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Panorama

Verhunztes Diana-Porträt

Schwarze Zähne, schiefe Augen, graue Zotteln

Es war doch nur gut gemeint: Die Bewohner von Chesterfield wollten mit einem Blumen-Porträt an Prinzessin Diana erinnern. Doch wenn man genauer hinsieht...

Bulls Press/ SWNS

Collage von Prinzessin Diana auf dem Marktplatz von Chesterfield

Mittwoch, 13.09.2017   10:58 Uhr

Ein bisschen grimmig sieht sie schon aus: Die Lippen hellrosa, die Zähne eher schwarz-grau. Ein großes und ein kleines Auge, die Haare ein Wust aus grauen Zotteln, das rechte Ohr seltsam nach vorn geknickt.

Ein Porträt von Prinzessin Diana sorgt derzeit im Vereinigten Königreich für Empörung. Gerade wurde ihr 20. Todestag gefeiert. Fans auf der ganzen Welt gedachten der "Prinzessin der Herzen", die am 31. August 1997 bei einem Autounfall in Paris ums Leben gekommen ist. Prinz William und sein Bruder Harry trauerten in einem eigens für ihre Mutter entworfenen Garten im Kensington Palace.

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Diana: William und Harry gedenken ihrer Mutter zum 20. Todestag

Und auch die englische Stadt Chesterfield wollten einen Beitrag leisten.

Sie beauftragte 14 Freiwillige damit, aus Gräsern, Blättern und Samen ein Bildnis der Verstorbenen anzufertigen, das dann auf dem Marktplatz ausgestellt werden sollte. 120 Stunden bastelten die Beteiligten an dem Kunstwerk. Doch die Reaktion auf das Porträt war alles andere als positiv.

"Ich erinnere mich nicht, dass sie einen Schlaganfall erlitten hat", schreibt ein Facebook-User, der das Bild auf der Seite des Gemeinderats entdeckt hatte. "Diana nach zehn Pints und einer Runde Botox", mokierte sich ein weiterer. Das Abbild erinnere irgendwie an die Dragqueen Lily Savage, unkten Beobachter. Andere übten sich in Sozialkritik: "Unsere Läden machen zu, unsere Marktstände sind leer, wir haben Obdachlose auf dem Busbahnhof, unser Fußballteam ist Mist - und nun das", kommentierte ein User.

Jill McKechnie schrieb stellvertretend für viele: "Das ist schrecklich, wer immer entschieden hat, dass dies ein passender Beitrag ist, sollte sich schämen." Einige Bewohner forderten, aus Respekt vor der Prinzessin von Wales das Blumenporträt zu entfernen. Doch das wird nicht geschehen.

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Diana: Die "Prinzessin der Herzen"

Der Chesterfield Borough Council verwahrte sich gegen die ätzende Kritik - und freute sich offenbar über den PR-Effekt. Man habe sich einer alten Tradition bedient und aus natürlichen Materialien das Bild gefertigt. Verarbeitet wurden demnach: Chrysanthemen, Nelken, Kamille, Petersilie, Eierschalen, Blätter, Grassamen und Vogelbeeren.

"Kunst soll nun mal zur Diskussion anregen, und das ist in diesem Jahr gelungen", sagte ein Sprecher des Stadtrats. "Das Bild soll Besucher in unsere Gegend locken, und wenn die Publicity mehr Leute dazu ermuntert, zu kommen und sich den Markt und die örtlichen Geschäfte anzusehen, dann kann das nur gut sein für Chesterfield."

Bis Samstag werden die Bewohner der Stadt das Porträt noch erdulden müssen.

ala

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