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Panorama

"Capital Gazette" in Annapolis

Schüsse in US-Zeitungsredaktion - fünf Tote

Ein Mann hat in der Redaktion einer Lokalzeitung im US-Bundesstaat Maryland das Feuer eröffnet. Mindestens fünf Menschen starben, weitere Personen wurden verletzt. Die Polizei nahm einen Tatverdächtigen fest.

AP
Freitag, 29.06.2018   00:48 Uhr

In der Redaktion der Lokalzeitung "Capital Gazette" in Annapolis sind am Donnerstag mindestens fünf Menschen erschossen worden. Mehrere Personen wurden zudem verletzt, die genaue Zahl ist bisher nicht bekannt. Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus. Er sei festgenommen worden und werde derzeit vernommen, sagte Polizeichef Bill Krampf. Es handele sich um einen erwachsenen Mann Ende 30, der aus der Region stamme.

Er habe den Angriff gezielt vorbereitet, sagte Krampf. Unter anderem habe er eine Schusswaffe mit langem Lauf bei sich gehabt, dazu Flüssigkeiten, die Rauch auslösten.

"Capital Gazette"-Reporter Phil Davis schrieb auf Twitter, ein Bewaffneter habe "durch die Glastür ins Büro geschossen und das Feuer auf mehrere Mitarbeiter eröffnet". In einem weiteren Tweet schrieb er: "Es gibt nichts Erschreckenderes, als zu hören, wie mehrere Menschen erschossen werden, während man unter seinem Schreibtisch hockt und hört, wie der Schütze nachlädt." Ein weiterer Mitarbeiter der Zeitung, der sich während der Schießerei nicht im Büro befand, twitterte Bilder vom Polizeieinsatz.

Die Polizei sei extrem schnell, binnen 60 Sekunden, am Ort des Geschehens gewesen, sagte Steve Schuh von der Bezirksregierung des Anne Arundel County. "Die Beamten haben enormen Mut bewiesen und sind sofort ins Gebäude gegangen", sagte er. Dies habe Schlimmeres verhindert.

Die US-Bundespolizei betrachtet die Schüsse als lokales Ereignis. Dies deutet darauf hin, dass die Ermittler zunächst nicht von einem politischen Hintergrund ausgehen. In einer Pressekonferenz gab die Polizei an, vor langen und detailreichen Ermittlungen zu stehen. Als Vorsichtsmaßnahme seien Sicherheitskräfte vor andere Medienhäuser in Baltimore und New York City gestellt worden, sagte ein Polizeisprecher. Es bestehe aber keine aktive Bedrohung.

Die "Capital Gazette" zählt zu den ältesten Tageszeitungen in den USA. Sie ist das Lokalblatt für die Region und gehört zur Gruppe der "Baltimore Sun". Wie die Polizei in der Nacht zu Freitag mitteilte, gab es in sozialen Netzwerken zuletzt Drohungen gegen die Zeitung. Details zu Inhalt und Urheber nannte Polizeichef Krampf nicht. Der US-Sender NBC berichtete, der Tatverdächtige habe vor Jahren einen Rechtsstreit gegen das Blatt verloren.

Annapolis mit seinen 40.000 Einwohnern ist die Hauptstadt des Bundesstaates Maryland und liegt unweit der US-Hauptstadt Washington. Annapolis ist wegen seiner Lage an der Chesapeake Bay und seiner historischen Innenstadt aus dem 18. Jahrhundert bei Touristen beliebt.

Die Zeitungsredaktion befindet sich in einem vierstöckigen Bürogebäude in der Stadt. Die Polizei räumte nach Medienberichten das Gebäude und rief die Bevölkerung auf, sich fernzuhalten. Spezialkräfte suchten nach möglichen Sprengsätzen. Die Gegend wurde weiträumig abgesperrt.

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Fotostrecke: Schüsse in der "Capital Gazette"

US- Präsident Donald Trump drückte den Opfern und ihren Angehörigen via Twitter sein Mitgefühl aus. Er dankte Polizei und Rettungskräften für ihren Einsatz. Demokratin Nancy Pelosi forderte den Kongress auf, "Maßnahmen zu ergreifen, um die Tragödie der Waffengewalt zu verhindern".

Der Gouverneur des Bundesstaates Maryland, Larry Hogan, zeigte sich betroffen. "Ich war völlig bestürzt, als ich von dieser Tragödie in Annapolis erfuhr", schrieb er auf Twitter. "Bitte achten Sie auf alle Warnungen und halten Sie sich von dem Gebiet fern."

In den vergangenen Monaten hatte es in den USA zahlreiche tödliche Schießereien gegeben. Sie hatten die Debatte über Verschärfungen des US-Waffenrechts angeheizt. Trump unterstützt in dieser Debatte die mächtige Waffenlobby NRA.

lie/aar/AFP/dpa/Reuters

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