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29.12.2012
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Ex-Sänger der Böhsen Onkelz plant Comeback

Keine Drogen, aber Rock'n'Roll

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DPA

Erst verursachte er einen Autounfall unter Drogeneinfluss und flüchtete, dann wollte er die Strafe wegen seines Gesundheitszustands nicht antreten: Doch der Knast hat Ex-Böhse-Onkelz-Sänger Kevin Russel wohl gutgetan. Bei seinem ersten Auftritt nach der Haft erwartet Fans eine kleine Revolution.

Der frühere Sänger der Frankfurter Band Böhse Onkelz, Kevin Russell, steht nach Haft und Drogentherapie mit neuer Band wieder auf der Bühne. Das Konzert ist für den 9. März in Geiselwind geplant, wie der Musiker auf seiner Homepage mitteilte.

Der Rocksänger war 2010 nach einem Verkehrsunfall mit zwei lebensgefährlich Verletzten wegen Körperverletzung und Unfallflucht zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden.

In der Silvesternacht 2009 war Russell mit seinem Audi R8 über die Autobahn von Wiesbaden nach Frankfurt gerast. Bei einer Geschwindigkeit von 232 Kilometern pro Stunde verursachte er unter Drogeneinfluss einen heftigen Auffahrunfall und flüchtete danach über die Felder. Zwei junge Männer wurden schwer verletzt: Ein 19-Jähriger erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und hat seit dem Unfall mit Gedächtnisstörungen zu kämpfen. Sein Beifahrer verlor drei Finger, das Gesicht wurde durch Brandwunden teilweise entstellt.

Endlich rauschmittelfrei!

Der von Alkohol, Drogen und einer Hepatitis-Erkrankung gezeichnete Russell hatte sich erst geweigert, seine Haftstrafe anzutreten. Sein Anwalt hatte unter Hinweis auf den Gesundheitszustand Russells Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt. Der "Bild"-Zeitung sagte er damals: "Er würde in Hünfeld nicht überleben. Die medizinische Versorgung dort ist nicht entsprechend. Deswegen haben wir vorm Oberlandesgericht Beschwerde eingelegt." Selbst die Oberstaatsanwältin räumte ein: "Er sieht wirklich sehr, sehr krank aus."

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main war anderer Meinung und schickte den früheren Böhse-Onkelz-Sänger hinter Gitter. Es gebe keine Anzeichen, dass sich sein Gesundheitszustand im Gefängnis verschlechtern könne, teilte das OLG damals mit.

Eine Einschätzung, die offensichtlich richtig war, denn den Worten des Sängers nach zu urteilen, ist er im Knast tatsächlich eher aufgeblüht denn eingegangen. Auf seiner Facebook-Seite schreibt Russell, die Zuschauer erwarte sein "allererster rauschmittelfreier Solo-Auftritt mit eigener Band". In seinem Blog verkündet Russell außerdem: "Rock'n'Roll war und ist mein Leben und ich fühle mich, einer Obsession gleich, innerlich dazu angetrieben, meinen Arsch wieder auf die Bühne zu wuchten!"

Er werde mitnichten nur das "klassische Onkelz-Programm" präsentieren: "Obwohl fast keine Scheibe der letzten 30 Jahre fehlt, sind es speziell Lieder, die mir persönlich sehr und euch mit Sicherheit auch am 'Muckerherzchen' liegen", schrieb er. 70 Prozent der Songs seien noch nie live gespielt worden und würden nun mit zwei Gitarristen "endlich auf der Bühne offenbar werden".

mhe/dapd

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