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26.11.2012
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Carla Bruni, die Bürgerliche

"Wir müssen keine Feministinnen mehr sein"

REUTERS

Auf dem Cover des Magazins "Vogue" präsentiert sich Carla Bruni-Sarkozy mit wehendem Haar und Ponyfrisur, die Augen so blau wie ihr Jeanshemd, die Haut so glatt wie bei einer 20-Jährigen. Jugendlich irgendwie - dabei sind ihre neuesten Ansichten in Sachen Emanzipation ein uralter Zopf.

Paris - Anfang Mai übergab Nicolas Sarkozy das französische Präsidentenamt an den Sozialisten François Hollande. Bis zu diesem Moment hatte Carla Bruni-Sarkozy ihre Aufgabe als Première Dame allen Unkenrufen zum Trotz durchaus passabel ausgefüllt. Angesichts der umtriebigen Jugend der Sängerin, ihren zahlreichen Affären mit Rock-Größen und Schauspielern, dem expliziten Widerwillen gegen monogame Verhältnisse sowie kursierenden Aktfotos hatte man mit dem Schlimmsten gerechnet.

Das Schlimmste allerdings offenbart sich erst jetzt. Nämlich die Wandlung der Chansonette zur reaktionären Anti-Feministin. Glaubt man einem Bericht des britischen "Telegraph", so lobt Bruni in einem Anfang Dezember erscheinenden Interview mit der "Vogue" zwar die Wegbereiterinnen der Frauenbewegung. Sie hält diese selbst aber offenbar für überholt.

"In meiner Generation müssen wir keine Feministinnen mehr sein", tönte die 44-Jährige und geriert sich als Neo-Bourgeoise: "Ich bin überhaupt keine militante Feministin. Im Gegenteil, ich bin bürgerlich. Ich liebe das Familienleben, ich liebe es, jeden Tag das Gleiche zu tun." Demnach sei der Platz einer Frau zu Hause bei ihren Kindern. So sehr gefällt Bruni-Sarkozy ihr neues Biedermeiertum, dass sie selbst persönliche Rückfälle in Kauf nimmt. Trotz acht Jahren Psychoanalyse sei sie ihrer Mutter "in einigen Dingen sehr ähnlich geworden", stellt sie fest.

Mit Sarkozy hat die Sängerin eine gemeinsame Tochter, Giulia, die 2011 zur Welt kam. Der elfjährige Sohn Aurélien stammt aus der Beziehung mit dem Philosophen Raphael Enthoven.

Bruni-Sarkozy - Tochter wohlhabender italienischer Industrieller, einst gut verdienendes Model und noch besser verdienende Sängerin - mag es sich in ihrem Luxus-Ambiente kuschelig eingerichtet haben. Dennoch mag auch sie offenbar kein Schattendasein als Heimchen am Herd führen. Seit der Gatte seinen Job als Präsident los ist und in Verbindung gebracht wurde mit Betrugsskandalen, arbeitet Bruni sich beharrlich ins Scheinwerferlicht zurück: Sie macht Werbung für Kopfhörer, lässt sich für Magazin-Cover ablichten und im Februar kommt ihr neues Album auf den Markt.

Während sie viele der konservativen Standpunkte ihres Gatten übernommen zu haben scheint, erklärt Bruni doch im Interview, dass sie zumindest bei der Frage um Eheschließungen unter gleichgeschlechtlichen Partnern anderer Meinung ist als ihr Mann. Demnach befürwortet sie diese ausdrücklich.

ala

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