25.05.2011
Obamas im Buckingham Palace
Michelles Mode-Diplomatie
London - Seit knapp 60 Jahren ist Queen Elizabeth II. im Amt - in dieser Zeit hat sie fast ein Dutzend US-Präsidenten kommen und gehen sehen. Besonders herzlich empfing sie am Dienstag Barack Obama und seine Frau Michelle.
41 Salutschüsse und Marschmusik schallten dem Präsidentenpaar vor dem Londoner Buckingham Palast entgegen. Zur Begrüßung angetreten waren die Queen und ihr Mann Prinz Philip, Thronfolger Prinz Charles und seine Gattin Camilla. Auch das frisch vermählte und gerade aus den Flitterwochen zurückgekehrte Ehepaar Prinz William und Kate traf mit den Obamas zusammen, allerdings hinter verschlossenen Türen.
Am Abend dann stand das große Bankett im Palast an. "Swellegant" sei dies gewesen, trompetete die "Daily Mail" am Mittwoch - eine Mischung aus bombig und elegant sozusagen.
Neben der königlichen Familie waren zahlreiche Prominente gekommen, darunter die Schauspieler Helena Bonham Carter, Tom Hanks und Kevin Spacey sowie Regisseur Tim Burton. Man sonnte sich in der aristokratischen Gesellschaft und genoss geröstete Kartoffeln und Lamm. Neben Premierminister David Cameron durften auch dessen Vorgänger Gordon Brown, Tony Blair und John Major an der Tafel Platz nehmen.
Michelle Obama begeisterte die Briten erwartungsgemäß mit ihren geschmackvollen Outfits: diskretes nachtblaues Kostüm zur Ankunft, peppermintfarbenes Petticoatkleid mit Blumenornamenten und pinkfarbenem Bolerojäckchen am Nachmittag.
In den britischen Medien war wild spekuliert worden, für welche Abendrobe sich die First Lady entscheiden würde - sie kam ganz in Weiß in einem sehr schlichten Gewand von Tom Ford, das der "Guardian" lobte, weil es "Stil und Substanz" in den Palast brachte.
Auch die Queen war in einem cremefarbenen langen Kleid mit Swarowski-Kristallen erschienen. Mode-Experte Hal Rubenstein vom Magazin "InStyle" pries das diplomatische Geschick der First Lady bei der Wahl ihrer Garderobe: "Ein figurbetontes Kleid, aber ohne Dekolleté, sehr respekt- und geschmackvoll."
Die Nacht verbrachten die Obamas in einer prachtvollen Suite im Buckingham Palast. Diese ist für Staatsgäste reserviert, William und Kate hatten darin ihre Hochzeitsnacht verbracht. Am heutigen Mittwoch wird Michelle Obama nach Oxford reisen, um mit Schülerinnen des Elizabeth Garrett Anderson Language Colleges zu sprechen, das sie seit ihrem ersten Besuch im Jahr 2009 unterstützt.
Bilaterale Beziehung "erprobt und geprüft"
Beim Essen beschworen der US-Präsident und die Queen die besondere Qualität der Beziehung ihrer Länder zueinander: Sie glaube fest daran, dass Briten, Amerikaner und andere "wohlwollende Menschen in der Welt" sicherer leben und ihren Wohlstand vergrößern könnten, wenn die USA und Großbritannien weiterhin zusammenhalten, betonte die britische Königin am Dienstagabend. Die Verbindung zwischen den Ländern sei "erprobt und geprüft".
Obama bedankte sich für die "Solidarität", die Großbritannien seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York gezeigt habe. Außerdem lobte er das britische Militär, das "seit Jahrzehnten Schulter an Schulter mit den USA" stehe.
Am Dienstagnachmittag hatte Obama zunächst den Regierungssitz Downing Street 10 besucht und später - zusammen mit Premier David Cameron - Tischtennis gespielt. Die Ehefrauen Michelle und Samantha gaben derweil ein Grillfest für die Familien von Soldaten.
Am Mittwoch soll Schluss sein mit den handzahmen Vergnügungen: Obama soll vor beiden Kammern des britischen Parlamentes sprechen. Die Rede in der Westminster Hall gilt im Weißen Haus als eine der wichtigsten Stationen auf Obamas sechstägiger Europareise.
Im Vorfeld betonte David Cameron die Gemeinsamkeiten: In einem Beitrag in der Zeitung "The Times" sprachen beide Politiker von "immensen ökonomischen, sozialen und strategischen Herausforderungen", denen beide Länder gegenüberstünden. Sie beschrieben die Beziehung als "natürliche Partnerschaft", die sowohl für die Länder als auch die ganze Welt "essentiell" sei.
Mit Blick auf den Krieg in Libyen gegen das Regime von Muammar al-Gaddafi betonte man das gemeinsam Erreichte. "Wir haben seine Kriegsmaschine geschwächt und eine humanitäre Katastrophe verhindert", heißt es in dem Text. "Und wir werden fortfahren, die Uno-Resolutionen gemeinsam mit unseren Verbündeten durchzusetzen, bis sie vollständig erfüllt sind."
ala/dpa

