20.05.2012
Transsexuelle bei "Miss Universe Canada"
Gescheitert und doch gewonnen
Toronto - Sie hatte wochenlang für den Auftritt im Wettbewerb gekämpft - und hat verloren: Jenna Talackova, 23, ist bei der Wahl zur "Miss Universe Canada" ausgeschieden.
Eigentlich hätte sie bei dem Schönheitswettbewerb gar nicht mitlaufen sollen. Denn Jenna Talackova kam als Walter zur Welt. Allerdings habe sie sich immer im falschen Körper gefühlt, mit 14 begann sie mit einer Hormontherapie, vor vier Jahren unterzog sie sich einer Geschlechtsumwandlung. Sie war bereits im Finale zur "Miss Vancouver", sollte dann aber beim nationalen Wettbewerb ausgeschlossen werden. Der Grund: Sie habe bei der Bewerbung falsche Angaben zu ihrem Geschlecht gemacht.
Allerdings wird in den Bewerbungsunterlagen nicht nach möglichen Geschlechtsumwandlungen gefragt. Voraussetzungen für eine Teilnahme an der Wahl zur "Miss Universe Kanada" sind laut Website der Veranstalter lediglich, dass die Frauen die kanadische Staatsbürgerschaft haben und zwischen 18 und 27 Jahre alt sind.
Als der drohende Ausschluss bekannt wurde formierte sich eine Unterstützerbewegung für Talackova. Zehntausende unterschrieben eine Online-Petition bei Change.org und hatten Erfolg: Sie durfte antreten - das gilt auch für künftige transsexuelle Kandidatinnen.
"Für uns ist sie eine Gewinnerin"
Bei dem Wettbewerb trat sie gegen 62 Kanadierinnen an, schritt im weißen Abendkleid über den Laufstieg, im knappen roten Kleidchen und in einem weißen Bikini. Dabei überragte sie viele ihrer Konkurrentinnen um fast zwei Köpfe und schaffte es immerhin unter die besten zwölf.
Die 26-jährige Sahar Biniaz, wie Jenna Talackova aus Vancouver, gewann zwar den Wettbewerb und wird Kanada bei der Wahl zur "Miss Universe 2012" im Dezember vertreten. Aber Jenna Talackovas Anwältin Gloria Allred sagte: "Ich denke, sie ist immer noch eine Gewinnerin." Jenna Talackova habe schließlich einen bedeutenden Erfolg für die Bürgerrechte errungen und dieser Erfolg sei wesentlich wichtiger als jeder andere Sieg, den sie hätte gewinnen können.
Ähnlich sieht es Susan Gapka, Vorsitzende von Torontos Trans Lobby Gruppe: Jenna Talackova habe der transsexuellen Community geholfen, sagte sie der kanadischen Zeitung "Toronto Star". "In unseren Augen ist sie eine Gewinnerin - als Frau, als Trans, als Aktivist und als Schönheitskönigin."
fln/dpa/AP

