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Panorama

Tötungsdelikt in Chemnitz

Zweiter Verdächtiger verlangt Ende seiner Haft

Zwei Männer sitzen in Untersuchungshaft, weil sie verdächtigt werden, in Chemnitz einen 35-Jährigen erstochen zu haben. Nun fordert auch der zweite seine Freilassung: Für den Tatverdacht gebe es keine Belege.

DPA

Tatort in Chemnitz (Archivfoto)

Freitag, 14.09.2018   17:27 Uhr

In Chemnitz wird am 26. August ein 35 Jahre alter Mann erstochen. Tatverdächtig sind drei Asylbewerber. Zwei Männer sitzen in Untersuchungshaft. Jetzt, knapp drei Wochen nach der Tat, verlangen die beiden ihre Freilassung.

Sie haben über ihre Anwälte Anträge auf Prüfung ihrer Untersuchungshaft gestellt, wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Chemnitz, Ingrid Burghart, sagte. Die Prüfungstermine beim Amtsgericht seien kommende Woche.

Bereits am Donnerstag war der Prüfungsantrag für Yousif A. bekannt geworden. Nach der Bestätigung der Staatsanwaltschaft ist nun klar, dass auch der zweite Verdächtige so einen Antrag gestellt hat.

Anwalt: Tatverdacht lässt sich nicht belegen

Strafverteidiger Ulrich Dost-Roxin, der Anwalt von Yousif A., sagte, dass sich ein Tatverdacht gegen seinen Mandaten nicht belegen lasse. Die Beweislast in dem Haftbefehl sei "gleich null". Der Mann bestreite, an der Attacke beteiligt gewesen zu sein. Er habe einige Meter abseits gestanden. Das belege auch eine Zeugenaussage.

Dost-Roxin erhob in einer Erklärung Vorwürfe gegen die sächsischen Behörden. Er habe "Grund zu der Annahme, dass sowohl die Staatsanwaltschaft als auch das Amtsgericht Chemnitz wider besseres Wissen und somit vorsätzlich meinen Mandanten seiner Freiheit beraubten und noch berauben". Die Gewalttat, der sie verdächtigt werden, hatte zu Demonstrationen und teils rassistischen Übergriffen in Chemnitz geführt.

Die Staatsanwaltschaft Chemnitz hatte unmittelbar nach der Attacke Haftbefehle gegen Yousif A. und einen 23-jährigen Mann beantragt. Sie sollen aus dem Irak und Syrien stammen, allerdings gibt es Zweifel an ihrer Identität. Nach einem weiteren 22 Jahre alten mutmaßlichen Iraker wird gefahndet. Der Vorwurf lautet auf gemeinschaftlichen Totschlag.

Verlauf der Messerattacke weiter unklar

Zum Hergang der tödlichen Attacke am Rande des Stadtfests machen die Behörden bislang keine genauen Angaben. Es soll einen Streit gegeben haben, der in den Messerstichen gipfelte. Ein weiterer Mann wurde mit einem Stich in den Rücken schwer verletzt.

Foto: SPIEGEL TV

Laut Dost-Roxin wurde die mutmaßliche Tatwaffe, ein größeres Klappmesser, von der Polizei gefunden. Daran seien Blutspuren des Getöteten und des Schwerverletzten gewesen. Fingerabdrücke oder andere verwertbare Spuren seines Mandanten seien an dem Messer dagegen nicht gefunden worden, sagte der Anwalt.

Wegen der "prekären Sicherheitslage in Sachsen" beantragte der Anwalt überdies Personenschutz für seinen Mandanten für die Zeit nach dessen Freilassung. Für diesen Abend hat das rechtspopulistische Bündnis pro Chemnitz erneut zu einer Demonstration aufgerufen.

mamk/dpa

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