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19.01.2013
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Footballstar Manti Te'o

Erklärung des Unerkärlichen

AFP

Manti Te'o, eines der größten Football-Talente der USA, trauerte um seine Freundin. Dann stellte sich heraus: Die Frau existierte gar nicht. In einem Interview versuchte der 22-Jährige nun, den Vorfall zu erklären. Eine Rolle dabei spielte angeblich sein Vater.

Hamburg - Erst litt die Nation mit ihm, jetzt buhlt er um ihr Verständnis: Football-Nachwuchsstar Manti Te'o hat sich nach der Enthüllung seines merkwürdigen Privatlebens erstmals in einem zweieinhalbstündigen Interview mit dem Sportsender ESPN zu der Beziehung mit seiner angeblichen Freundin Lennay Kekua geäußert. Der 22-Jährige soll jahrelang mit dieser Frau liiert gewesen sein, die er jedoch nie zu Gesicht bekam - und die gar nicht existierte. Im Internet ist er längst zum Gespött geworden.

An dem Tag, an dem Manti Te'o seine Großmutter verlor, soll auch Lennay Kekua an Leukämie gestorben sein. Dennoch führte der 22 Jahre alte Te'o drei Tage später das College-Team der traditionsreichen Universität Notre Dame aus dem US-Bundesstaat Indiana mit einer überragenden Leistung zum 20:3-Sieg gegen Michigan State. Die Amerikaner konstruierten eine Heldengeschichte. Welche Tragik, die einem der größten Talente im millionenschweren amerikanischen College-Football mit diesem doppelten Schicksalsschlag widerfahren war - und trotzdem hatte er eine einzigartige Kraft entwickelt.

Dann der Schock: Die Webseite deadspin.com deckte auf, dass es von Kekua weder Dokumente bei der Sozialversicherung noch Todesanzeigen oder Nachrufe gibt. An der Universität Stanford soll sie ihren Abschluss gemacht haben, doch dort sei eine Lennay Kekua nie eingeschrieben gewesen. Die Freundin existierte also gar nicht, Lennay Kekua war lediglich ein Online-Profil. Te'o steht nun im Verdacht, der Öffentlichkeit eine Lügengeschichte aufgetischt zu haben, um seine Reputation und nicht zuletzt seine Profikarriere aufzupolieren.

In dem ESPN-Interview räumte Te'o erneut ein, er habe die Frau nur online getroffen, persönlich sei er ihr nie begegnet. Immer, wenn er versucht habe, sie per Skype oder Video-Chat-Konferenz zu erreichen, sei die Verbindung nicht zustande gekommen. Nächtelang habe er jedoch mit ihr über ihre Leukämieerkrankung gesprochen, hatte Te'o der "Sports Illustrated" nach dem vermeintlichen Todesfall erzählt.

Sie lag im Koma, er ging zur Schule

Er habe nichts von dem Fake gewusst, beteuerte der 22-Jährige im Gespräch mit dem ESPN-Reporter Jeremy Schaap. Er habe seinem Vater eine Lüge aufgetischt, wie er Lennay Kekua kennengelernt habe - und schließlich habe er auch alle anderen in seinem Umfeld angeflunkert.

Als er hörte, dass Lennay Kekua verstorben sei, habe er sich nicht getraut, der Öffentlichkeit zu gestehen, dass er ihr in Wahrheit noch nie persönlich begegnet war. Er habe die Geschichte aufrechterhalten müssen, da er auch seinen Vater angelogen habe. So hatte "USA Today" berichtet, dass Te'o darüber gesprochen hatte, wie er sie 2009 getroffen und ihre Hand gehalten habe. In dem Interview mit ESPN sagte er nun, natürlich habe er gewusst, dass es verrückt klinge, dass er seine Freundin nie gesehen hat.

Verrückt - das ist in diesem Fall noch charmant ausgedrückt. Denn Te'o betont einerseits, dass die Beziehung keinesfalls vier Jahre am Stück gedauert habe. Es habe durchaus Zeiten und Phasen gegeben, in denen sie gar keinen Kontakt gehabt hätten. Aber er habe ihr dennoch eine Schulter zum Anlehnen angeboten, so zum Beispiel, als sie ihm erzählt habe, ihr Vater sei gestorben.

"Denk daran: Ich liebe dich"

Andererseits erzählt er selbst, dass seine angebliche Freundin im April vergangenen Jahres nach einem Autounfall für einen Monat im Koma gelegen habe. Einen Anlauf, sie im Krankenhaus zu besuchen, habe er jedoch nicht unternommen. "Es kam mir nie in den Sinn", sagte Te'o. Er wisse nicht, warum. "Ich ging zur Schule."

Dann kam der 12. September, der Tag, an dem seine Großmutter starb. Er habe allein sein wollen. Das Letzte, was ihm seine Freundin schrieb, bevor sie selbst "starb", seien die Worte gewesen: "Denk daran: Ich liebe dich." Kurz darauf habe er erfahren, dass auch sie gestorben sei.

Für die Uni ist klar, dass Te'o Opfer statt Täter ist. Es handele sich um einen grausamen Scherz, sagte Sportdirektor Jack Swarbrick. Ein Kommilitone hingegen sagte ESPN, er sei sich "zu 80 Prozent sicher", Te'o habe es mit dem Tod seiner angeblichen Freundin auf Publicity abgesehen.

Das bestreite Te'o, sagte ESPN-Reporter Jeremy Schaap. Te'o betone, er habe erst vor kurzem erfahren, dass Lennay Kekua gar nicht existiert hat - und das auch nur, weil sich Ronaiah Tuiasosopo, der ihm gegenüber behauptet hatte, er sei der Cousin der jungen Frau, bei ihm via Twitter entschuldigt habe.

jjc

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insgesamt 8 Beiträge
1. lückenhaft
Doylebeule 19.01.2013
Die Geschichte ist immer noch nicht sonderlich glaubwürdig. Man lässt sich doch nicht jahrelang vertrösten, ohne einmal zu skypen oder in der Ferienzeit seine "Freundin" mal zu besuchen. Schon unter normalen [...]
Die Geschichte ist immer noch nicht sonderlich glaubwürdig. Man lässt sich doch nicht jahrelang vertrösten, ohne einmal zu skypen oder in der Ferienzeit seine "Freundin" mal zu besuchen. Schon unter normalen Umständen, ganz zu schweigen von Unfall, Krankheit und Beerdigung. Respekt vor der Selbstbeherrschung wenn man gleichzeitig als Star der renomierten Footballmanschaft bestimmt nicht zu kurz kommt was das Angebot an attraktiven Damen angeht. Da wirds noch einige Erweiterungen geben zu der Geschichte. Selten gesehen wie der Aktienkurs eines Spielers so nach unten gerutscht ist. Erst hat ihn Alabama so dermaßen schlecht aussehen lassen und jetz die Geschichte. Entweder ist er unheimlich naiv/dumm, oder er hat sich mit der von ihm (mit-)inszenierten Story charakterlich ins Abseits gestellt.
2. optional
Gaiwa 19.01.2013
Who knows. Kommt schon vor, dass Leute online-Beziehungen haben ohne sich je gesehen zu haben, aber Bekannten Geschichten erzählten, weil das für diese halt schwer nachvollziehbar ist. Wenn es das Profil denn wirklich gab, und [...]
Who knows. Kommt schon vor, dass Leute online-Beziehungen haben ohne sich je gesehen zu haben, aber Bekannten Geschichten erzählten, weil das für diese halt schwer nachvollziehbar ist. Wenn es das Profil denn wirklich gab, und sie tatsächlich Nachrichten austauschten, dann wirds wohl stimmen, dass er drauf reingefallen ist. Er wird ja wohl nicht jahrelang im Voraus diese zweite "Identität" angelegt haben. Dumme Geschichte ists auf jeden Fall, aber nicht zwangsläufig völlig erfunden.
3. mal hier nachlesen
sp1234 20.01.2013
Hier ein Artikel aus dem Guardian zu der Berichterstattung einerseits über den Tod einer fiktiven Person, und anderseits über den Selbstmord eines Vergewaltigungsopfers eben dieses Foorballteams. [...]
Hier ein Artikel aus dem Guardian zu der Berichterstattung einerseits über den Tod einer fiktiven Person, und anderseits über den Selbstmord eines Vergewaltigungsopfers eben dieses Foorballteams. http://m.guardian.co.uk/sport/us-news-blog/2013/jan/17/notre-dame-manti-teo-hoax-lizzy-seeberg
4. Hmmmmm ...
KingCrimson 20.01.2013
Welchen Grund könnte ein angehender NFL Superstar haben, eine Freundin zu "erfinden"!? VIELLEICHT entspricht es gar nicht seinen Vorlieben, eine echte Freundin zu haben. Das wäre mit Sicherheit ein absoluter Show [...]
Welchen Grund könnte ein angehender NFL Superstar haben, eine Freundin zu "erfinden"!? VIELLEICHT entspricht es gar nicht seinen Vorlieben, eine echte Freundin zu haben. Das wäre mit Sicherheit ein absoluter Show Stopper bevor die Karriere auch nur begonnen hat. Spekulation, aber eine plausible Erklärung wie ich finde ...
5.
ZeroQ 20.01.2013
ISt für mich ebenfalls der plaubilste Grund für diese Lüge. Es wird wohl den wenigesten gefallen, dass ein solcher Kerl andere Vorlieben hat. Ganz besonders noch wenn man Teil eines solchen Männer dominierten Sports ist [...]
Zitat von KingCrimsonWelchen Grund könnte ein angehender NFL Superstar haben, eine Freundin zu "erfinden"!? VIELLEICHT entspricht es gar nicht seinen Vorlieben, eine echte Freundin zu haben. Das wäre mit Sicherheit ein absoluter Show Stopper bevor die Karriere auch nur begonnen hat. Spekulation, aber eine plausible Erklärung wie ich finde ...
ISt für mich ebenfalls der plaubilste Grund für diese Lüge. Es wird wohl den wenigesten gefallen, dass ein solcher Kerl andere Vorlieben hat. Ganz besonders noch wenn man Teil eines solchen Männer dominierten Sports ist und das noch in den USA. Aber, wie ich finde, zeigt dies dass nicht die sexuelle Vorlieben eines Menschen wichtig sind sind ,sonder im Gegenteil man kann auch anders "gepolt" sein und trotzdem erfolgreich sein. Vorsausgessetzt man wird natürlich erfolgreich. Aber dies ist alles nur Spekulation und womöglich gibt es einen anderen Grund. Bleibt nur zu hoffen dass dieser nachvollziehbar ist. Ansonsten ganz schon blöd.

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