehr Morden so weitergehen.
dass die Amerikaner langsam begreifen: Es kann so mit der "freien" Waffenpolitik mit immer mehr Morden so weitergehen.
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