31.01.2012
Mike Tyson in Wrestling-Ruhmeshalle
Irrlichtern nach Plan
Hamburg - Die Geschichte von Mike Tyson ist die Geschichte eines Boxers, der an sich selbst gescheitert ist. Statt als schlaggewaltiger Champion bleibt er als Mann in Erinnerung, der wegen Vergewaltigung ins Gefängnis musste, der Hunderte Millionen verprasste, der seinem Gegner Evander Holyfield ins Ohr biss und sich selbst demontierte. "Ich hätte der Größte werden können, aber ich habe es versaut", sagte Tyson unlängst in einem Interview mit dem SPIEGEL.
Tysons Kämpfe waren bis zuletzt eine große Show und wahrscheinlich qualifizierte ihn auch das für einen Abstecher in die Welt der echten Showkämpfe: das Wrestling. Während seiner Sperre nach dem Biss gegen Holyfield hatte Tyson 1998 seinen ersten Gastauftritt in der Organisation World Wrestling Entertainment (WWE), die damals noch World Wrestling Federation (WWF) hieß. Weitere Auftritte sollten nach der Jahrtausendwende folgen.
Im Wrestling werden den Athleten ihre Rollen ebenso vorgegeben wie der Ausgang der Gefechte. Auf diese Weise konnte "Iron Mike" sogar nach Plan irrlichtern und Dinge tun, die niemand von ihm erwartete - zum Beispiel den eigenen Partner in einem Team-Match umhauen.
Für einen Platz in der Ruhmeshalle scheint das schon zu reichen: Wie die WWE nun mitteilte, wird Mike Tyson in die Hall of Fame des Wrestling-Veranstalters aufgenommen.
"Ich war der jüngste Schwergewichtsweltmeister in der Geschichte, aber am meisten Spaß im Ring hatte ich in der WWE", sagte Tyson. Der 45-Jährige soll in einer Zeremonie am 31. März offiziell in die Ruhmeshalle aufgenommen werden, berichtet ESPN.
Tyson lebt heute mit seiner dritten Ehefrau in einem großen Anwesen bei Las Vegas. Nach eigenen Angaben steht er jede Nacht früh auf, um zu trainieren. Er isst vegan, trinkt keinen Alkohol, nimmt keine Drogen. "Ich bin ein besserer Mensch geworden", sagte er dem SPIEGEL. "Wissen Sie, ich bin nicht Mutter Teresa, aber Charles Manson bin ich auch nicht."
Zuletzt trat Tyson in dem Hollywood-Schlager "Hangover II" auf - er spielte sich selbst. Und im Fernsehen war er in einer Doku zu sehen, die sich seiner großen Leidenschaft widmete: dem Taubenzüchten.
hut

